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Nicht alles rosig in der Oper - DNN-Rezensent Boris Michael Gruhl blickt auf die Dresdner Saison zurück

Nicht alles rosig in der Oper - DNN-Rezensent Boris Michael Gruhl blickt auf die Dresdner Saison zurück

Was war, was wird? Was war herausragend, wo konnten Erwartungen dagegen nicht erfüllt werden? Auch im Kulturbereich wird mittlerweile oft und gern nach Höhepunkten und Enttäuschungen gesucht, die eine Saison, ein Jahr, eine Spielzeit geprägt haben.

Eine Aufgabe, der sich nun im Sommer in lockerer Folge auch Autoren der DNN-Kulturseiten stellen. Sie fassen ihre ganz persönlichen Favoriten und Impressionen zusammen, erzählen in komprimierter Form von ihren Eindrücken zwischen Bravos und Kopfschütteln. Es ist mehr ein Rück- als ein Ausblick, und er soll subjektiv und damit streitbar sein. Vielleicht ein Anlass, auch als Leser vor diesem Hintergrund sein ganz persönliches Resümee zu ziehen - oder sich bewusst mit dem Fazit unserer Autoren auseinanderzusetzen. Heute erinnert sich Boris Michael Gruhl.

Das herausragende Ereignis

Das herausragende Ereignis, im Hinblick auf eine einzelne Veranstaltung, könnte ich im Rückblick auf die vergangene Saison nicht benennen. Aber insgesamt möchte ich für mich die gesamte Saison des Semperoper Balletts als besonderes Ereignis bezeichnen. Das betrifft die beiden Premieren in der Semperoper mit dem mehrteiligen Ballettabend "Bella Figura" ebenso wie die Uraufführung "Romeo und Julia" in der Choreografie von Stijn Celis, nicht zu vergessen die hoffnungsvolle Talentprobe von Michael Tucker auf der Probebühne mit seiner heiteren Arbeit "Das verlorene Tagebuch" für die ganze Familie.

Unbedingt zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang die Repertoireaufführungen der Dresdner Kompanie von Aaron S. Watkin und hier besonders die kontinuierliche Förderung der Tänzerinnen und Tänzer auch aus den Gruppen der Halbsolisten und Coryphées durch die Anforderungen, sich solistisch, mitunter sogar in Hauptpartien, zu bewähren.

Überraschendster Künstler

Überraschungen zunächst auch im Ballett. Dass der erste Solist Jirí Bubenícek ein hervorragender Tänzer von internationaler Bedeutung ist, wird niemand bestreiten. Dass er aber gemeinsam mit Julia Weiss in den Titelpartien von "Romeo und Julia" dieser Rolle, die man zu kennen meint, neue, sehr individuelle Charaktermerkmale abzugewinnen weiß, ist wahrhaft eine Überraschung.

Für eine Überraschung sorgte auch die Tänzerin Gina Scott aus dem Corps de ballet mit ihrer tänzerischen und ausdrucksstarken Leistung als Tempeltänzerin Nikia in "La Bayadère" am 25. Juni in der Semperoper.

Natürlich gehören die "Rosenkavalier"-Aufführungen am Ort der Uraufführung mit der Sächsischen Staatskapelle unter der Leitung von Christian Thielemann zu den besonderen Ereignissen der vergangenen Opernsaison. Eine Überraschung war die Sängerin Anne Schwanewilms als Marschallin, so zerbrechlich wie sensibel, dabei ungemein charakterstark, wahrhaft zu Herzen gehender Gesang.

Eigentlich aber, auch im Hinblick auf die namhaften Besetzungen der weiteren Partien dieses Dresdner Dauerbrenners von Richard Strauss, sollten dies nicht die unbedingten Ausnahmen, sondern die Maßstäbe für eine ganze Opernsaison sein. Der Blick in die gar nicht so ferne Vergangenheit an diesem Haus bestätigt, dass dies möglich ist.

Enttäuschte Erwartungen

Enttäuschend war die Opernsaison insgesamt. Das aufwendige Henze-Spektakel zu Beginn taugt bestenfalls als kulturpolitisches Ereignis, die Inszenierung "Der Fliegende Holländer" bei sicherlich interessantem Ansatz verliert sich leider im inszenatorischen Irgendwie und angesichts der Gesangsleistungen in Händels "Orlando" fragt man sich schon nach der Kompetenz der Verantwortlichen gerade im Hinblick auf die zeitgemäße Aufführung von Barockopern in Dresden und den möglichen Irrtum, unbedingt Besetzungen mit Kräften des Ensembles zu stemmen.

Was fehlte in der Saison?

Kurz und knapp, auf die Opernsaison bezogen, ein hervorragendes Ereignis.

Worauf ist die Vorfreude groß?

So unterschiedlich die Werke sein mögen, man darf gespannt sein auf eine neue Produktion der "Elektra" von Richard Strauss am Uraufführungsort in der Semperoper unter der Leitung von Christian Thielemann und die damit verbundene vorsichtige Erweiterung des Repertoires der Strauss-Opern im Jahr des 150. Geburtstages des Dresdner Hausgottes.

Und natürlich die Dresdner Erstaufführung der musikalischen Komödie "Moskau, Tscherjomuschki" von Dmitri Schostakowitsch auf der Probebühne Semper 2. Auch wenn die Moskauer Musicalvariante wahrscheinlich in Dresden an diesem Ort nicht den schwungvoll-ironischen Übermut dieser eigentlich groß besetzten Revuesatire von 1959 präsentieren wird, darf man gespannt sein. Wie es schief gehen kann mit diesem Werk, konnte man ja vor einem Jahr an der Berliner Staatsoper, auch in gestutzter Variante, in der Werkstatt des Schillertheaters erleben. In Dresden aber, an der Staatsoper, kann es ja nur besser werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.07.2013

Boris Michael Gruhl

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