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Schrill ist anders: Baby Dee beim Schaubudensommer der Scheune Dresden

Schrill ist anders: Baby Dee beim Schaubudensommer der Scheune Dresden

Es wurde höchste Zeit, dass Baby Dee im vergangenen Jahr ihr Dresden-Debüt gespielt hat. Beim ersten Thalia-Gardens-Festival gehörte ihr die kleine offenluftige Bühne ganz, als sie sich - grell geschminkt und mit aufrecht stehendem Haupthaar - im rosa Kleid an den schwarzen Flügel und die güldene Harfe setzte.

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Baby Dee überrascht mit ihrer Vielfältigkeit.

Quelle: PR

Als bunt wird die legendäre Künstlerin immer gern beschrieben, als exaltiert und schrill. Bunt? Ja! Exaltiert? Gern! Schrill aber ist etwas anderes. Trotzdem wird sich Baby Dee an vier Abenden beim Schaubudensommer zur passgenauen Perle inmitten all des so liebevollen Zaubers rund um die und in der Scheune entpuppen. Und sie wird sich inmitten dieser wild-verwegenen Künstlerkolonie verdammt wohlfühlen.

Baby Dee entzieht sich jeglicher Klassifizierung geschickt durch immer wieder eine neue Kehre. Das gelingt ihr schon mal innerhalb eines 40-Minuten-Konzerts. Blues, Jazz, Chanson, Vaudeville, Kammerklassik, Cabaret, Zirkus, Rock'n'Roll, alles ist dabei und so soll es sein! 1953 in Cleveland geboren, mit 20 nach New York gezogen, in Kirchenchören gesungen, auf Kirchenorgeln geschmettert, auf Straßen für Frischverliebte Ständchen gespielt, Bäume gefällt und fällen lassen, in Nachtclubs getanzt, oft verlacht, spät geadelt, aufgrund ihrer Transsexualität schwer diskriminiert - Baby Dee könnte Lebensgeschichten erzählen! Sie macht es in ihren Songs, nicht nüchtern beschreibend, sondern wunderbar literarisch geschliffen, verfremdet, skurril gewürzt.

Für die Welt, also das Musik- und Konzertgeschäft, war Baby Dee erst spät zu greifen, denn zwischenzeitlich hatte sie den Schmelztiegel New York wieder in Richtung Cleveland verlassen, um mehrere Jahre lang ihre kranken Eltern zu pflegen. Über David Tibet und seine experimentelle Band Current 93 kam so etwas wie Karriere in Gang. Als Antony Hegarty im Jahre 1998 sein Debütalbum "Antony And The Johnsons" einspielte, war Baby Dee an der Harfe dabei. Logisch, dass man auch von ihr sprach, als Engelsänger Antony Jahre später "abging" wie eine Rakete. Da hatte sich Baby Dee endlich ihrem eigenen Weg gewidmet, seit 2001 eigene Songs auf Platten veröffentlicht, Kollegen wie Matt Sweeney und Will Oldham beglückt, weltweit getourt und dabei zuhauf glückliche Menschen hinterlassen. Denn mag man anfangs etwas verwirrt sein ob ihres oft putzigen Aussehens, wird es in Sälen (und Zelten) schnell still. Andacht kann entstehen. Lachen aber auch, denn Baby Dee hat auch eine herrlich humoristische Ader.

Wenn es nun in Dresden an vier Abenden neue Auftritte gibt, hat Baby Dee auch eine neue CD dabei. Und die hat es in sich, denn es ist ein Duo-Projekt mit ihrer gleichsam wunderlich-wunderbaren und legendären New Yorker Off-Kollegin Little Annie. "State Of Grace" erschien in diesem Frühjahr, inzwischen war auch Little Annie in der Stadt (zusammen mit der italienischen Band Larsen als Vorprogramm für die Swans). Was für eine formidable und berührende Liedersammlung dieser Damen! Bittersüße, gebrochene Balladen mit zeitlosen Stimmen, packend instrumentiert mit Streichern, Klavier, Hammond, Sax. Was für ein Wynona-Carr-Cover vom Gospel "Pilgrim Traveler"! Was für ein Duett von Little Annie mit Will Oldham für das Titelstück, in dem Oldham so ehrfürchtig klingt wie selten zuvor.

Im künstlerischen Dasein von Baby Dee kommen viele Dinge spät - die Kollaboration mit Little Annie gehört dazu. Zum Glück fehlt auch hier vor dem "spät" das "zu"!

Baby Dee live bis Sonnabend auf dem Scheune-Gelände (Programm täglich ab 20 Uhr)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.07.2013

Andreas Körner

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