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"In der glücklichen Lage, helfen zu können"

Benefizkonzert in der Musikhochschule "In der glücklichen Lage, helfen zu können"

Am Sonntag findet im Konzertsaal der Dresdner Musikhochschule zum 15. Mal das Benefizkonzert des Philharmonischen Kammerorchesters Dresden zugunsten der DNN- Aktion "Dresdner helfen Dresdnern" statt. Für die Lesung konnten die DNN in diesem Jahr den Schauspieler Tom Quaas gewinnen.

Quelle: PR

Dresden. Am Sonntag findet im Konzertsaal der Dresdner Musikhochschule zum 15. Mal das Benefizkonzert des Philharmonischen Kammerorchesters Dresden zugunsten der DNN- Aktion "Dresdner helfen Dresdnern" statt. Der Erlös des Abends, bei dem die beteiligten Künstler auf Honorar verzichten, geht an das Diakonische Werk Sachsen e.V., den Dresdner Kinderhilfe e.V., den Aufwind e.V. und den Verein "Dresden - Place to be". Für die Lesung konnten die DNN in diesem Jahr den Schauspieler Tom Quaas gewinnen.

Frage: Als ich Sie fragte, ob Sie in diesem Jahr das DNN-Benefizkonzert mitgestalten würden, haben Sie sofort positiv reagiert. Was bedeutet für Sie ein solcher Benefizgedanke?

Tom Quaas: Nach meiner langjährigen Suche nach Visionen bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass große Revolutionen im humanistischen Sinne scheitern, weil man sich seines Nebenmannes nicht sicher sein kann. Umso wichtiger ist es, selbst ein Vorbild für Veränderung und Verbesserung der Umstände zu sein.

Sind heute menschliches Miteinander und einander Helfen wichtiger denn je?

Nein. Es ist immer wichtig gewesen. In schwierigen Zeiten wird einem nur wieder mal bewusst, wie wichtig es ist, wachsam und hilfsbereit zu bleiben. Achtsamkeit ist das höchste Gut des Zusammenlebens von Menschen.

In dem Benefizkonzert erklingt Musik von Robert Volkmann, Domenico Cimarosa und Arcangelo Corelli. Welche Rolle spielt Musik in Ihrem Leben? Und welche Konzerte und Veranstaltungen besuchen Sie selbst gern?

Musik spielt eine sehr große Rolle in meinem Leben. Erst kürzlich bin ich zu einer Premiere der Dresdner Sinfoniker ins Radialsystem nach Berlin gefahren, um eine Neukomposition von Helmut Oehring zum Thema "AGHET - Die Katastrophe", der Völkermord der Türken an den Armeniern vor genau 100 Jahren, zu hören. Ich befinde mich diesbezüglich gerade als Regisseur in einem Schulprojekt im Auftrag der Dresdner Sinfoniker mit zwei Gymnasien Dresdens. Die Premiere des Schulprojekts wird am 29. April 2016 am Festspielhaus Hellerau sein. Auch da wird es Musik geben, gespielt von den Schülern selbst.Ich kann mir keine Inszenierung ohne Musik vorstellen. Und wenn ich wie bei "Beethoven ohne Musik" des Theaterzirkus Dresden die Musik weglasse, dann muss für mich die Inszenierung musikalisch sein.

Sie werden in der DNN-Benefizveranstaltung Texte vortragen. Was darf der Zuhörer dabei erwarten?

Erst kürzlich fand ich beim Shoppen in Berlin "Das kleine Buch der Weihnachtsbräuche". Schon beim Überfliegen der Texte fiel mir auf, wie wenig ich über dieses Thema weiß. Ich möchte daraus vorlesen und hoffe die Zuhörer damit einstimmen zu können auf eine besinnliche Weihnachtszeit.

Sind für Sie Bühnenrollen eine Möglichkeit, Dinge aus Ihrer Sicht zu verdeutlichen, sie in den Mittelpunkt zu rücken und das Publikum zu einer Auseinandersetzung mit der Gegenwart herauszufordern?

In erster Linie sind Bühnenrollen für mich eine Vervielfältigung von Leben. Im besten Falle kann ich mir Stücke oder Rollen aussuchen und damit eine Vision in die Welt setzen oder die Zuschauer einen Moment in die Stille versetzen, die eine Wahrnehmung der Gegenwart ermöglicht.

Inwieweit positioniert sich der darstellende Künstler auch politisch durch seine Interpretationen auf der Bühne?

Der darstellende Künstler kommt nicht umhin, sich tagespolitisch zu verhalten, allein schon durch sein Auftreten auf einer öffentlichen Bühne an sich. Die Interpretation ist unser Beruf, sonst wären wir Schriftsteller geworden. Darüber hinaus nutzen wir die Möglichkeit einer Öffentlichkeit auf der Bühne gern, um tagespolitisch auf Missstände hinzuweisen oder Geld zu akquirieren für Bedürftige.

Sie sind ja nicht nur als beliebter und vielseitiger Schauspieler bekannt, sondern längst auch als erfolgreicher Regisseur. Was hat Sie bewogen, die "Seite zu wechseln"?

Ehrlich gesagt, habe ich nicht wirklich gewechselt, sondern war von Anfang an auf beiden Seiten tätig. Schon während des Studiums konnte ich es nicht lassen, mich bei einer Laienbühne im Regieführen zu versuchen. Am Theater Junge Generation versuchte ich das erste Mal, mit Profis zu arbeiten. Und spätestens ab den Arbeiten zu den Festspielen in Batzdorf führte ich mit Hilfe mehrerer Sparten Regie. Der stärkere Sog war für mich jedoch immer, selbst auf der Bühne zu stehen.

Sie sind seit einigen Jahren in Batzdorf zu Hause, haben Sie dadurch eine andere, eine distanziertere Sicht auf Dresden und die Dresdner gewonnen?

Nicht nur durch das Wohnen auf dem Land, sondern durch den gut dosierten Wechsel meiner Arbeiten in anderen Städten wie Berlin, Paris, Straßburg oder auch Zittau und Chemnitz, aber auch in Dresden selbst, ist es mir möglich, die Bewegungen in Dresden sowohl von innen als auch von außen zu betrachten und in meine Konzeptionen einfließen zu lassen.

Wie empfinden Sie die Auseinandersetzungen, die in Dresden seit einigen Monaten an der Tagesordnung sind und zum Teil längst die Grenzen demokratischer Kultur gesprengt haben?

Es ist unter diesen Umständen müßig, aber nötig, sich zu positionieren. Wir tun das vom Schauspielhaus aus durch Aktionen in der Öffentlichkeit. Vor allem aber nehme ich meine Enttäuschung zum wiederholten Male wahr, die ich schon zur Wende verspürt habe, als ich mit einer kleinen Truppe von Leuten Flugblätter verfasste, um etwas zum Positiven im sozialistischen Staat verändern zu wollen. Ich hatte gehofft, dass die meisten meiner Mitmenschen so denken wie ich, war jedoch überrascht und enttäuscht, dass es mehr um materielle Güter ging als um ein besseres Miteinander. Die Auseinandersetzungen jetzt empfinde ich als gereizt, gepuscht und unnatürlich aufgeheizt. Ich wünsche mir eine ruhige kluge Kommunikation aller Seiten mit ihren Wünschen und Gedanken.

Müssen Schauspieler aus ihren Rollen treten, wie es 1989 und auch jetzt wieder in Löschs Inszenierung "Graf Öderland" geschehen ist?

Niemand muss etwas tun, was er nicht will, auch kein Schauspieler muss aus der Rolle treten, wenn er es nicht für richtig hält.

Die DNN-Aktion "Dresdner helfen Dresdnern" dient in diesem Jahr erstmals auch zur Unterstützung von Flüchtlingen. Was denken Sie, muss getan werden, um diese Menschen zu unterstützen und außerdem ihrem "Fremdsein" abzuhelfen?

Das Wichtigste ist Aufklärung, Abbau der Ängste vor Fremden und das Wahrnehmen der Möglichkeit zu helfen. Wir sind in der glücklichen Lage, helfen zu können. Also: Lasst uns beginnen!

Was sollte das Jahr 2015 für Sie bringen? Welche Wünsche haben Sie? Und welche künstlerischen Pläne?

Dresden sollte sich beruhigen. Wir sind eine Weltstadt, und zu einer Weltstadt gehört es, viele Nationalitäten zu beherbergen. Ich persönlich wünsche mir, dass ich mit meinem internationalen Clownstheater des Theaterzirkus Dresden nicht nur Deutschland, sondern Europa, ja die ganze Welt bereisen kann. Damit könnte ich Dresden nach außen als die Kulturstadt präsentieren, die es eigentlich ist und immer war.

Und was wünschen Sie den Dresdnern?

Was ich den Dresdnern wünsche? Ich wünsche uns, dass wir gemeinsam einen Moment innehalten und an die Zeit der Wende denken können, in der wir die Hilfesuchenden waren. Jetzt sind wir diejenigen, die eine gewünschte Hilfe geben können. Und diese Hilfe geben zu können, ist eine Kunst.

Kerstin Leiße

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