Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+
Operetten-Premiere "Giuditta" in Dresden

Operetten-Premiere "Giuditta" in Dresden

Ein jüdisches Paar, das sich am Ende vergiftet? Krankenschwestern, die Soldaten auf ihren Feldbetten "bedienen"? Ein Lord Barrymore, der sich im größten Moment seiner Lust erschießt? Es waren viele Fragen, die Regisseur Robert Lehmeier mit seiner Inszenierung von "Giuditta" am vergangenen Freitagabend in der Staatsoperette aufwarf.

Voriger Artikel
Herbert Blomstedt dirigierte die Staatskapelle
Nächster Artikel
Crosby, Stills & Nass: Woodstock-Wetter in der Jungen Garde in Dresden

Überzeugte in der Titelpartie: Ingeborg Schöpf.

Quelle: Stephan Floß

Allen voran die Frage, wie weit darf und kann in ein Stück eingegriffen werden, ohne dass die eigentliche Handlung daran Schaden nimmt.

Lehárs letzte Operette feierte am 20. Januar 1934 in der Wiener Staatsoper eine grandiose Uraufführung. Ein langersehnter Traum war damit für den Komponisten in Erfüllung gegangen, der sich Zeit seines Lebens nach der Oper gesehnt hatte. Dabei war "Giuditta" weder Oper noch Operette. Als "musikalische Komödie" bezeichnete er selbst sein Werk, obwohl es mit dieser absolut nichts gemein hat. Da ihm nahegelegt wurde, das Stück dem Duce Mussolini zu widmen, verlagerte er vermutlich die Handlung von Spanien nach Italien. Lehmeier holte diese in der Dresdner Inszenierung nun zurück ins Land des Flamencos.

"Giuditta" erzählt die Geschichte einer männerverzehrenden, temperamentvollen Schönheit, die durch ihre Rastlosigkeit letztendlich am allermeisten zu bemitleiden ist. Von ihrem Ehemann Manuele flüchtet sie zu dem schneidigen Soldaten Octavio nach Afrika. Es ist eine innige, impulsive Liebe, die nach nur 14 Tagen auf eine harte Probe gestellt wird, da Octavio seiner Pflicht gegen die Aufständischen nachzukommen hat. Als er dann den Fahneneid doch bricht, ist es zu spät. Giuditta vergnügt sich bereits anderweitig, genießt die Zuwendung zahlreicher Männer in einem Nachtlokal, in dem sie als Gesangsstar gefeiert wird. Durch Zufall kreuzen sich ihre Wege Jahre später nochmals in einem europäischen Großstadthotel, in dem Octavio als Barpianist auftritt. Er hat sie mittlerweile aufgegeben. Sie muss erkennen, dass sie trotz ihrer Liebe zu ihm verloren hat.

Obgleich sich über die Tiefsinnigkeit dieser Operette diskutieren lässt, wirkten die Charaktere in Lehmeiers Inszenierung zurückgedrängt, nicht genug ausgeformt, als dass sie das Publikum hätten berühren können. Maßgeblich war für den Regisseur die historische Einordnung, vor allem vor dem Blickwinkel, den wir heute durch das Wissen um den Fortgang der Geschichte haben. So hatten zu der Zeit in ganz Europa Menschen millionenfach mit mehr als nur einer sentimentalen Liebesgeschichte fertig zu werden. So sehr die Herangehensweise vor diesem Hintergrund ihre Berechtigung hat, die Umsetzung gelang an vielen Stellen zu plakativ. Das ältere Paar beispielsweise, das schon in der ersten Szene, mit einem Judenstern gezeichnet, zwischen den Markttreibenden auftaucht, lenkt am Ende in der Hotelbar schlichtweg von dem eigentlichen Liebespaar ab. Während Giuditta und Octavio im Vordergrund ihr Finale singen, vergiften sich die zwei. Die Handlung selbst wird zur Farce und verkommt zur Nebensache.

Trotz anfänglicher akustischer Schwierigkeiten, die sich durch das Bühnenbild ergaben, brillierte Ingeborg Schöpf mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz und gesanglichen Höchstleistungen in der Titelpartie der Giuditta. Auch Artjom Korotkov, stimmlich hervorragend, überzeugte als Octavio in seiner Wendung vom impulsiven Liebhaber ("Freunde, das Leben ist lebenswert") zum gebrochenen Mann. Nur ihre Liebe nimmt man ihnen nicht vollständig ab. Ganz anders hingegen bei Buffopaar Anita und Pierrino (Olivia Delauré, Andreas Sauerzapf), die ihrer Funktion im Stück mit erheiternden Tanzeinlagen und großartig gesungenen Duetten alle Ehre machten.

Ein ausgesprochen szenischer Höhepunkt war die Nachtlokalszene im "Alcazar" zu Beginn des vierten Bildes, die vor allem durch das Bühnenbild samt der originellen Kostüme, Anitas gespielter Unbeholfenheit mit ihren Kastagnetten sowie nicht zuletzt durch die beeindruckende Darbietung der Arie "Meine Lippen, die küssen so heiß" von Ingeborg Schöpf auflebte. Eine Anspielung auf Giudittas eigentliches Leid gab es dann doch: Wie ein exotisches Tier führte der reiche Lord Barrymore sie an ihrer Perlenkette durch die Szenerie. Reichlich überambitioniert wirkten jedoch die sexuellen Anspielungen sowie der tote Barrymore, der im Originallibretto nicht sterben muss. Insgesamt bleibt ein zwiespältiger Eindruck zurück.

nächste Aufführungen: 25., 29., 30.6.

www.staatsoperette-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.06.2013

Kathleen Goldammer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr