Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Kabarett statt Bootsverleih: Gerhard Polt wird 70

Kabarett statt Bootsverleih: Gerhard Polt wird 70

Eigentlich wollte er Bootsverleiher werden. In Ruhe immer mal ein Boot auf den See schieben und ansonsten seine Ruhe. Dass es anders kam, verdankt sein Publikum einigen Zufällen und Jochen Busse.

Voriger Artikel
Am Donnerstag in der Schauburg Dresden: Interview mit dem österreichischen Kabarettisten Alfred Dorfer
Nächster Artikel
Sir Colin Davis im 10. Sinfoniekonzert der Staatskapelle

Gerhard Polt

Für den springt Gerhard Polt 1975 in der "Kleinen Nachtrevue" in der Münchner Kleinen Freiheit ein, auf Bitten seines Freundes, des Regisseurs Hanns Christian Müller und der Schauspielerin Gisela Schneeberger - sie wird seine Partnerin in der Fernseh-Sketch-Reihe "Fast wia im richtigen Leben".

So wird Polt bekannt, bevor er mit "Leberkäs Hawaii" und "Nikolausi" in aller Munde ist. Berühmt aber macht ihn 1980 seine ungehaltene Dankesrede bei der Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises. Da sagt er im ZDF "I sag nix!" und lässt zehn wertvolle Sendeminuten damit vergehen, die Zeit vergehen zu lassen. Es war die Rache für einen Akt politischer Zensur im Jahr zuvor. Politisch denkt er immer, der Polt. Auf kleinen wie auf großen Bühnen fasziniert er mit der Fähigkeit, Mentalitäten und Mechanismen entschlossen auf den wunden Punkt zu bringen. Er erklärt nicht, er zeigt das Große im Kleinen.

"Er ist der Polt, links und rechts davon gibt es keine Neben-Polts", sagt sein Kollege Dieter Hildebrandt. Beide haben am Theater ("München leuchtet") und im Film ("Kehraus", "Man spricht deutsh") zusammengearbeitet. "Bei Polt ist Theater grundsätzlich politisches Theater", schreibt Gerd Holzheimer in seiner Biographie, "nicht im Sinne eines aktuellen tagespolitischen Geschehens, aber als grundsätzliche gesellschaftliche Angelegenheit mit der Bewusstmachung von Herrschaftsstrukturen, ökonomischen Abhängigkeiten und dem daraus resultierendem Bewusstsein." Das gilt gleichermaßen für seine satirischen Figuren und Geschichten, die aus der Realität stammen. Weil er den Leuten aufs Maul und in die Augen schaut, was sich eben nicht nur im Bayrischen ausdrückt, sondern in Alltags-Themen zwischen Parteien und Mentalitäten, im "Widerspruch des Wollens, Sollens, Handelns, Meinens", wie er selbst im Gespräch mit Herlinde Koelbl sagt. Und: "Humor ist, wenn er stattfindet." Da sieht sich Polt nicht nur als Kabarettist, sondern als Erzähler, Chronist.

Am 7. Mai 1942 in München geboren wächst er auf im katholischen Wallfahrtsort Altötting, kommt dort während des Zweiten Weltkriegs mit seiner Mutter bei einer Metzger-Familie unter und wird - ohne jede Abschottung gegen die Wirklichkeit - in einem liberalen Klima erzogen. Von 1960 bis 1969 studiert er in Göteborg und München Politikwissenschaft, Geschichte, Kunstgeschichte und an der Hochschule für Politik. In dieser Zeit lernt er seine spätere Frau Tini kennen und arbeitet noch nebenbei als Dolmetscher und Übersetzer, als er zum ersten Mal auf der Bühne steht.

"Kabarettist wird man ja nicht von heute auf morgen", sagt er später. Jedenfalls kennt er den Weg, als er Anfang der 80er mit der Denkendorfer Trachtenkapelle nach Moskau aufbricht, um Freibier auszuschenken, in Krügen mit "Atomkraft nein danke"-Aufklebern. Es herrscht, nach dem Nato-Doppelbeschluss, Eiszeit in den Ost-West-Beziehungen. "Man könnt direkt meinen, man ist in Amerika, aber an der Schrift merkt man's dann", sagt Polt im Film, der dabei entsteht.

Das hat dann auch die DDR-Oberen überzeugt, prompt setzte Honecker "einverstanden, E.H." unter den Antrag der Künstleragentur der DDR. Bis dahin waren Westkabarettisten in der DDR tabu - mit Ausnahme des DKP-nahen Dietrich Kittner. Ein paar Fässer Freibier erwiesen sich als revolutionäre Idee und ermöglichten das Gastspiel im Mai 1985 in der Leipziger Pfeffermühle - gemeinsam mit den Biermösl Blosn, der subversiven Kapelle an Polts Seite, bis zu deren Auflösung im vergangenen November.

Janina Fleischer

kultur kompakt

Dem Kölner Schauspiel droht Intendantin Karin Beier zufolge eine finanzielle "Katastrophe". Die Höhe des öffentlichen Zuschusses für die laufende Spielzeit sei noch immer unklar, berichtet die Welt.

Der Kabarettist Stefan Waghubinger bekommt den diesjährigen niederrheinischen Kabarettpreises "Das Schwarze Schaf".

Sergej Gordienko wechselt vom Theater Chemnitz als Ballettdirektor zum Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Er löst dort Jens-Peter Urbich ab.

Das Duisburger Museum Küppersmühle zeigt ab Ende Juni in einer gemeinsamen Ausstellung Werke von Joseph Beuys (1888-1958) und Anselm Kiefer.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.05.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr