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Die Stipendiaten der Kurt-Masur-Akademie der Philharmonie stellen vor

Kammerkonzert Die Stipendiaten der Kurt-Masur-Akademie der Philharmonie stellen vor

Sechs junge Musikerinnen und Musiker aus Mexiko, Südkorea und Deutschland haben es in diesem Jahr geschafft: Sie sind in den ersten Jahrgang der Orchesterakademie der Dresdner Philharmonie aufgenommen worden. Am 12. November präsentieren sie sich nun erstmals mit einem anspruchsvollen Kammermusikprogramm auf Schloss Wackerbarth.

Die Kurt-Masur-Akademisten der Dresdner Philharmonie: Joshua Nayat Chávez Márquez (Kontrabass), Eunsil Kang und Hayoung Kim (Violine), Selma Sofie Bauer (Fagott), Billy Schmidt (Klarinette) und Sofia von Freydorf (Violoncello)
 

Quelle: Markenfotografie

Dresden.  
 

Zweitens können sich Pultnachbarn, die sich im günstigsten Fall Jahrzehnte lang den Notenständer teilen werden, schon einmal einige Monate unter realen Alltagsbedingungen aufeinander einspielen. Wobei musikalische Aspekte nur einen Teil der Zusammenarbeit im Orchester ausmachen. Nicht zu vergessen: Natürlich dürfte es für ein Orchester auch finanziell Vorteile haben, wenn die Akademisten, die bis zu sechzehn ganz normale Orchester-Dienste pro Monat ableisten, dafür mit einer Ausbildungsvergütung von insgesamt 850 Euro entlohnt werden.

Der damals zwanzigjährige Cellist Michael Sanderling hatte seine Karriere ja unter Kurt Masur im Gewandhausorchester begonnen. Als Chefdirigent der Dresdner Philharmonie reiste er in den letzten Jahren mehrfach nach Leipzig und suchte das Gespräch mit dem Ehrendirigenten seines Orchesters. Seine Bitte: Kurt Masur möge seinen Namen für den Karrierestart junger Philharmoniekollegen zur Verfügung stellen! Masur erinnerte sich dann wehmütig an seine eigenen frühen Jahre in Dresden. Natürlich war er im Boot. Die folgende Vorbereitung der Akademie, so schrieb es die neue Schirmherrin der Akademie, Tomoko Masur, zum Start in einem Grußwort, habe ihrem Mann in einer „gesundheitlich schweren und deprimierenden Periode seines Lebens ... Freude und die Hoffnung (gebracht), trotz seines damaligen Zustandes gemeinsam mit wunderbaren Orchestermusikern sein Wissen an die junge Generation weiterreichen zu können.“

Dass der Maestro den ersten Jahrgang der Akademie nicht mehr selbst erleben kann, ist traurig. Sein Geist aber schwebt über dem Projekt, ist sich Philharmonie-Intendantin Frauke Roth sicher: „Kurz vor seinem Tod hatte Masur die Gelegenheit, noch einmal nach Dresden zu kommen. Mit einem Bauaufzug fuhr er unters Dach des neuen Kulturpalastes und sah den neuen Saal entstehen. Es war tatsächlich der allerletzte öffentliche Termin, den er hier in Deutschland absolvierte...“ Die Akademie ist als Kooperationsstudiengang mit der hiesigen Musikhochschule angelegt. Ungewöhnlich ist dabei: Die Bewerber müssen in ihrem Instrumentalstudium bereits fortgeschritten sein, also schon ein fertiges Bachelorstudium vorweisen oder sich zumindest im finalen Jahr ihres Erststudiums befinden, wenn sie bei der Dresdner Philharmonie für eine Akademistenstelle vorspielen. Hier lernen sie dann den Dienst im Orchester mit allen seinen Alltagsfacetten kennen, werden praxisnah auf ihren zukünftigen Beruf vorbereitet.

320 junge Musikerinnen und Musiker hatten sich auf die verschiedenen Streicher- und Bläserpositionen beworben; sechs Bewerber haben die Philharmoniker zu Anfang ausgewählt. Unter den Glücklichen ist auch Selma Bauer. Ihr Lehrer Phillipp Zeller, ehemals selbst Philharmoniker, hatte sie auf die Ausschreibung aufmerksam gemacht. Nun erlebt die Fagottistin das Orchesterleben hautnah. „Die Vorteile der praxisnahen Berufsvorbereitung sind definitiv, dass man Erfahrungen im Alltag mitnehmen kann, die man so in der Hochschule nicht lernen kann“, sagt sie. In den vergangenen Monaten hat sie sich schon quer durchs Repertoire gearbeitet, in kurzer Folge Gustav Mahlers „Achte“, Belioz’ „Symphonie fantastique“, Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ im Konzert mitgespielt, in einem Filmprojekt und der jüngsten CD-Produktion des Orchesters mitgewirkt. Dabei sei sie von Anfang an sehr gut aufgenommen worden, erzählt sie. „Wir können uns immer trauen, bei Unklarheiten Kollegen zu fragen, und werden von unseren Lehrern und Mentoren sehr gut für den Dienst vorbereitet.“

Eine spätere Karriere bei der Dresdner Philharmonie ist für die Kurt-Masur-Akademisten dabei nur eine Option. Mit etwas Glück tragen sie den Dresdner Klang, den ihnen die Philharmoniker beibringen, später in die Orchester der Welt.

Jetzt aber stellen sich die Akademisten ihrem hiesigen Publikum erst einmal in einem besonderen Konzert vor. Unterstützt von ihren Lehrern und Mentoren, haben sie sich in den letzten Wochen kammermusikalische Werke von Ibert, Busoni, Weber und Dvorak erarbeitet und werden sie, Pult an Pult mit drei erfahrenen Philharmonikern, am Sonntag auf Schloss Wackerbarth präsentieren.

Kammerkonzert „Akademisten stellen sich vor“, Sonntag, Schloss Wackerbarth. Tickets entweder mit einem Menü im Gasthaus 18 Uhr (69 Euro) oder direkt für das Konzert 20 Uhr (30 Euro) unter Tel. 0351/4866 866.

Weitere Infos: www.kurt-masur-akademie.de

Von Martin Morgenstern

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