Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Google+
Philharmonie-Kinderkonzerte: Aus- und Rückblick

Philharmonie-Kinderkonzerte: Aus- und Rückblick

Eine turbulente Spielzeit liegt hinter Otto, dem Ohrwurm. Nicht nur musste er umsiedeln und sich an seine neue Auftrittsstätte Alter Schlachthof gewöhnen, auch thematisch war es aufregend.

Voriger Artikel
Keine Gefahr für Dresdens Kunstschätze durch Hochwasser
Nächster Artikel
Deutsche Erstaufführung von Massenets "Esclarmonde" in Dessau

Otto der Ohrwurm

Quelle: Philharmonie

Einen Leutnant, den es gar nicht gibt, der trotzdem eine rauschende Hochzeit feiert und am Ende gar prunkvoll zu Grabe getragen wird, lernte man im ersten Konzert im November kennen. Oder eher nicht? Zur Revolution geblasen wurde im Januar, heftige Meeresstürme und ein Geisterschiff spielten in der letzten Veranstaltung vergangenen Sonntag eine Rolle.

Herausfordernde Stoffe also für Kinderkonzerte, für junge Hörer nicht immer einfach zu durchschauen. Im Großen und Ganzen gelang es den Otto-Machern aber gut, die Themen entsprechend aufzubereiten, zusammenz- ufassen, zu filtern. Am schwierigsten war es bei dem von Johannes Klumpp dirigierten Programm "Otto und Leutnant Niehmand" zu Sergej Prokofjews Suite "Leutnant Kije", wo es nicht so recht gelang, den (beabsichtigten) Schreibfehler tatsächlich aufzuklären, in all der Verwirrung - zumindest in der von mir besuchten ersten Vorstellung - nicht einmal der Name des Komponisten fiel, Moderator Andreas Tiedemann zudem recht oft ins Stocken geriet.

Da natürlich auch ein Ohrwurm immer am Puls der Zeit ist, war es für Otto eine Selbstverständlichkeit, das Wagner-Jubiläum aufzugreifen. "Otto wagnert" diente dem Wurm und Moderator Christian Schruff zunächst dazu, dem jungen Publikum Richard Wagner und seine Beziehung zu Dresden vorzustellen. Und die "Rienzi"-Ouvertüre zur Erläuterung des Begriffs Oper. Mal wieder verschwand der freche Wurm - stets trefflich gesprochen von Christian Gaul - verbotener Weise in einem Instrument, der von Christian Höcherl vorgestellten Trompete.

Dass er da drinnen ziemlich nass wurde, hielt Otto wahrscheinlich davon ab, das Gleiche beim Englischhorn zu versuchen, das im letzten Konzert von Jens Prasse präsentiert wurde. Das Instrument mit dem an ein ganz anderes denken lassenden Namen hat eine wichtige Funktion in Wagners "Fliegendem Holländer". Ebenso die "goldene Schnecke", also das echte Horn, das Friedrich Kettschau an die Bühnenrampe brachte. Wagners Leitmotiv-Technik war da natürlich noch so ein Stichwort, das sich anhand des Themas anschaulich erläutern ließ. Geisterschiff und musikalischer Sturm, der verfluchte Holländer und die liebende Senta taten ein Übriges, um das Ganze zu einem spannenden Konzert werden zu lassen. Und einmal mehr legten sich auch die Philharmoniker unter Leitung Alexander Merzyns gehörig ins Zeug. Merzyn hatte schon das erste Wagner-Konzert hoch engagiert und auch mit Worten mitmischend geleitet.

Noch ein drittes Mal wird es der Ohrwurm mit dem Komponisten zu tun haben, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird: Das erste Otto-Konzert der neuen Spielzeit nämlich stellt am 24. November Musik aus Wagners "Ring des Nibelungen" vor.

Danach geht die Saison thematisch nicht mehr ganz so schwerwiegend weiter. Am 16. März kriecht Otto Till Eulenspiegel über den Weg, wenn dessen lustige Streiche mittels der Musik von Richard Strauss vorgestellt werden - dem Jubilar des Jahres 2014 (150. Geburtstag). Zum Orchesterfeuerwerk lädt Otto dann am 1. Juni mit Händels "Feuerwerksmusik".

Alles reiche Fundgruben also für die Otto-Geschichtenschreiber, zu denen neben den genannten noch der für Bühne und Projektionen verantwortliche Luis Alberto Negrón van Grieken zählt. Obacht geben müssen sie vielleicht, dass der zweifellos nötige Witz nicht irgendwann zu klamaukig wird - die Gefahr drohte gelegentlich schon.

Während Ottos Zuhause auch künftig der Alte Schlachthof bleibt, werden die in dieser Saison ungünstigen Anfangszeiten der je zwei Konzerte nach vorn gezogen und beginnen mit 10.30 Uhr und 12 Uhr dann etwas familienkompatibler. Damit liegen die Konzerte zwar immer noch so nah beieinander, dass an- und abreisendes Publikum auf schmalem Pfad aufeinanderstoßen - aber Familien mit Kindern sind ja Trubel gewöhnt.

www.ottoderohrwurm.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.06.2013

Sybille Graf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr