Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Marion Ackermann will in Dresden Visionen umsetzen

Generaldirektorin im Akademiesalon Marion Ackermann will in Dresden Visionen umsetzen

Seit Anfang November leitet sie die Geschicke eines der größten deutschen Museumsverbünde: Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. In der Salon-Gesprächsrunde der Sächsischen Akademie der Künste, hat sie darüber gesprochen, wie wichtig es sei, Visionen zu haben. Und auch schon ein wenig darüber, wie sie sie umsetzen möchte.

Marion Ackermann

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden. Am Montag lud die Sächsische Akademie der Künste wieder einmal zum „Akademiesalon“. Marion Ackermann, seit 1. November Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, stand Wolfgang Holler, Direktor der Museen der Klassik Stiftung Weimar, Rede und Antwort. Der erste, auf ihre Entwicklung abzielende Teil des Gesprächs konnte fast den Eindruck einer Art Zwangsläufigkeit ihres Weges hinterlassen, was natürlich nicht der Fall ist. Aber wer kann schon von sich sagen, dass er als Kind, im Campingwagen reisend, alle antiken und anderen historischen Stätten der Türkei und damit auch das Land kennengelernt hat? Möglich war das, weil die Eltern an der Universität Ankara lehrten. Dann folgte das Germanistik-, Geschichts- und Kunstgeschichtsstudium: in Göttingen, der damaligen Germanistenhochburg, in Wien, wohin sie auch wegen Peymann, der am Burgtheater für frischen Wind sorgte, zog, später Italien wegen des Italienisch, dann wieder Göttingen und schließlich München, als „Hiwi“ bei Mommsen – und auch wegen des Kammertheaters, wo Dieter Dorn neue Akzente setzte. Noch während der Studien- und Promotionsjahre kuratierte Ackermann Ausstellungen – die erste mit 22 – und arbeitete Vermittlungsprogramme aus. Es folgten Volontariat und Anstellung am Lenbach-Haus, wo sie unter anderem für den „Kunstbau“ zuständig war, aber auch eine wegweisende CD-Rom zum Blauen Reiter entwickelte. 2003 kam die Berufung ans Kunstmuseum Stuttgart, 2009 als Chefin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.

Als eine der bleibenden Erfahrungen, die auch für Dresden wichtig sei, charakterisierte Ackermann die „Notwendigkeit des Anknüpfens an Kunstentwicklungen, die Avantgarde, vor Ort, die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart“. Eine andere gilt dem Umgang mit Privatsammlungen. Hier müsse man eine „gute Balance“ finden. Grundsätzlich sei sie eine „Verfechterin der Autonomie des Museums“. Ein wichtiges Anliegen ist ihr zudem der Kontakt zum Publikum. In Düsseldorf etwa wurden wöchentliche Diskussionen – sie kannte das vom Burgtheater – im Schmela-Haus zur Tradition, wo sie zu Themen wie „Beuys ausstellen“ einlud. Und sie zeigte jährlich „Helden und Heldinnen des Rheinlands“, darunter vor Ort erstmalig eine Uecker-Schau, obwohl der Künstler schon seit 1953 im Rheinland lebte.

Auf Wolfgang Hollers Frage, wie sie es geschafft habe, sich in Dresden hineinzudenken und welche „Hauptlinien“ sie schon sehe, meinte Ackermann: „Bevor man an einen Ort geht, muss man sich mit ihm beschäftigen. Man muss eine Vision haben.“ Das ist ihr offensichtlich – auch angesichts der politischen Situation, die nicht zuletzt die Museen vor neue Herausforderungen stellt – wichtig. Wohl auch deshalb definiert sie als eine der „Hauptlinien“ Bildung und Vermittlung, die in den Kunstsammlungen „ausgebaut und auf klare Grundlagen gestellt“ werden müssten, „einschließlich der Verantwortlichkeiten“.

Stark aufgestellt sieht Ackermann ihr Haus dagegen in der Forschung, deren „Umfang und Qualität“ erstaune. Eine (Dauer-)Aufgabe bleibt dagegen die Beschaffung von Drittmitteln. Interessant ist der Einsatz der Generaldirektorin für ein „verstärktes dezentrales Engagement“, das heißt, an anderen Orten in Sachsen in Erscheinung zu treten, dafür auch „etwas abzugeben“. Ebenso interessant ist ihre Fragestellung zu Dresdens Rolle in Zentraleuropa. Sie hat eine Zusammenarbeit mit den Kollegen in Prag im Blick, denkt aber auch an jene in Polen und Ungarn, die von der Zensur bedroht seien. Vor allem aber betont sie: „Die Amerikaner lieben Prag.“ Und von da brauche man mit dem Auto nur eine Stunde nach Dresden. Diese Überlegungen entwickelt sie im Zusammenhang mit der „Konkurrenzsituation zu Berlin“. Vielleicht müsse man „hier auch was Alternatives zum Humboldtforum schaffen“, so Ackermann. Der „Avantgardeaspekt“ müsse zudem ausgebaut werden.

Gewiss, vieles ist erst angedacht: etwa eine Zusammenarbeit mit dem Militärhistorischen Museum oder die stärkere Nutzung des Reichtums der Kunstsammlungen bezüglich der angewandten Kunst oder die Arbeit mit den Ethnografischen Sammlungen auf der Basis von Fragestellungen unserer Zeit – letzteres eine von Ackermann wiederholt genannte Prämisse für Ausstellungen. Einen „sehr poetischen“ Anfang sieht sie im „Prolog“ im Japanischen Palais (DNN berichteten). Auch Sonderausstellungen sind ein bleibendes Thema mit offenen Fragen: finanziell und räumlich. Richtige große Flächen habe man noch nicht.

Dieser sympathische und informative Abend konnte zwangsläufig nicht auf alle anstehenden Fragen Antworten bieten. Aber Marion Ackermann hat ja – sie will ihren Vertrag ausfüllen – acht Jahre Zeit. Aufgaben gibt es genug, darunter auch die publikumswirksame Arbeit mit dem jüngst erworbenen Marzona-Archiv (DNN berichteten) im Blockhaus, das erst einmal seiner Sanierung harrt. Wie sagte Marion Ackermann doch abschließend: sie habe „schon immer das Imperfekte interessiert“.

Von Lisa Werner-Art

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr