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Goran Koç y Vocalist Orkestar Band samt Frontmann Faber begeistern im Dresdner Beatpol

Frische Spuren im Wind Goran Koç y Vocalist Orkestar Band samt Frontmann Faber begeistern im Dresdner Beatpol

Julian Pollinas neue Scheibe, just am 07.07.17 in den Weltenlauf geworfen, heißt „Sei ein Faber im Wind. Das passende Konzert dazu gab es jetzt im lange ausverkauften Dresdner Beatpol.

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Faber liebt Dresden: Das Konzert im ausverkauften Beatpol war der dritte, am 11. Februar bereits der vierte Streich in knapp zwei Jahren.

Dresden. Julian Pollina ist Züricher des Jahrgangs 1993 und kann seine sizilianischen Wurzeln weder vom Temperament noch von der Musikalität her verhehlen. Seine neue Scheibe, just am 07.07.17 in den Weltenlauf geworfen, heißt „Sei ein Faber im Wind“, entblößt nicht nur die pseudonyme Kunstfigur als Frisch- wie Hochdeutsch-Fan, erläutert en passant Profession wie Anliegen und kann ob dessen Güte schon als Opus magnum gelten. Das passende Konzert dazu gab es jetzt im lange ausverkauften Beatpol.

Andererseits steckt in ihm nicht nur ein begnadeter Frontmann mit sonorer, kratziger Stimme, die ungerechterweise Vorbilder wie Cohen oder Waits vorschweben lässt, sondern auch seltenes Musikgespür mit Ausflügen in etliche südeuropäische Folkspielarten und ein heutzutage seltenes Talent im Songschreiben, das sich auch in Formexperimenten auslebt. Über allem schweben schwere Botschaften, vom Saal in heller Mädchenstimmlage mitgesungen – und die haben es in sich: Der ranke Wuschelkopf gebiert intelligente, herrlich unkorrekte, aber unerhört poetische Texte, die man eigentlich seit den frühen Jahren der Herren Udo L. oder Rio R. respektive seit Pankow hierzulande vermisst und die nebenher in die Tiefen der Doppelmoral abtauchen.

Auf dem ersten Album (samt Videopräsentation im Netz) kommen diese teils raufboldig-böse, teils traurig abgeklärt daher, der livehaftige Faber fabriziert mit seiner Goran Koç y Vocalist Orkestar Band hingegen sofort einen gut gelaunten, oft balkanesken Saaltanzrausch, wobei sich die Schärfe in selbstbezügliche Ironie der Mitsingenden wandelt und immer wieder kleine Scherze eingebaut sind – wie ein netter Melodieverweis auf Omegas „Das Mädchen mit dem Perlenhaar“.

Einzig vier sportliche junge Herren im üblichen Haar- und Brillenoutfit ergriff dies nicht so recht, sie hatten es schon geschafft, benahmen sich wie bei einem leidigen Junggesellenabschied im Indoormodus (oder ihre Eltern am Kaiserufer) und bohrten sich lautstark scherzend die Finger in die Wangen. Doch, später bei „Alles Gute“ zum Abschluss sowie im ergreifenden Zugabenblock packte Faber selbst diese, wovon nun mehrere Wackelvideos zeugen, die vielleicht auch die Stimmungssymbiose von Band und Hörern widerspiegeln.

Ansonsten gibt es Trost: Auf der Faber-Netzpräsenz steht zwar noch in feinstem Schweizerisch: „There are no upcoming tour dates.“ Aber wer sich in die Niederungen wie Sumpfgebiete der Netzwerke begibt, findet schnell anderes: Nämlich eine „Zusatzshow“ bereits am 11. Februar an gleicher Stelle – aufgrund des raschen Ausverkaufs einberufen von Veranstalter Paul Simang, der Dresden solche Konzerte seit Beginn des Jahrtausends als eigenständiger und ausdauernder Abendrotmissionär mit klarem Anspruch in Stil, Zielgruppe und lokaler Verortung, aber vor allem Beständigkeit in den Künstlerbeziehungen verordnet. So hat er Faber bereits im vergangenen Jahr zwei Mal nach Dresden gelotst – erst ins Thalia, dann (genau vor einem Jahr) in die Groovestation.

Die nahezu infantile, aber überaus authentisch wirkende Freude, mit der das Schweizer Quintett vor allem die Abschlussrunde im Beatpol bestritt, ehe es sich ins leibhaftige Aftershowgetümmel stürzte, das laut Faber („Bis gleich in der Neustadt!“) in einer Bar enden sollte, verheißt ein warmes Wiedersehen. Ein nächtliches Netzfoto mit gewagtem Schultertrunk, eingestellt am Samstagnachmittag auf der Fahrt nach Marburg, wo die aktuelle Tour am Sonnabend endete, zeugt von einer langen Nacht und resümiert: „Feine Stadt, grazie! Es wurde spät!“

Etliche Neuentdecker schwelgen derweil in der Diskrepanz zwischen ausgebufft-rotziger Scheibe und der warmherzigen Livedarbietung, in der der Maestro weit weniger den garstigen Widerborst raushängen ließ. Ganz im Gegenteil: In Sachen Dramatik war sicher die italienische Ballade („Ist mir gerade wichtig“) der Höhepunkt, als Reise zu den Wurzeln vielleicht eine Art Ode an Papa Pippo Pollina, einem Weggefährten Konstantin Weckers und nur wenig älter als die ältere Publikumshälfte im Schnitt, von Faber allein an der Gitarre gegeben, ehe der bis dato fehlende Albumtitelsong und „Lass mich nicht los“ mit einer Art Bachadaption von Elektroorganist Silvan Koch, sich im Musikermodus Goran Koç nennend und schon lange im muskellosen Feinrippoutfit rockend, endete.

www.fabersingt.com

Von Andreas Herrmann

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