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Helene Blum und Harald Haugaard entzückten in der Dreikönigskirche

Helene Blum und Harald Haugaard entzückten in der Dreikönigskirche

Ein Bad im Meer im Winter? Klingt nach einem hart an der Grenze zur Perversion liegenden Vergnügen, aber Harald Haugaard schwört drauf, kann ein solches Bad nur empfehlen.

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Gut, er "badet" eingestandenermaßen ganze vier (!) Sekunden, aber "der Tag ist perfekt und der Kaffee danach schmeckt auch viel besser", versicherte der Däne beim Konzert am Freitag in der Dreikönigskirche im Rahmen der Reihe "Musik zwischen den Welten". Na, glauben wir es ihm einfach mal, schon weil der große "Außerfriesische", also Otto (Waalkes), einst in einem Lied versicherte: "Dänen lügen nicht!"

Haugaard war also wieder da, und der Teufelsgeiger (wer zehn Mal den Danish Music Award erhält, kann nicht wirklich schlecht sein) war nicht allein gekommen, mal abgesehen davon, dass das neue Album "Den Femte Søster" (Die fünfte Schwester) mit im Gepäck war. Natürlich fehlte auch Ehefrau Helene Blum nicht, die mit dem Gold in der Kehle, zu dem sich derzeit augenscheinlich auch ein Kind im Bauch gesellt, was den kristallklaren Sopran in keiner Weise beeinträchtigt. Wenn sie singt, ob nun über die Liebe, den in nördlichen Gefilden ganz besonders inbrünstig ersehnten Frühling, oder das Meer, das Dänemark von allen Seiten umzingelt, dann möchte man sich wirklich jedes Lied merken und den eigenen Kindern vorsingen, damit's mit deren abendlichem Einschlafen besser klappt (was jetzt nicht heißen soll, dass der betörende Gesang Blums einschläfernd wirkt). Außerdem waren der Gitarrist Mikkel Grue sowie Kristine Elise am Cello mit von der Partie, die ebenfalls nachhaltig unterstrich, warum Männer Frauen mögen, die Cello spielen (was etwa nicht zuletzt Udo Lindenberg in einem Cellestinverehrungssong in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zum Ausdruck brachte).

Zu hören waren Eigenkompositionen und traditionelle Melodien aus Dänemark, die von Haugaard, aber bei allem Respekt vor der Tradition ins Heute geholt, exzellent neu arrangiert wurden. Erstaunlich locker meistert Haugaard selbst schwierigste Passagen, streicht mal zart über die Saiten, mal schrubbt sie er, dass man sich fragt, ob sie den Belastungstest wohl überstehen. Und jederzeit wird klar, dass dem Dänen die Tiefe des Ausdrucks über eine billige Zurschaustellung seines beeindruckenden technischen Könnens geht.

Mal liegt mehr als nur ein Hauch von Kammermusik-Feeling in der Luft, mal wird ein kleines Bad im Jazz genommen, länger als die vier Sekunden, die der stilistisch umtriebige Künstler im Winter im Meer verbringt. Die Lebensweisheiten, die der Künstler zudem den gebannt lauschenden Zuhörern gelegentlich in seinen Ansagen mit auf den Weg gibt, sind an sich nicht umwerfend neu, aber zumindest Paare werden Aussagen wie "Es gibt viele Fragen, aber nur eine Antwort: die Liebe", die an Philosophie à la David Precht anmuten, zu schätzen wissen. Christian Ruf

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.05.2012

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