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St. Pauli Ruine startet am Sonnabend mit der Komödie "Diener zweier Herren" in ihre Saison

St. Pauli Ruine startet am Sonnabend mit der Komödie "Diener zweier Herren" in ihre Saison

"Wir sollten uns den Reiz, den morbiden Reiz dieses Ortes nicht entgehen lassen." Das klingt, als würde ein Gruftie von einem Friedhof oder ein Tourist von antiken Ruinenstätten schwärmen, in dem Stück "Purcells Traum von König Artus" von Tankred Dorst ist es allerdings ein Investor, der den Reiz eines baufälligen Opernhauses beschwört - was ihn und seine nicht minder finanzkräftigen und von Rendite träumenden Freunde aber nicht von dem Plan Abstand nehmen lässt, aus dem Musen- einen Einkaufstempel zu machen.

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Frank Weiland als Dottore und Ilka Knigge als Frau Sacci in der Komödie "Diener zweier Herren" von Carlo Goldoni und Peter Turrini.

Quelle: Theaterruine St. Pauli

Die schrägen Vögel, die sich in dem Objekt eingenistet haben, hätten keine Chance, wenn da nicht König Artus und seine Ritter der Tafelrunde sowie diverse Geistergestalten auftauchen würden. Die Figuren aus der Semioper "King Arthur" wurden durch die Musik zu neuem Leben erweckt.

"Purcells Traum von König Artus" ist ab Ende Juli in der St. Pauli Ruine zu sehen, die durch ihren morbiden Reiz auch so manche Begehrlichkeiten weckte, bei der aber ebenfalls keine Investorengruppe zum Zuge kam. Gebaut wurde natürlich schon (DNN berichteten). Aber nur, um die Funktion als Theater zu optimieren. Ein Glasdach wurde eingezogen, so dass die barrierefrei zugängliche Örtlichkeit strenggenommen zwar keine Openair-Spielstätte mehr ist, aber die lieben und weniger lieben Anwohner haben nun (mehr) Ruh'. Statt wie bisher bis 21 Uhr darf jetzt bis 22 Uhr Theater gespielt werden. Eine Belüftungsanlage führt (ungekühlte) Frischluft von außen zu, was heißt: Ist's außen lau oder schattig, so ist es auch innen lau oder schattig. Toiletten? Neu (nun aber unten im Keller). Notbeleuchtung? Auch neu.

Bespielt wird die romantische und nun auch regensichere Ruine vom Ensemble der Theaterruine St. Pauli e.V., wobei der Verein etwas über 100 Mitglieder zählt, wie dessen Chef Jörg Berger den DNN mitteilte. Es ist ein Kommen und Gehen, auch bei den Schauspielern. Manche Akteure ziehen in eine andere schöne Ecke Deutschlands, andere werden schwanger, dafür tauchen im Gegenzug neue Gesichter auf. Und dann gibt es gestandene alte Bühnenhasen, die seit Jahren mit von der Partie sind. Ein Nachwuchsproblem existiert jedenfalls nicht.

Ein Vorteil der Überdachung: Die "gesellige Komponente" (Berger) stimmt nun, endlich können die Vereinsmitglieder auch mal nach Proben oder Premieren zusammensitzen und feiern. Und bei der "Purcells Traum von König Artus"-Inszenierung kann endlich mal - absolutes Novum dank Schallschutz-Verglasung - so richtig mit musikalischen Elementen gearbeitet werden. So arbeitet Mario Solazzo derzeit an einem Soundtrack, "zu dem auch noch ein kleines Kammer-Ensemble, bestehend aus Klavier, Violine und Cello, spielen soll", wie Yvonne Dominik verriet, die zusammen mit Solazzo und Cornelia Drese an der musikalischen Erarbeitung beteiligt ist.

Wie in den Spielzeiten vor den Baumaßnahmen des vergangenen Jahres wird es in der Saison 2012, in der rund 100 Veranstaltungen angesetzt sind, zwei Premieren geben. In bewährter Manier ist die eine Neuinszenierung ein ernstes Stück, und die andere hingegen laut Berger "eine leichte Sommerkomödie, die Spaß macht" - in diesem Jahr "Der Diener zweier Herren", ein Klassiker des Genres von Goldoni (26. Mai). Die Hommage an die Vitalität des Theaters von Regisseur Berger in der Bearbeitung des Stoffes durch Peter Turrini auf die Bühne gebracht. Turrini hat die Geschichte im Mafia-Milieu angesiedelt - der stets hungrige Arlecchino, der aus Geldnot gegen das Gebot "Man kann nicht Diener zweier Herren sein" verstößt, wird laut Berger als "Sündenbock" für gar nicht begangene Morde innerhalb der "ehrenwerten Gesellschaft" im Knast landen, "weil er eben nicht zu den Privilegierten gehört". Mit ein Clo: "Die Rollen sind gegen das Geschlecht besetzt, um die ohnehin stete Verwirrung noch weiter zu treiben." Außerdem würden "spezielle Waffen" zum Einsatz kommen: Degen, Pistolen. Krückstock.

Im Kirchenschiff gibt es 250 Sitz-plätze, die Bausicherheit erlaubt bis zu 400 Besucher. Neu: Immer donnerstags ist Theatertag, zahlt man 11 statt 15 Euro (ermäßigt 7 statt 10 Euro). Bei einigen Vorstellungen besteht die Möglichkeit, ein damit verbundenes "Romantik Dinner" zu buchen (rechtzeitige Reservierung und Vorkasse sind erforderlich). Ein Novum ist auch der Maskenball am 18. August ab 19 Uhr, bevölkert nicht zuletzt von den berühmten Masken der Commedia dell'arte. Neben alten und neuen Stücken, manchmal bei Gastspielen wie etwa der Spielbühne Freital mit "Wie es euch gefällt", sind viele Konzerte angesetzt. Das Blaue Einhorn schaut wieder vorbei, die Guitarreros und die Gruppe Euphoryon. Fans von Gerhard Schöne, der das erste Mal in der St. Pauli Ruine gastiert, sollten sich den 21. Juli vormerken. Um 16 Uhr gibt er ein Familienkonzert, um 19.30 Uhr ein Abendkonzert.

Karten und Info: Tel. 0351/2 72 14 44

Karten ab sofort auch im Internet buchbar:

www.theaterruine.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.05.2012

Christian Ruf

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