Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Pippo Pollina setzte in Dresden auf Hoffnung

„Musik zwischen den Welten“ Pippo Pollina setzte in Dresden auf Hoffnung

Ein Hoffnungsvermittler: Der Cantautore Pippo Pollina bleibt sich treu und ersingt uns eine wünschenswerte Welt. Auch seine 22. CD verbindet mitreißende Musikalität mit nachdenklich stimmendem Inhalt. Am Sonntag war er zu Gast im Kleinen Haus in Dresden.

Pippo Pollina

Quelle: Christina Pollina Roos

Dresden. Kaum ist der Mai wirklich ausgebrochen, verleitet er Moderatoren, Musiker und sonstige Menschen zu beständigem Gerede über stärker wirkende Sonnenstrahlen und die damit verbundenen Temperaturen. Sie steigen ebenso wie die Bereitschaft, permanent über’s Wetter zu reden. Obwohl das absolut müßig ist …

Wenn aber ein Sizilianer in Dresden über sizilianisches Klima an der Elbe parliert, ist das etwas anderes. Dann macht er sich bei den Einheimischen lieb Kind und denkt vermutlich tatsächlich an Palermo, seine Geburtsstadt. Mit anderen Worten: Pippo Pollina war am Sonntag mal wieder in Dresden und sang erneut bei „Musik zwischen den Welten“ im Kleinen Haus des Staatsschauspiels.

Hier wie an vielen anderen Orten der Welt hat sich der seit langem in der Schweiz lebende Italiener ein festes Publikum ersungen. So war es denn auch kaum überraschend, dass sein jüngstes Dresden-Konzert absolut ausverkauft gewesen und die Schar seiner Anhänger in jede Altersrichtung nur gewachsen ist. Nach eineinhalbjähriger Kreativpause, während der er die Bühne mied und seine neueste CD fertigstellte, tourt Pollina derzeit mit seiner Begleitband, dem Palermo Acoustic Quintet, durch die Lande und besingt, was bitter Not tut in Zeiten wie diesen: Hoffnung!

Klar, wer in Palermo geboren ist, geht entweder zur Mafia oder reibt sich an ihr. Pippo Pollina wählte den zweiten Weg und sang sich von der Straßenmusik zu einem international bekannten Cantautore, der den Menschen Freude und Zuversicht geben will, indem er mit musikalischen Mitteln für Lichtblicke sorgt. Er hat sich nicht nur mit der Cosa Nostra angelegt, sondern macht auch Mut, sich gegen mafiöse Strukturen in der Politik zu wehren. Voller Respekt besingt er den einstigen Boxweltmeister Cassius Clay, der sich nicht in die Uniform einer mörderischen Armee zwingen ließ, um unschuldige Menschen in Vietnam zu töten, und statt dessen eine mehrjährige Haftstrafe antreten musste. Begeistert berichtet der Sänger von einem Kuba-Besuch, der ihn ins Krankenhaus führte, wo Ärzte und Schwestern sich um die Gesundheit sorgten – und nicht um Versicherungskarten und Abrechnungsformulare.

Der nun bald 55-jährige Pippo Pollina wirkt authentisch und mitreißend, wenn er solche Berichte ins Publikum streut – auch wenn wir natürlich wissen, dass solch eine Tour von Professionalität und Wiederholung lebt. Pollinas Auftritte sind aber ebenso glaubhaft wie seine Lieder, die mal vom Verlust einer guten Freundschaft künden, mal von den Fragen eines Flüchtlingskindes an seinen Vater, die das Meer besingen und den Sommer. Ob es wirklich schön wäre, in dieser Jahreszeit zu sterben, wie eine Liedzeile meint? Der Titel von Pollinas neuer, nun schon 22. CD (die es auch auf Vinyl gibt) spricht eine andere Sprache: „Il sole che verrà“ heißt frei übersetzt, der Sommer kommt wieder.

Alles wird wieder gut, nachdem die Welt in einen scheinbar unrettbaren Zustand bugsiert worden ist? Hoffnung ist nichts Passives, meint Pollina dazu, sie muss „ernährt“ werden.

„Es geht ums Tun und nicht ums Siegen,“ sang einst Konstantin Wecker, den man eigentlich nicht anzweifeln mag. Aber vielleicht irrte er da – und es geht tatsächlich weniger ums pure Tun als um den Sieg der Vernunft über Partei- und andere Glaubensgrenzen hinweg? Viele Pollina-Fans haben den Süditaliener zuerst mit dem bajuwarischen Barden erlebt, sind aber längst überzeugt, dass er kein namhaften Zugpferd mehr braucht, sondern selber eins ist. Dennoch gehörte „Questa nuova realtà“ mit ins Konzert, „Freunde, rücken wir zusammen, denn die Dummheit macht sich wieder einmal breit.“

Das Acoustic Quintet ist zwar eine fünfköpfige Band, beherrscht jedoch eine zauberhafte Vielfalt an Stilen und Instrumenten, dass hier beinahe ein großes Orchesterkonzert zu erleben gewesen ist. Das Partisanenlied „Bella Ciao“ als dessen Schlusspunkt setzte diesem heißen Abend dann einen so hitzigen Abschluss, dass jedes Wettergespräch gewiss mit Nachdenklichkeit gewürzt war.

Von Michael Ernst

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr