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Künstlerbund zeigt zum vierten Mal Alterswerke

Landtag Künstlerbund zeigt zum vierten Mal Alterswerke

Alter ist kein Verdienst. Es sollte aber auch kein Nachteil sein, wenn es um die Wahrnehmung der Kunst Älterer geht. So war und ist die seit 2000 in Dresden realisierte, vom Künstlerbund initiierte Ausstellung „Alterswerke“ eine sinnvolle und in Deutschland in dieser Form, wie der Verband in seiner Mitteilung verlauten lässt, einmalige Aktion.

Blick ins lichtdurchflutete Landtagsfoyer, wo die Ausstellung zu finden ist.

Quelle: Antje Friedrich

Dresden. Alter ist kein Verdienst. Es sollte aber auch kein Nachteil sein, wenn es um die Wahrnehmung der Kunst Älterer geht. Künstlerisches Schaffen endet bekanntlich nicht mit der Rente. Gleichwohl scheinen es viele dieser Generation schwer zu haben, in einer Zeit, in der der Markt permanent nach - oft vermeintlich - Neuem und Sehenswertem sucht, in der Öffentlichkeit sichtbar zu sein oder zu bleiben. So war und ist die seit 2000 in Dresden realisierte, vom Künstlerbund initiierte Ausstellung „Alterswerke“ eine sinnvolle und in Deutschland in dieser Form, wie der Verband in seiner Mitteilung verlauten lässt, einmalige Aktion.

Im Landtagsfoyer erlebt sie derzeit unter dem Titel „Augenstern“ ihre vierte Auflage. Dass die Schau zum sehenswerten Ereignis wurde, ist neben den Hauptakteuren, den Künstlern, Claudia Reichardt zu verdanken, die als Kuratorin wirkte und aus der „Ansammlung“ von Werken der mehr als 80 Beteiligten weitgehend ein Ganzes formte - eine sehenswerte und zugleich aufschlussreiche Schau. Um mit letzterem zu beginnen: Die Ausstellung vermittelt ein Bild vom Schaffen dieser zwischen 1917 und 1946 geborenen Künstler, das mancher so vielleicht nicht erwarten würde, zeigt, dass deren künstlerische Mittel und deren „Sprache“ ausgesprochen differenziert und keineswegs antiquiert ausfallen. Es sind fast alle – das Fehlende sind Videos oder digitale Produktionen – derzeit denkbaren Techniken wie Malerei und Zeichnung, Collage und Frottage, Assemblagen und Druckgraphik bis hin zu Bronzegüssen, Steinskulpturen, Holzobjekten, keramischer Plastik und Installation vertreten. Auffallend ist, dass im Vergleich zu früheren „Alterswerken“ auch die Fotografie mit sieben Positionen relativ stark präsent ist.

Besonders ins Auge fällt zudem, dass sich gegenständliche und nichtgegenständliche Handschriften fast die Waage halten. Es scheint ein Vorurteil, was wohl langsam aufbricht, dass im Osten – bis auf Ausnahmen - nur gegenständlich gearbeitet worden wäre. Es ist offensichtlich ein Unterschied zwischen dem, was offiziell anerkannt war und was gemacht wurde, genauso, wie es im Westen immer gegenständlich arbeitende Künstler gab, die es allerdings im offiziellen Kunstbetrieb ebenfalls schwer hatten, weil der – zeitweise auch ideologisch untermalte - Mainstream ein anderer war.

Unbedingt zu vermerken ist noch, dass die gezeigten Werke nicht älter als sechs Jahre sind.

Das gilt natürlich auch für das reizende kleine Gemälde voller leiser Ironie mit dem Titel „Ende der Vorstellung“ von Ann Siebert, der 99jährigen Nestorin der hiesigen Künstlerszene, die gerade eine Ausstellung im Lingnerschloss zeigen kann. Das Schöne an der „Alterswerke“-Exposition ist, dass sie Arbeiten gut bekannter, auch überregional, ja international wirksamer Künstler mit Werken vieler weniger bekannter Künstler verbindet. So trifft man auf Namen wie Karl-Heinz Adler, Klaus Dennhardt, Ulrich Eisenfeld, Peter Graf, Helmut Heinze, Veit Hofmann, Gerda Lepke, Peter Makolies, Stefan Plenkers, Jürgen Schieferdecker, Jochen Stankowski, Max Uhlig, Claus Weidensdorfer. Ebenso vertreten sind Otto und UllaAndersson, Klaus Drechsler, Christine Heitmann, Werner Juza, Dieter und Evelyn Krull, Bärbel und Wolff-Eike Kuntsche, Gudrun Nützenadel, Evelyn Richter, Christine Wahl oder Wolff-Ulrich Weder. Wenn man diese – zugegebenermaßen durchaus subjektive - Nennung auch nicht bis zur Vollständigkeit fortsetzen kann, so sei doch darauf verwiesen, dass für eine Reihe der Vertretenen diese Schau zu einer Art “letztem Gruß“ geworden ist: Sigrid Artes, Lüder Baier, Günter Hornig, Gottfried Körner, Ernst Lewinger, Dieter Melde, Hans-Volker Mixsa, Gottfried Reinhardt, Irmgard Uhlig und Werner Wittig sind teils erst vor wenigen Wochen verstorben, was der Präsenz ihrer Arbeiten einen besonderen Akzent verleiht. Zu diesem Umstand passt der poetische Ausstellungstitel „Augenstern“. Er wurde von einer von Heidemarie Dreßel speziell für die Schau geschaffenen Auflagenarbeit aus Glas mit einem gelaserten „Kern“, vielleicht dem „Augenstern“, entlehnt.

Da angesichts der Fülle der gezeigten Arbeiten, hier nicht der Platz ist, sich ihnen im Einzelnen zu widmen, soll umso mehr der Weg in den Landtag empfohlen sein. Unterstützt wurde die Präsentation außer vom gastgebenden Abgeordnetenhaus von der Stadt, der Ostsächsischen Sparkasse Dresden und dem Verein Freunde Professioneller Kunst e. V. Ein bereits zur Eröffnung unterstrichenes Manko soll allerdings abschließend doch erwähnt sein: Es konnte kein Katalog erarbeitet werden, da der Künstlerbund dies finanziell nicht stemmen kann und bei entsprechenden Gremien angefragte Unterstützung leider ausblieb. Das ist schade. Auch, weil eine Katalogreihe zu diesen Ausstellungen zu einer Art Dresdner Künstlerchronik heranwachsen könnte.

Von Lisa Werner-Art

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