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Natur als filigrane Schablone des Menschlichen - Neue Malerei von Leonore Adler in der Galerie Mitte Dresden

Natur als filigrane Schablone des Menschlichen - Neue Malerei von Leonore Adler in der Galerie Mitte Dresden

Die Welt ist für die Dresdner Malerin Leonore Adler nicht heiler geworden, obwohl ihr künstlerischer Ausgangspunkt in der Hinwendung zur noch intakten Natur bestand.

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Leonore Adler. "...gerade nochmal gutgegangen...", Seidenpapier, geklebt und übermalt auf Bütten.

Quelle: Repro: L. Adler

Reisen nach dem Süden und genaue Beobachtung seiner Natur waren Anfang der 90er Jahre immer wieder beliebte Anregungen für die eigene Arbeit. Dort fand sie auf Inselbiotopen den Reichtum und die Kraft von exotischen Blumen, Pflanzen und Tieren. Die "zivile" Natur, die sich gerade in jüngster Vergangenheit gegen die Anfeindungen des Menschen zu wehren hatte und die von Naturschützern, Philosophen, Freaks und Heilern immer wieder als Jungbrunnen gefeiert wird, war seit Beginn von Leonore Adlers Schaffen Gegenstand ihrer Malerei.

Noch 1996 waren es Bilder von überscharfer Realität, in denen Florales und das Tier dominierten, darunter bis heute die Katze, von der auch in dieser Ausstellung die Rede ist. Genaue Kenntnisse der Botanik und Zoologie waren dabei die notwendigen Voraussetzungen, die sich die Künstlerin schon frühzeitig im Zoo und in botanischen Gärten angeeignet hat.

Leonore Adler ist 60 geworden. Liegt es am Alter der Künstlerin, der Reife und der unabdingbaren Einsicht in die Vergängnis aller Dinge, dass Leonore Adler nun mit ihrer Kunst über Apokalypse und Endzeit philosophiert? Oder stehen die Zeichen auf Sturm, sind ihre Ahnungen Gegenwart unseres Alltages geworden und die "Endzeit" eine reale Option, nicht nur Jahrtausende alte Horrorvision der Menschheit? So mischen sich in die opulenten Bilder, darunter sehr scharfsichtige, überreale Stillleben, dunkle Töne, violettschwarzes Abendlicht, symbolisch überhöhte Arrangements mit Rotweinglas und stürzenden Gestalten, über die sich immer wieder Blätter und Pflanzenranken neigen und winden, die Beschwichtigung und Ruhe ins Bild bringen ("Das letzte Gericht", Acrylaquarell, 2010).

Die Andeutung von Industriebrachen und verfallenen Städten (oft im Hintergrund des Bildes), in die die Natur zurückkehrt, ist zwar keine neue Erkenntnis, auch in der modernen Kunst nicht, wird aber von Leonore Adler zum ästhetischen Phänomen einer Feier der Natur, die nicht unterzukriegen ist. Vages geht dabei Hand in Hand ("Der Wächter über Sumpf und Sand", 2011) mit "Übertreibungen", einer realistischen Darstellung von Pflanze, Mensch und Tier, die manchmal auch nur angedeutet wird, oft aber durch ihre überwirkliche Auffassung auffällt.

Wildheit und menschliche Ordnung begegnen sich auch in vielen ihren Bildern, der gottnahe Mensch (die Fruchtbarkeitsgöttin oder schlechthin die Allegorie von "Mutter Erde") und die liebende Gestalt einer hinter Büschen und Bäumen versteckten Frau, deren Gesicht wie scheues Wild hervorragt, sind beliebte Kompositionen von Leonore Adler. Wie das welkende Ahornblatt auf der Einladungskarte, das überscharf in den Fokus genommen wurde, so stellt sich bei der Betrachtung der Vergleich mit der Existenz des Menschen ein: Noch hängt es am Baum, aber es färbt sich schon Orange-dunkelrot. So sind Leonore Adlers Naturbilder filigrane Schablonen des Menschlichen, Gleichnisse auf Wachsen und Vergehen, auf den Lebenskreis, wie auch ein Fest des Sinnlichen, gewürzt mit Witz und Erotik. Manche Form ist prall und lebenshungrig, wie der Kürbis, die zahlreichen Früchte, allen voran der Granatapfel, die Aubergine, Zitrone und Melone, aber auch der exotische Schmetterling, zahlreiche Vögel und ein Pferd sowie die hungrige Heuschrecke (hier als Symbol für einen dekadenten Bänker: "Abendmahl einer Heuschrecke") beleben das Bildprogramm von Leonore Adler.

Spiel mit eigeneStimmungen

Opulenz auch in den Körperformen des Menschen, wie bei der alternden Frau ("Die Fruchtbarkeit", 2004), die von blühendem Mohn umringt ist. Eine eigenwillige Interpretation Shakespeares ist die Allegorie auf "Julia und Romeo" (2012), zwischen deren Gesichtern ein kleiner Totenschädel liegt. In einer Serie mit Stillleben als Doppelbildrahmungen spielt die Malerin mit eigenen Stimmungen, die sie ins Bild über die Dinge und ihre Farben hineinträgt, oft vor imaginären Landschaften, surrealen Himmeln mit delikaten Früchten und vitalen, scheuen, sich hinter Pflanzen verbergenden Tieren.

Leonore Adler lernte von 1971 bis 73 im Leipziger Druckhaus Schriftsetzerin. Gleichzeitig studierte sie im Abendstudium an der HGB in Leipzig. 1973 bis 78 studierte sie direkt an der HGB Leipzig und erhielt ein Diplom als Buchillustratorin. 1979 wurde sie in Dresden sesshaft. Ab 1984 entstanden erste Arbeiten auf Papier, später kamen auch Objekte und Installationen dazu (in der aktuellen Ausstellung sind zahlreiche Objekte zum Thema "Kugel" und die Keramik einer Katze zu sehen).

iBis 21. September; Galerie Mitte, Striesener Straße 49. Di bis Fr 15 bis 19 Uhr, Sa 10 bis 14 Uhr. Tel. 0351/459 00 52

www.galerie-mitte.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.09.2013

Heinz Weißflog

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