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Furioser Urknall – das 34. Dresdner PantomimeTheaterFestival lud dazu ein

Uraufführung Furioser Urknall – das 34. Dresdner PantomimeTheaterFestival lud dazu ein

Eine Uraufführung beim Dresdner PantomimeTheaterFestival gibt es nicht in jeder Auflage. Nun war es aber so weit: Arne König aus Dresden und Duncan Cameron aus Kanada zeigten „Urknall“.

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Neue Mimenausflüge auf Frankensteins Spuren: Arne König als Doc und Duncan Cameron als Igor säubern das Weltall von misslungener Schöpfung.

Dresden. Eine Uraufführung beim Dresdner PantomimeTheaterFestival gibt es nicht in jeder Auflage. Am Sonnabend war es aber soweit: Arne König aus Dresden und Duncan Cameron aus Kanada zeigten im August Theater „Urknall“ – durchaus treffend als „aufregende, nonverbale, physische Show, die voller dunkler Phantasie“ sei, angekündigt.

König, eine Art Meisterschüler von Ralf Herzog, spielt dabei den Doc, der anfangs mit seinem Gehilfen Igor an einer lebenden Leiche mit etlichen Herzen herumbastelt. Duncan Cameron ist Clown, Musiker und Akrobat und war schon im vergangenen Jahr mit „Der Spion“ bei der Gala des Festivals in Dresden zu Gast, wo Arne König in Doppelrolle „Romeo und Julia“ servierte. Gemeinsam boten sie damals eine „Überraschung“ als Zugabe – diese wurde nun zu einer abendfüllenden Performance, die als Pilotaufführung schon mal in Camerons Wahlheimat Liverpool getestet wurde. Auch dort hieß sie „Urknall“ statt Big Bang – weil es so gut klingt und trifft. Denn die beiden bieten eine Art rückwärtsgewandte Schöpfungsgeschichte mit nahezu faustischer Attitüde: Doc König ist Gott in Weiß, sein Helfer Igor Cameron, der ein wenig an Quasimodo erinnert und ab und an mal ordentlich körperlich gedemütigt gehört, tut meist, was der Meister befiehlt.

Beide agieren behende und mit ganzem Körpereinsatz, können dabei aber so böse-blöd gucken, dass die Altersbegrenzung (P18) schon Sinn hat, zumal sie für ihre Schönheitsoperationen am lebenden Menschen immer mal wieder die Kettensäge und fremde Gliedmaßen, auch aus dem Publikum, welches auch gern Darmentwickelmaschine bei der Leichenschau spielt, benötigen. Per Zaubertrank wächst ihnen das Experiment kurz über den Kopf beziehungsweise läuft mit streithähnigen Zusatzköpfen aus dem Ruder.

Schließlich haben sie die Welt geschafft und retten sich vorm Knall ins All, um dort das ganze Luftballsonnensystem mit Genuss zu zerstören. Zuletzt platzt natürlich die rosa Blase – vermutlich die Venus. Doch als die beiden dann ihre Aufgabe als erfüllt ansehen, schimpft Gott enorm: Sie müssen von ganz vorn anfangen. Und zwar biblisch nahezu korrekt: Also nach heiliger Buchanleitung: Während der Doc hinten am Stehpult nach Lektüre dirigiert und hext, muss Igor vorn Adam plus Eva und deren Ein- wie Auszug ins Paradies nachspielen.

Das tut Cameron auf herrliche Art und Weise – mit galanter Pirouette beim Rollentausch. Als Adam jedoch die Schlange auffrisst und Eva derweil in den Apfel beißt, ist Schluss mit lustig – die beiden besinnen sich ihrer destruktiven Mission und beginnen, Engel zu meucheln … Nach einer packenden Stunde ist endlich totale Ordnung im All, denn die beiden Schaffer werden mit in den Orkus gesogen, in dem sie zuvor Gott und seine Geschöpfe entsorgen wollten. Der Urknall endet (wissenschaftlich vermutlich korrekt) genau dort, wo er herkam: im schwarzen Loch. Die Expedition des kanadisch-deutschen Duos in Urraum und -zeit gerät so eindrucksvoll und phantasiedicht wie eine Wagner-Oper und schrammt nur knapp an der bildhaften Überforderung vorbei.

Das viertägige 34. PantomimeTheaterFestival Dresden 2017 mit sieben Vorstellungen und vier Workshops endete am Sonntag mit einer großen Improgala, bei der noch einmal alle 30 Künstler aus fünf Ländern auftraten. Projektleiter Jan Romberg zeigte sich dabei sehr zufrieden: Fast alle Vorstellungen waren ganz voll, und man habe spannende neue Dinge entdecken können, so zum Beispiel die Verbindung von Pantomime und Musik als „Mime Musical“ – vor allem für Kinderprogramme eine interessante Form. Auch Gründervater Ralf Herzog zeigte sich begeistert von der sonnvormittäglichen Kindervorstellung „Angst im Dunkeln“ der Poznan Academy of Performing Arts – und generell vom Knowhow und von der Spieltechnik der angereisten Kollegen. Beide begeisterte auch die Stimmung beim Festival: ein tolles Miteinander bei den Workshops als Kernsinn – es habe viel Spaß gemacht.

Die 35. Edition – wie immer unter künstlerischer Leitung von Ralf Herzog – findet vom 8. bis 11.November 2018 statt. Dann wird Arne König die Projektleitung übernehmen, sein Urknall soll aber eher zu sehen sein – eine neue Probephase mit Duncan Cameron sei zwar schwierig, weil beide gut gebucht sind, ist aber fürs Frühjahr geplant. Vielleicht entstünde dabei auch schon wieder etwas ganz Neues, macht er Hoffnung.

www.august-theater.de/repertoire/urknall/

Von Andreas Herrmann

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