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Glaskunst von Frank Meurer in Pillnitz

Glaskunst von Frank Meurer in Pillnitz

Der Blick wird gezielt in die Öffnung der schwer wirkenden Dreiviertelkugelschalen gelenkt. Zu verdanken ist dies dem Umstand, dass sie, so weit man das von einem solchen Körper sagen kann, ein wenig "schief" stehen - auf einem sich außerhalb der Mittelachse befindenden, geschliffenen Boden.

So muss dem Betrachter fast zwangsläufig das reizvolle farbige beziehungsweise unterschiedliche Muster zeigende Innere ins Auge fallen, während das nicht weniger reizvolle Äußere für die meisten wohl erst danach interessant wird. In Rede stehen hier exquisite Studioglasobjekte, die das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Bergpalais des Schlosses Pillnitz zeigt. Ihr Schöpfer ist der manchem Experiment zugetane Glaskünstler Frank Meurer (geb. 1976 in Solingen).

Die "Rätsel" um Meurers kunstvolle Gefäße konzentrieren sich vor allem um die Muster im Inneren und die sich andernorts zeigenden, in ihrem Ursprung schwer zu entschlüsselnden Farbschichten. Die Wurzel dieser Effekte ist nicht zuletzt in der Nutzung einiger traditioneller Techniken der Glasmacherei zu suchen. Die eine, die den Betrachter ins Glas eingeschmolzene, vielfache Muster erkennen lässt, ist die so genannte Graaltechnik, die 1916 in der schwedischen Glashütte Orrefors entwickelt wurde. Es handelt sich um eine besondere Überfangtechnik. Dabei erhält ein erkaltetes Formstück mittels Gravur, Ätzung, Bemalung - Meurer zeichnet oft mit Bleistift darauf - ein Muster. Danach wird der aus farbigem oder Klarglas bestehende Rohling wieder erhitzt, in beispielsweise farbloses Kristallglas getaucht und anschließend in seine endgültige, in diesem Fall runde Form gebracht. Zuletzt wird nach dem langsamen Abkühlen der "Deckel" abgesägt. Die Kanten des Gefäßes, ebenso der Boden, müssen dann noch geschliffen werden und die Außen-"haut" behandelt. Sie kann beispielsweise mit Sandstrahl oder einem Stein bearbeitet werden, so dass das Glas "blind" wird, oder in (farbigem) Glasstaub gewälzt. In beiden Fällen entsteht ein reizvoller Kontrast zum glatten, spiegelnden Innenleben. In letzterem überlagern sich beispielsweise die Bleistiftmuster dank des Mehrschichtglases optisch so, dass man nicht feststellen kann, wo sie sich eigentlich befinden und wie viele es sind. Die Muster können aber statt gezeichnet auch eingeschliffen und dann überfangen (Schale tintenblau, 2012; Schale Feld, 2012) sein, oder es kann sich um Luftblasen handeln, aber auch eine Kombination aus Letzteren und einem gezeichneten Muster (Schale Blasennetz, 2012) ist möglich. In einige Gefäße hat Meurer sogar Fotosiebdrucke (Schale Kugellager, 2013) eingebracht. Bei den Objekten in Graaltechnik kann ebenso der Wechsel zwischen farblosem und farbigem Glas unterschiedlich sein. Also Klarglas innen, Farbe außen oder umgekehrt - oder nur Klarglas geht auch (Schale Schriftzeichen, 2012).

Besonders beeindruckend sind darüber hinaus die musterlosen mehrschichtigen Schalen in Grün (2011) oder Blau (2011). Im Innern befindet sich Klarglas, über das ein mehrfacher Außenüberfang in unterschiedlichen Tönen der jeweils gewählten Farbe gezogen wird. Der Reiz dieser Objekte ergibt sich nicht zuletzt in der Draufschau. Dann präsentiert sich die dicke Wandung im Wechsel von Farbkreisen, entfaltet so eine große Farbmagie.

Überhaupt erwächst der besondere Reiz dieser - einen höheren dreistelligen Betrag kostenden - Objekte aus der Verbindung von komplizierter Herstellung und einfacher, schmuckloser Grundform. Wer eines davon sein eigen nennt, kann in Mußestunden eine die Augen, Gedanken und Phantasie anregende "Reise" antreten. Eine davon könnte - angesichts eines Objekts von 2013, das von schwarzen Glasfäden durchzogen ist - ins Venedig des frühen 16. Jahrhunderts führen. Dort entstand dazumal die Fadenglastechnik, die zum Netz- oder Spitzenglas (Reticelloglas) verfeinert wurde. Um als Dresdner ein solches historisches Beispiel zu sehen, muss man gar nicht weit reisen. Im Neuen Grünen Gewölbe findet man besagtes Reticelloglas in Gestalt einer farblosen Schale und eines ebensolchen Krugs, durch die sich Milchglasfäden (latticini) ziehen.

Frank Meurers künstlerischer Weg begann an der Glasfachschule in Zwiesel (1998-2001). Danach war er in der Glashütte Gernheim tätig. 2003 legte er die Gesellenprüfung als Glasmacher ab und arbeitete anschließend selbstständig in einer Werkstattgemeinschaft. Seit 2005 gestaltet er nach eigenen Entwürfen in seiner Werkstatt, zunächst in Munster, seit 2011 in Karwitz (Wendland). Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet und sind Bestandteil mehrerer nationaler und internationaler Ausstellungen und Sammlungen - darunter der des Kunstgewerbemuseums.

bis 3. November, geöffnet Di-So 10-18 Uhr, Tagesticket für Kunstgewerbemuseum, Schlossmuseum, Park und Pflanzenhäuser: 8 Euro.

www.skd.museum, www.F-MEURER.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.10.2013

Lisa Werner-Art

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