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Indie-Ikone Christiane Rösinger live mit neuer CD

Konzert im Konk Klub Dresden Indie-Ikone Christiane Rösinger live mit neuer CD

Die Bands Lassie Singers und Britta, eine Solokarriere, vier Bücher, journalistische Artikel in Zeitungen und Zeitschriften, jetzt sogar auf der Theaterbühne in Berlin – Christiane Rösinger ist eine echte und von Kollegen wie Publikum hochverehrte Indie-Ikone. Mit ihrer neuen Platte „Lieder ohne Leiden“, auf der sie auch Kleist und Heine vertont, kommt die 56-Jährige am Sonnabend, 20 Uhr in den Dresdner Konk Klub.

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Quelle: Dorothea Tuch

Dresden. Aber klar, es ist der Humor! Christiane Rösinger als bekennende Feministin gefällt mit dem, was sie schreibt und liest und singt auch Männern. Vielen Männern. Weil die Wahlberlinerin eben nicht voller Bitterkeit die Machete schwingt und das Gegengeschlecht töten will („Geht schon aus humanitären Gründen nicht.“), sondern die Liebe der anderen lieber in puristisch-poetischer Beschreibung von Tatsächlich- und Nebensächlichkeiten zerlegt. Sie macht das ohne überschäumender, aber mit latent gäriger Lust. Christiane Rösinger – man darf sich auf sie einigen.

Bekennende Feministin

Bekennende Feministin: Christiane Rösinger.

Quelle: Dorothea Tuch

Nein, nicht Judith Holofernes! Die Antwort kam jüngst auf eine Gastfrage im Wohnzimmer, als „Lieder ohne Leiden“, die jüngste Rösinger-CD, lief. Hübsch geschrammelt, keck gedichtet, ja, das alles gab es schon vor Holofernes-Helden. Das gab es bei den Lassie Singers und Britta und bei Rösingers Soli. Allesamt. Dabei wusste Christiane R. vom Bahnhof Song Freundinnen, Mitkämpferinnen, gar „Suffragetten“ in ihrer Nähe, um die „Göttliche Ordnung“ zu stören. Almut Klotz, Britta Neander, Julie Miess und wie sie nicht alle heißen und hießen. Das in An- und Abführung Gesetzte sind übrigens Bezüge zu Kinofilmen jüngerer Zeit, die Rösinger gefallen haben könnten.

Mit Männern hatte es Christiane Rösinger (mit Verlaub, 56) nie so richtig schwer, jedenfalls, so scheint und klingt es, nicht schwerer als andere Frauen. Sie hat darüber und die anderen Lebensthemen herrliche Lieder geschrieben. Einige waren traurig, manche sogar klüger als sie selbst, wie sie vor sieben Jahren auf der famosen Sammlung „Songs Of L. & Hate“ sang. Das ist auf „Lieder ohne Leiden“ (Staatsakt), ihrem erst zweiten Soloalbum, nicht anders. Im Radio sagte sie gerade, sie hätte mal versucht, ein durchweg positives Lied zu schreiben. Das hätte sie so sehr deprimiert, dass sie es gar nicht aufführen konnte.

Kurzes Abschweifen: Sie käme ja aus einer Bauernfamilie und hätte als Kind stets mit einer Möhre auf dem badischen Acker gesungen. Jetzt am Theater gehe ein Traum in Erfüllung. Denn sie dürfe mehrmals eigens für sie errichtete Showtreppen auf- und absteigen. In den Clubs, wo CR für gewöhnlich auftritt, gibt es die ja nicht. Anlass ist die Aufführung von „Feminista, Baby!“ am Deutschen Theater Berlin (Premiere vergangene Woche), wo Rösinger mit kleiner Band auftritt und Musik macht. Grundlage fürs Stück ist das „Scum-Manifesto“ von Valerie Solanas aus den 1960ern. Diese Frau ist vor allem als Andy-Warhol-Attentäterin in die Annalen eingegangen. Das wütende Schriftstück der noch wütenderen Autorin reitet böse und bös‘ gemeinte satirische Attacken gegen die Männerwelt. Rösinger sagt augenzwinkernd, da stünde nichts drin, das „ich nicht auch schon mal gedacht habe.“ Rezensent(inn)en bekunden dem Bühnenstück von Jürgen Kuttner und Tom Kühnel unter anderem, es sei „ironisch und gar nicht blöd“ oder auch nur ein „erstaunlich harmloser Abend“. Es spielen übrigens nur Männer. Ausgerechnet Christiane Rösinger muss als einzige Frau auf ihren Showtreppen göttlich wirken. Mal ansehen!

Zurück zu den „Liedern ohne Leiden“, neun an der Zahl. Dass die Rösinger mit dem (Andreas) Spechtl kann, ist kein Geheimnis. Der Frontmann von Ja, Panik ist noch immer Komplize wie Kollaborateur für Christiane Rösingers Pop. Gut geraucht, Löwe! Schön arrangiert! Lichtgrauer als zuletzt. „Und weil ich melancholisch bin, nehm‘ ich das alles so schwer. Und weil ich musikalisch bin, gibt das ein paar Lieder her“, heißt es gleich mit Klaps auf den Heine-Hinterkopf im ersten Stück der CD. Dazu erklingt ein überraschendes Saxophon.

Weiter geht es eigentlich ohne Überraschungen, wenngleich das ewige Kampfthema Liebe nun einem viel größer gezogenen Kreis gewichen ist, gerade in „Lob der stumpfen Arbeit“ („Statt socializen mit Freunden trinken und speisen“), „Joy Of Ageing“ („Ist das eine Stimmungsschwankung oder die alte Grunderkrankung?“) oder „Eigentumswohnung“ („Von den Eltern zur Belohnung / Und zur eigenen Nervenschonung / Und zur ständigen Naherholung / Kriegen wir jetzt eine Eigentumswohnung“) Die Mietwohnung der Rösinger in Kreuzberg wurde übrigens gerade verkauft … Sozialspiegeln ohne Fechten ist das, prägnant und charmant zugleich. Und dennoch mit dem Finger nicht nur auf Wunden gezeigt, sondern mittenrein gefasst.

Christiane Rösinger, studierte Germanistin mit Zusatzausbildung, unterrichtet seit über zwei Jahren Deutsch für Flüchtlinge und erntet Lob für Arbeit, die ganz und gar nicht stumpf ist. Sie hat ihr viertes Buch darüber geschrieben („Zukunft machen wir später“).

Was auf Platte mit Heine begann, geht mit Kleist und dessen brillant vertonten Brief „Das gewölbte Tor“ zu Ende. Wer sich noch präparieren will fürs Konzert am Sonnabend im Industriegelände, der lese diese beiden nach und fix noch zwei Rösinger-Bücher: „Liebe wird oft überbewertet“ (eine launige Dekonstruktion der geschlossenen Zweierbeziehung) und „Berlin-Baku“ (das Dokument einer Durch-Reise zum Eurovision-Songcontest 2012). Die Laune, mit der man dann in den Club fährt, kann nur steigen. Und steigen. Und steigen …

Christiane Rösinger, 28.Oktober, 20 Uhr, Konk Klub

Von Andreas Körner

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