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Melancholische Harmonie - Malerei von Uwe Peschel in der Kunsthandlung Koenitz in Dresen

Melancholische Harmonie - Malerei von Uwe Peschel in der Kunsthandlung Koenitz in Dresen

Das Ausstellungsprogramm der Kunsthandlung Koenitz zeichnet sich nicht durch Experimentierfreude und bunte Vielfalt, sondern durch Konzentration auf einen Teil des weiten Spektrums aktueller Kunst aus, der nur zum Teil regional, auf jeden Fall aber durch Bindung an Traditionen geprägt ist.

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Uwe Peschel. Blumenstillleben, 2012, Öl auf Leinwand.

Quelle: Kunsthandlung Koenitz

So entstehen immer wieder reizvolle Korrespondenzen und Querverbindungen wie jetzt bei Uwe Peschel, der im Jahreskalender zwischen seinen einstigen Lehrern Johannes Heisig und Hubertus Giebe erscheint, als wichtigsten allerdings Siegfried Klotz nennt, von dem man bisher bzw. derzeit nur einige Arbeiten im Verkaufsraum sehen kann. In der Auswahl jüngst entstandener Gemälde zeigt sich vielleicht von allen die eine oder andere eher weniger auffällige Spur, zumal keine Porträts darunter sind, wie sie vor ein paar Jahren in einer Galerie ganz in der Nähe zu sehen waren. Mit seinem vor wenigen Monaten gemalten "Selbst" offenbart der Künstler, der mittlerweile auch die fünfzig überschritten hat, doch ein ganz anderes Naturell; er ist ein Arbeiter vor der Staffelei, vielleicht ein bisschen zu hoch konzentriert und in sich gekehrt, er gibt sich weder eitel noch grüblerisch, weder als skurriler Eigenbrötler noch als herausfordernder Intellektueller. Sondern glaubwürdig als einer, der in den letzten Jahren offenbar ganz bewusst das eher einfache Leben, die vergleichsweise eher unspektakuläre Landschaft in der sächsischen Provinz bevorzugt hat.

In diesem Kontext wirkt die Überschrift "Faszination Farbe" allerdings beinahe nichtssagend, weil sie da nun gar kein Alleinstellungsmerkmal darstellt. Der großzügige Umgang mit der Farbe und ihrer Stofflichkeit, die Arbeit mit möglichst breitem Pinsel hat bei Peschel durchaus expressive Züge, doch die Intensität, mit der er sich Landschaft und Feld, Haus und Garten, Baumgruppen, Blumen(sträußen) und Früchtestillleben widmet, vermittelt insgesamt eher etwas Ausgeglichenes und Ausgleichendes. So entstehen Bilder, denen vielmehr eine "abstrakte" Schönheit eigen ist, als dass sie eine konkrete Gegebenheit erinnern oder beschwören. Am ehesten noch einen Zustand, in dem die Natur in der Kulturlandschaft ihre Kreisläufe ausleben kann, ohne dass der Mensch ständig reglementierend eingreift. Das wogende Meer eines reifenden Kornfelds wäre natürlich nichts ohne die blühenden Pflanzen, die eigentlich nichts zur Ernte beitragen. Der eigene wild wuchernde Garten wird zum Sinnbild, in das auch ein kräftiger Strom alternativen, aber wohl nicht ganz illusionsfreien Zeitgeists einfließt.

Nicht nur, dass die Andeutung dem Betrachter Raum lässt für die eigene Intuition, Peschel setzt sich dennoch intensiv mit den gleichnishaften oder auch nur schlicht faszinierenden Erscheinungen und Relationen in der Natur auseinander, für ihn ist in der Landschaft - anders als bei Klotz - das Charakteristische, das Wesenhafte im Einzelnen ebenso wichtig wie das große Ganze, die Stimmung oder Atmosphäre. Das schließt sehr starke Reduktion nicht aus wie in der "Großen Winterlandschaft" mit ihrer kalten Weite und dem großartigen, von düster graublauen Wolkenfetzen durchjagten Himmel. Ein "Abendhimmel bei Stolpen" zeigt ein ähnlich furios komponiertes Wolkenszenario, das aber erst einmal nur Stille atmet - nach vielleicht mancherlei Stürmen, von denen die andeutungsweise zwischen Baumreihen geduckten Hausdächer nichts verraten. Die Harmonie, wie sie sich letzten Endes einstellt, hat zumeist etwas Melancholisches, ohne vordergründig das Memento Mori zu beschwören wie vielleicht am ehesten die sich schon senkenden Köpfe der "Sonnenblumen", deren Blütenblätterkränze fast wie aus einem Dschungel hervorleuchten.

Aber selbst "Die drei Alten", vielleicht Kirschbäume, die da vor herbstlichem Grün und Gold und Braun ihre verbliebenen Hauptäste recken, scheinen noch ihr Dasein zu genießen, und es wird wohl noch lange nicht der letzte Frühling für die Kopfweiden, die da zwischen Schnee und erstem Wiesengrün in ihrer Kahlheit verharren.

Bis 14. September; Kunsthandlung Koenitz, Obergraben 8; Mo bis Fr 10 bis 19 Uhr, Sa 10 bis 16 Uhr. Tel. 0351/484 35 78; www.kunsthandlung-koenitz.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.08.2013

Tomas Petzold

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