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Projekt springhouse auf dem Festspielgelände in Hellerau

Künstlerresidenz Projekt springhouse auf dem Festspielgelände in Hellerau

Das Projekt springhouse verbindet Recherche, Künstlerresidenz, Performanceprogramm und Festival. Über 20 Künstler wurden in der vergangenen Woche für eine Residenz nach Hellerau eingeladen. Ihre Arbeiten haben sie am Wochenende präsentiert.

Der chinesische Künstler Dai Chenlian
 

Quelle: Gabriele Gorgas

Dresden. Das Projekt springhouse hat sich bislang schon an vier verschiedenen Orten in Dresden einen Namen gemacht und ist in den zurückliegenden Tagen erstmals auch auf dem Gelände vom Festspielhaus Hellerau angelandet. Ein bevorzugter, reichlich Spiel-Raum bietender Platz für Künstler und Künste, und das schon seit Gründungszeiten. Zugleich ein Ort für Entdeckungen all jener, die Zeit, Dimension und Impulse zu nutzen verstehen, um diese Eindrücke und Inspirationen auf ihre Weise künstlerisch zu reflektieren.

Zum Projekt, besser vielleicht Prozess, gehörten jeweils auch Recherche, Workshop, Künstlerresidenz und Performanceprogramm, quasi als Festival der besonderen Art. Und dafür haben 2017 mehr als 20 Künstler, sowohl gastgebende wie auch internationale Teilnehmer, das außergewöhnliche Tessenow-Gebäude und das umgebende Gelände erkundet. Dabei wurden Bereiche geöffnet, die sonst für Besucher kaum zugänglich sind, waren künstlerische Akzente ebenso im Nebengebäude wie auf dem Platz zu entdecken.

Suter/Schramm aus Dresden bei ihrer Dauerperformance „Du unendliche Spur, Du“

Suter/Schramm aus Dresden bei ihrer Dauerperformance „Du unendliche Spur, Du“

Quelle: Stephan Floß

SCALE (Maßstab) ist als übergreifendes Thema dieser kurzzeitigen springhouse-Residenz 2017 gewählt worden, bei der stets Künstler der gastgebenden Stätte mit einbezogen sind. Und ganz offenbar hat es an Assoziationen zu „Maßstab“ nicht gemangelt; dazu passt vieles oder es ist passend gedacht und gemacht worden. Der chinesische Künstler Dai Chenlian beispielsweise hat SCALE bildhaft und deutlich auch bewegt in Szene gesetzt. Zu erleben unmittelbar in der Unterbühne, ein Bereich, der mit aufwendigen Umbauten als „Orchestergraben“ genutzt werden kann. Die spezielle Raumstruktur wie auch alles Mögliche, was sich da so findet, nutzte er geschickt für seine Performance, brachte Blätter mit deutschen Worten und Namen an, die den Besuchern bei der Orientierung helfen sollten.

Wie in einer Chorografie der Dinge platzierte, bewegte, veränderte Chenlian diese Objekte, seien es nun rollbare Ballettstangen, Spiegelwände oder Tafeln, zelebrierte ein denkwürdiges, merkwürdiges Geschehen, wo sich manches auch erst im Nachsinnen erschlossen hat. Dabei nutzte er die eigene Stimme (martialisch abgehoben) oder Licht (inszeniert) bis hin zu Klang (auch von pfeifenden Wasserkochern), besonders aber Bewegung als rätselhaftes Positionsspiel der Objekte. Selbst das Publikum war im verschobenen Spiegelbild zuweilen mit eingeblendet. Und vielleicht stammen auch die kuriosen Wandzeichnungen an den Kellerwänden von ihm, eine Art Wald von „Maßstäben“.

Überhaupt ist bei springhouse nichts unmöglich. Da bot Hagen Betzwieser eine abenteuerliche Story zum „Geruch des Mondes“ mit einer Fülle weißer Luftballons, bekannte sich Marten Schech mit „Stuhlregale“ zu seiner speziellen Sammelleidenschaft oder das Dresdner Künstlerduo Sutter/Schramm bannte ausharrende Neugierige auf der Empore, die herausfinden wollten, worauf sich deren Langzeitperformance nun wirklich bezieht.

Manche Projekt-Räume waren in diesen Tagen einfach, andere nur wie versteckte Ostereier zu finden. Selbst dann, wenn man den Plan eifrig studierte. Und wer es auch in den Golgi Park, gehegt und gepflegt als aufblühender Garten hinterm Festspielhaus sowie multikultureller Treff, oder in den Westflügel schaffte, wird es sicher nicht bereut haben. Denn da war mit der Appia-Bühne in Modellgröße und assoziierenden Zeichnungen von Hector Solari nicht nur die Historie aufgerufen. Es fanden sich auch kuriose Schöpfungen von Irene Pätzug und Valentin Hertweck, die sich beim Eintreten wie von Geisterhand bewegten.

Dass das Festspielhausgelände mit seiner enormen Dimension Publikum schnell „aufsaugen“ kann, ist nichts Ungewöhnliches bei solch mehrtägigen Projekten. Zu manchen Zeiten war das Haus rappelvoll, speziell auch zur Eröffnung, bei Konzerten oder der Party. Zu anderen wiederum konnten die beteiligten Künstler schon mal fast unter sich sein. Was aber auch kein Problem sein dürfte. Schließlich gehören Begegnungen einfach mal mit zum Anliegen von springhouse.

Wie es ebenso normal ist, dass bei diesem Projekt, wo es auch stattfindet, Gäste im weitesten Sinne gastlich empfangen werden. Und da war einiges zu Gange, steuerten viele die langgezogene Tafel mitten im Großen Saal an, speziell dann, wenn darauf frisches Brot, Salate, Aufstriche und dergleichen mehr zum Verweilen eingeladen haben.

Von Gabriele Gorgas

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