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Gesamtkunstwerk à la Wagner bei den Osterfestspielen Salzburg

Staatskapelle Dresden Gesamtkunstwerk à la Wagner bei den Osterfestspielen Salzburg

Fünfzig Jahre Osterfestspiele Salzburg, fünf Jahre davon mit der Sächsischen Staatskapelle als Residenzorchester und Christian Thielemann als Künstlerischem Leiter. Das Jubiläumsjahr wurde mit einer Re-Kreation der Eröffnungspremiere von 1967 gestartet: Wagners „Walküre“ in der szenischen Deutung von Vera Nemirova und im quasi-historischen Bühnenbild von Günther Schneider-Siemssen.

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Szene aus der Salzburger „Walküre“

Quelle: OFS/Forster

Salzburg. So wird Musikgeschichte geschrieben: Vor genau einem Jahrhundert formulierte Max Reinhardt seine Gedanken zum Bau eines Festspielhauses, fünfzig Jahre später gründete Herbert von Karajan die Osterfestspiele Salzburg, und jetzt gab es im dortigen Festspielhaus jene „Walküre“, mit der sie im März 1967 eröffnet worden sind. Wie um die Sache komplett zu machen, findet das alles auch noch im fünften Jahr der Residenz von Sächsischer Staatskapelle und Christian Thielemann als Künstlerischem Leiter an der Salzach statt. Und so ziemlich alles hat mit Richard Wagner zu tun, dessen egomanes Festival auf Bayreuths Grünem Hügel Salzburg ja irgendwie als Vorbild gedient und der die Kapelle einst als „Wunderharfe“ bezeichnet haben soll, dessen bekennender Sachwalter viele Jahre von Karajan gewesen und dessen aktueller Dresdner Amtsnachfolger Thielemann heute ist. Ach ja, nicht zu vergessen: Thielemann war einst Karajans Assistent und leitet heute – gemeinsam mit Intendant Peter Ruzicka – dessen österliche Gründung.

All dies und manches mehr hat sich im Jubiläumsrausch zu einer unikaten Re-Kreation der „Walküre“ verwoben, die im wiederhergestellten Bühnenbild von 1967 durch Regisseurin Vera Nemirova inszeniert worden ist. Dass aus Ruzickas verwegener Idee kein musealer Rückblick geworden ist, verdankt sich der . ebenfalls auf Richard Wagner zurückgehenden – Idee eines praktizierten Gesamtkunstwerks. Bekanntlich hatte der Leipziger Dichter-Komponist sämtliche Texte seiner Opern selbst verfasst und dann musikalisiert. Da war es eigentlich nur eine logische Konsequenz, dass ein perfektionistischer Großmeister wie Herbert von Karajan auch alle Fäden in eigenen Händen halten, neben der musikalischen also auch die szenische Verantwortung innehaben wollte. Für das Bühnenbild allerdings verpflichtete er seinen bevorzugten Ausstatter Günter Schneider-Siemssen, der eine in erster Linie dem Klang verpflichtete Visualisierung schuf.

Hier gilt’s der Musik

Für die mit Spannung erwartete Re-Kreation wurde diese legendäre Ausstattung von Jens Kilian rekonstruiert. Eine gewaltige Weltesche beherrscht das erste Bild, dem eine assoziationsreiche Ring-Gestaltung folgt. So werden konkrete Räume mit abstrakter Landschaft verbunden, sind abgründige Momente und die eng miteinander verflochtenen Beziehungen der Personage schon angedeutet, bevor der erste Mensch die Bühne betritt. Dann aber entrollt sich ein Spannungsgeflecht, in dem die Musik die dramatische Hauptrolle spielt, von magischen Farb- und Licht-Spielen (Olaf Freese / rocafilm) passend unterstützt.

Regisseurin Vera Nemirova hat – in ausdrücklicher Zusammenarbeit mit ihrer Mutter Sonja – die Karajan-Deutung weder nacherzählt noch konterkariert. Sie vertraute statt dessen dem geradlinigen Fluss der Handlung und ließ ein „allgemein und zeitlos gültiges Welttheater“ zu, wie es bereits dem oben genannten Sachwalter vorgeschwebt haben mag. So war zu sehen, was man hörte, und zu hören, was man sah. Wenngleich dies hier und da recht statuarisch wirkte, stellte sich doch Ergriffenheit ein; etwa im unwissenden Liebesspiel zwischen Sieglinde und Siegmund, mehr noch in den Momenten des seine Lieblingstochter Brünnhilde abstrafenden Übervaters Wotan.

Was nicht zuletzt am erstklassigen Personal dieser Re-Kreation lag! Eine überwältigend leidenschaftliche Anja Harteros als stimmschöne Sieglinde, eine sportive Anja Kampe als sinnliche Brünnhilde sowie ein starker Vitalij Kowaljow als durchaus sensibler Wotan – und alle drei vollkommen unaufgeregt im Rollendebüt! Unerschütterlich aber auch Peter Seiffert als Siegmund und Georg Zeppenfeld als fieser Widersacher Hunding sowie Christa Mayer als selbstbewusste Fricka. Eine solche Glanzbesetzung verlangt freilich nach Walküren, die diesem Niveau nicht nachstehen. Mit Christina Bock, Katharina Magiera, Brit-Tone Müllertz, Alexandra Petersamer, Stepanka Pucalkova, Simone Schröder und Johanna Winkel wurde dieser Anspruch bestens erfüllt.

In dieser „Walküre“ ist auf jegliche Allüren verzichtet worden, was dem Gesamtkunstwerk zugute kam und vom Publikum mehr als dankbar angenommen wurde. Hier gilt es der Musik – und die gestaltete sich dank Christian Thielemann und der Dresdner Staatskapelle zu einer Liebeserklärung an Wagner, Karajan, Salzburg sowie an das internationale Publikum. Brachialen Passagen stand feinsinnige Rücknahme gegenüber – zum uneingeschränkten Orkan wurde dann erst der Schlussapplaus.

Als kongeniale Ergänzung – auch Salzburg sieht sich als Gesamtkunstwerk – zur Re-Kreation von Wagners „Walküre“ präsentiert die Ausstellung zur Oper: „WalküRE“ vermittelt im Salzburg Museum Einblicke in den Entstehungsprozess von 1967 und beweist nachdrücklich die musikgeschichtliche Bedeutung dieser Tat.

www.osterfestspiele-salzburg.at

Von Michael Ernst

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