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„Klassik picknickt“ mit Plácido Domingo

Cockerwiese Dresden „Klassik picknickt“ mit Plácido Domingo

Zum Jubiläumskonzert von „Klassik picknickt“ gab es wieder ein Feuerwerk – und einen ganz großen Namen: Plácido Domingo stand zum ersten Mal am Pult der Sächsischen Staatskapelle. Schon bald will er als Sänger wieder nach Dresden zurückkommen.

Am Pult: Plácido Domingo.

Quelle: Matthias Creutziger

Dresden. George Bizets Oper „Carmen“ ist sozusagen sein Schicksal. Von der Verfilmung dieses Liebesdramas durch Francesco Rosi im Jahr 1984 (gemeinsam mit Julia Migenes im Titelpart) bis heute zieht sich diese Tragödie durch das Lebenswerk von Plácido Domingo. Erst am Freitag hatte er sich unter die Besucher der Semperopern-Produktion von Regisseur Axel Köhler gemischt. Vor allem aber hat er den Don José wieder und wieder gesungen, an so ziemlich allen großen Bühnen der Welt.

Beim 10. „Klassik picknickt“ am Samstag klang dieses Schicksal in Bizets „Carmen“-Suite an – die Domingo dirigierte! Seit Jahren widmet sich der Weltklasse-Tenor – neben seiner Tätigkeit als Chef der Oper Los Angeles und zahlreichen ehrenamtlichen Verpflichtungen – mehr und mehr dem Dasein am Pult, Grund für die Einladung zu diesem Open Air mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

Die startete im Sommer 2008 unter ihrem damaligen Musikchef Fabio Luisi diese Reihe vor der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen, um die Partnerschaft mit dem Unternehmen auch künstlerisch massenwirksam zu präsentieren. Diesmal blieb die Wiese wegen Umbaumaßnahmen tabu, man zog auf die sogenannte Cocker-Wiese schräg gegenüber. Ob die demnächst nach Domingo benannt werden wird?

Auf jeden Fall zog der einem großen und auch weniger musikaffinen Publikum bekannte Name rund 10 000 Gäste an: Familien mit Picknickkörben, Musikliebhabern aller Altersgruppen, obendrein Zaungäste, die vom Balkon aus sowie hinter den Absperrungen lauschten.

Am Piano

Am Piano: Denis Matsuev.

Quelle: Matthias Creutziger

Geboten wurde ihnen ein mehrfaches Feuerwerk: Verdis Ouvertüre zu „La forza des destino“ zeigte schon mal, wo Domingos Vorlieben lagen: Italianità mit Bombast. Diese „Macht des Schicksals“ zog sich durch die gesamte, ansonsten laue, von einem einsamen Mauersegler und tausenden Junikäfern durchflogene Sommernacht. Denn mit dem b-Moll-Klavierkonzert von Peter Tschaikowski ertönte der eigentliche „Knaller“ dieses Programms. Denis Matsuev, nächste Saison Capell-Virtuos am Orchester, erwies sich als brachialer Schöngeist, was in diesem Falls kein Widerspruch ist. Leichtfingrig stürmte er durch den Part, schwelgte schwermutsvoll im Andantino, zelebrierte ein feuriges Finale am Steinway und durfte in einer jazzigen Zugabe zeigen, über welche Qualitäten er verfügte, wenn er mal gar keine Rücksicht auf ein Orchester zu nehmen hatte. Mehr als 300 Mal habe er den Tschaikowski schon gespielt, verriet er im Gespräch, doch stets sei es wie ein erstes Mal mit diesem Schicksalsstück.

Für den russischen Komponisten erwies sich eine Reise nach Rom als Fatum, denn hier entstanden während der Karnevalszeit erste Entwürfe zu seinem „Capriccio italien“ (dessen „Bianca“-Zitat später zum Gassenhauer verkam). Die Staatskapelle musizierte enorm schwungvoll, ohne jedoch die kammermusikalischen Feinheiten dieses Orchesterstücks zu übergehen. Domingos Charisma übertrug sich dabei auch aufs jubelnde Picknick-Publikum, trotzdem sich der 76-Jährige im Dirigat eher launig und impulsiv denn gestalterisch führend präsentiert hatte.

Dass es dafür nach den Blumen noch eine Zugabe geben musste, lag auf der Hand. Und wo ist ein Spanier mehr zu Hause als in einer Zarzuela? „La leyenda des beso“ von Reveriano Soutullo und Juan Vert sorgte für züngelnde Schlussakkorde.

Zehn Jahre „Klassik picknickt“, dazu gab es sogar ein eigenes Logo und – wohl unvermeidlich – wie zum Start 2008 ein faszinierendes Feuerwerk vom Glashaus. Das ist wohl Schicksal.

Von Michael Ernst

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