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„Honig im Kopf“ hatte Premiere in der Comödie Dresden

Filmadaption „Honig im Kopf“ hatte Premiere in der Comödie Dresden

Der Film „Honig im Kopf“ lockte 2014 über sieben Millionen Zuschauer in die Kinos – seit November 2015 erobert der Stoff auch die Theater. Jetzt auch die Comödie Dresden.

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„Honig im Kopf

Dresden. Das menschliche Gehirn ist wie ein Bücherregal – die Bücher, das sind die Erinnerungen die man im Laufe seines Lebens abgespeichert hat. Manchmal fallen einzelne Bücher, sprich Erinnerungen, um, und man vergisst, was in dem Buch steht. Je nach Tagesform stellen sich Bücher wieder auf – dafür kippen andere um. Eines Tages fallen Bücher aber schließlich ganz aus dem Regal. Und damit auch die Erinnerungen. So versucht Kinderarzt Dr. Ehlers seiner Patientin Tilda zu erklären, wie es um die Gesundheit ihres geliebten Großvater Amandus bestellt ist.

Dass mit Amandus irgendetwas nicht stimmt, wird klar, als er auf der Beerdigung seiner Frau die Trauerrede hält. Er spricht zusammenhangslose Sätze, erzählt wirre Geschichten. Großvater und Lebemann Amandus, gespielt von Hannes Fischer, war bisher das humorvolle, geschätzte Familienoberhaupt, doch durch seine Alzheimererkrankung entwickelt er sich plötzlich zurück zu seinen kindlichen Ursprüngen. Nach dem Tod seiner Frau geht es mit ihm rapide bergab. Die bittere Wahrheit wird ihm selbst in den selten gewordenen klaren Momenten schmerzlich bewusst. Weil er mit seinem Alltag immer schlechter zurecht kommt, holt ihn sein Sohn Niko (Heiner Junghans) in sein schickes Familienheim. Schwiegertochter Sarah (Meike Anna Stock) reagiert zunehmend gereizt auf das Chaos, das Amandus in ihrem durchgestylten Eigenheim anrichtet, umso mehr freut sich Enkelin Tilda (Farina Violetta Giesmann) über den Besucher.

Doch Amandus wird alt. Alt und vergesslich. Zwar weiß er noch ganz genau, dass er in Venedig um die Hand seiner Frau anhielt und dass er vor 40 Jahren täglich Zahnseide benutzte, doch alles, was gesunde Menschen im Kurzzeitgedächtnis abspeichern, ist bei ihm verloren gegangen. Er vergisst, wie man die Toilette benutzt, wie man sich einen Kaffee kocht – man kann förmlich zusehen, wie die Erinnerungen an sein früheres Leben Stück für Stück versickern. Tilda, die instinktiv immer richtig handelt und Amandus’ Ausfallerscheinungen mit einer Engelsgeduld hinnimmt, versucht, ihrem Großvater das Gefühl zu geben, gebraucht zu werden. Für kurze Augenblicke scheinen Krankheit und Sorgen zumindest gemildert. Als Niko seinen Vater schließlich in seiner Verzweiflung in einer Altersresidenz anmelden will, entführt Tilda ihren Großvater kurzerhand auf eine abenteuerliche Reise nach Venedig – die Stadt, in der er einst so glücklich war.

Der Film „Honig im Kopf“ lockte 2014 über sieben Millionen Zuschauer in die Kinos – seit November 2015 erobert der Stoff auch die Theater. Jetzt auch die Comödie Dresden. Die Tragikomödie „Honig im Kopf“, geschrieben von Florian Battermann und in der Regie von Ingmar Otto nach dem gleichnamigen Film von Hilly Martinek und Til Schweiger, versucht, die Themen Alzheimer und Demenz auf leichtfüßige Art und Weise zu betrachten, ohne dabei die Tragik der Erkrankung ignorieren zu wollen. So eine Geschichte kann nur mit feinfühliger Komik und vor allem glaubwürdigen Darstellern funktionieren. Hannes Fischer als Amandus hat das geschafft: Stur, verletzlich und manchmal kindlich bildet er mit der geduldigen und gewitzten Farina Violetta Giesmann als Tilda das Zentrum des Stückes.

Schade nur, dass es im zweiten Teil nach der Pause einen leichten Bruch gibt. Während im ersten Part in aller Ausführlichkeit Amandus’ geistiger Zerfall erzählt wird, fühlt es sich an, als würde versucht, die Handlung der Filmvorlage – in diesem Falle die Reise nach Italien – im Schweinsgalopp über die Bühne zu bringen. Doch dafür war genug Zeit, ganz rührselige Momente zwischen Großvater und Enkelin einzubauen, bei denen sich so mancher Theaterbesucher heimlich eine Träne aus dem Augenwinkel wischte.

Nächste Vorstellungen 30. und 31. Mai, 1., 2. und 3. Juni

www.comoedie-dresden.de

Von Juliane Weigt

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