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Karat-Sänger Claudius Dreilich im Interview

Akustik-Tour im Kulturpalast Karat-Sänger Claudius Dreilich im Interview

Mit Claudius Dreilich ist seit 2005 ein charismatischer Sänger an Bord, der nicht nur den Job seines Vaters übernahm, sondern auch frischen Wind in das alt-ehrwürdige Bandgefüge brachte. Nun sind Karat auf Akustik-Tour und stehen damit morgen auch auf einer Dresdner Bühne. Andreas Weihs sprach mit Sänger Claudius Dreilich.

Bernd Römer, Claudius Dreilich, Martin Becker, Christian Liebig und Michael Schwandt (v.l.n.r) sind gemeinsam als „Karat“ unterwegs.
 

Quelle: Andreas Weihs

Dresden.  Ende Februar 1975 spielte die Rockband KARAT ihr erstes Konzert in Heidenau, 1977 bekam sie den Kunstpreis der FDJ, und mit dem Gewinn des Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival Dresden für ihre Lieder „König der Welt“ und „Über sieben Brücken musst du gehn“ erklomm sie 1978 eine weitere Sprosse auf der Erfolgsleiter. Der Mauerfall stellte sie vor neue Herausforderungen, ebenso der Krebstod von Sänger Herbert Dreilich 2004 und daraus resultierende Rechtsstreitigkeiten um den Bandnamen. Heute hat die Band dies alles überstanden und sich einen festen Platz in der deutschen Rocklandschaft gesichert. Mit Claudius Dreilich ist seit 2005 ein charismatischer Sänger an Bord, der nicht nur den Job seines Vaters übernahm, sondern auch die mehr als 40-jährige Bandgeschichte mitträgt und frischen Wind in das alt-ehrwürdige Bandgefüge brachte. Nun sind Karat auf Akustik-Tour und stehen damit morgen auch auf einer Dresdner Bühne. Andreas Weihs sprach mit Sänger Claudius Dreilich.

Am 16. November kehrt ihr auf eine Bühne zurück, die ihr zwar schon oft bespielt habt, aber dennoch neu ist: Ihr seid zum ersten Mal im umgebauten Dresdner Kulturpalast zu Gast. Welche Erwartungen habt ihr?

Wir haben viel Positives gehört nach dem Umbau. Also der Sound muss unheimlich gut sein. Ich habe vor ein paar Wochen zufällig mit Roland Kaiser gesprochen, der ist ja anlässlich der Eröffnung aufgetreten und war voll des Lobes. Wir kennen ja die Spielstätte an sich wirklich schon lange, aber klangtechnisch war sie nie so richtig ausgereift, da hoffen wir jetzt natürlich drauf, gerade weil wir akustisch unterwegs sind.

Was ist das Schöne an einem akustischen Auftritt? Ich kann mir vorstellen, dass es in eurem Fall auch nicht so ganz ruhig wird?

Von ganz leise bis laut ist alles dabei. Das baut sich in einem Spannungsbogen auf, da haben wir uns schon viele Gedanken gemacht. Das ist auch für uns eine gute Schule, nicht in Routine zu verfallen. In der Akustikvariante ist man näher dran an den Leuten, ich erzähle ein paar Geschichten mehr, als das sonst auf der Bühne der Fall ist, und die Auftritte leben auch mehr von Spontaneität. Ich glaube, das mögen die Leute.

Wie habt ihr die Lieder dafür ausgewählt? Da gibt es doch sicher auch welche, die so nicht funktionieren?

Handwerklich ist immer alles möglich, aber es muss uns ja auch gefallen, weil wir immer dahinter stehen müssen. Tatsächlich gibt es Songs bei Karat, die wir nicht ändern möchten, wo es von unserer Seite keine Akustikvariante gibt. Aber das sind die wenigsten. Bei den meisten klappt das wunderbar. „Gewitterregen“ ist toll geworden, „Blumen aus Eis“ haben wir in der Akustikversion sogar in unser normales Programm aufgenommen, weil es so ein starker Song geworden ist. Insofern können die Leute schon etwas Besonderes erwarten. Sie werden auch nicht jeden Song sofort am Anfang erkennen, und das ist ja auch etwas Schönes, so eine kleine Überraschung.

Wie habt ihr die Lieder bearbeitet? Worauf habt ihr musikalisch Wert gelegt?

Wir haben minimiert. Karat lebt ja viel vom orchestralen Sound, von Streichern, Celli, auch Synthiesounds. Das haben wir erstmal alles raus gestrichen und es damit sehr minimiert auf das Fundament eines Songs. Dann haben wir uns Gedanken gemacht, wie man das mit akustischen Instrumenten neu arrangieren könnte.

„Über sieben Brücken“ – einer eurer größten Erfolge – ist zu einem vielfach gecoverten Song geworden. Nachdem die bekannteste Version von Peter Maffay aus dem Jahr 1980 stammt, zogen vor allem in den vergangenen Jahren viele weitere Künstler nach, wie z.B. Roland Kaiser, Matthias Reim, sogar Helene Fischer und Scooter. Macht euch das stolz?

Ich finde das großartig. Wir sind ja keine Schubladendenker. Für mich gibt es natürlich verschiedene Musikgenre wie Schlager, Techno, Rock oder Heavy Metal. Aber ich finde es unheimlich toll, wenn sich diese Musik vermischt. Dann wird es interessant. Und das passiert ja in dem Moment, wo Künstler wie Helene Fischer oder vor allem Scooter, was ja nun ganz weit weg von unserer Musik ist, sich unseren Song nehmen und etwas ganz Neues draus machen.

Gibt es für dich eine Lieblings-Version?

Die hat Udo Jürgens gesungen und ist gar nicht so bekannt, wurde auch nie veröffentlicht. Ich habe ihn mal auf einem seiner Konzerte besucht: Udo saß ganz allein am Klavier, eine super Interpretation, sehr persönlich und intim. Es hatte nichts von einer Hymne. Das hat mir sehr gut gefallen.

Nicht nur mit dem „Blauen Planeten“ habt ihr ein zeitloses, aber auch sehr politisches Lied im Repertoire. Inwieweit seht ihr euch als politische Band?

Politisch engagiert sind wir nicht. Wir sehen als Künstler eher die Aufgabe, die Finger in Wunden zu legen und auf Dinge hinzuweisen. Wobei unser persönliches Statement auch nicht so sehr im Vordergrund stehen sollte, sondern wir entdecken Schwächen auf dieser Welt, die es ja leider zuhauf gibt. Auf die weisen wir hin. Wir hätten nie damit gerechnet, dass ein Lied wie „Der blauen Planet“, das es nun schon über 30 Jahre gibt, auch im Jahr 2017 derartig aktuell ist.

Gibt es zur Zeit ein Thema, das ihr in einem Lied verarbeiten möchtet und das euch in dieser „politisch-beobachtenden“ Hinsicht sehr am Herzen liegt?

So etwas gibt es immer, auf allen unseren Alben. Auf dem kommenden, das 2018 veröffentlicht wird, befindet sich beispielsweise ein Song, in dem wir uns mit der Zuwanderung, aber auch der allgemeinen Menschenwanderung auf diesem Planeten, aus welchen Gründen auch immer, beschäftigen. Der Song sagt aber nicht, das ist gut oder das ist schlecht, stattdessen weist er nur auf die Situation hin und dass man mal drüber nachdenkt: Was wäre, wenn ich jetzt in einer solchen Situation wäre?

Karat ist in der Rockwelt erfolgreich präsent seit mehr als 40 Jahren. Jetzt kommt die beliebte Frage nach dem Erfolgsrezept. Gibt es eins?

Nein, ein konkretes Rezept gibt es nicht. Natürlich macht man sich Gedanken darüber und freut sich, wenn die Konzerthallen voll sind, viele Menschen zu den Auftritten kommen. Wir proben sehr viel, egal ob alte Songs oder neue. Wir üben, üben, üben. Das kriegen die Leute dann auch mit, weil diese Musik anders schwingt und authentisch wird. Das ist für eine Rockband eher ungewöhnlich.

Karat hat auch immer mal etwas gewagt, ist z.B. mit einem Orchester aufgetreten, jetzt die Akustiktour. Das kann aber auch mal daneben gehen.

Es gibt ja den Spruch: No risk, no fun! Wir wollen nicht stehenbleiben und uns ausruhen auf dem, was wir bisher erreicht haben. Man muss immer wieder etwas Neues ausprobieren, manchmal sind Dinge dabei, die funktionieren nicht so gut, dann lässt man es eben wieder sein. Aber in den letzten zwölf Jahren haben wir sehr viel Glück gehabt, und die meisten Dinge, die wir versucht haben umzusetzen, sind auch gut angekommen.

Konzert am 16. November im Dresdner Kulturpalast (ausverkauft)

Von Andreas Weihs

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