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Friedrich Dieckmann mit neuem Buch in der Sächsischen Akademie der Künste

„Luther im Spiegel“ Friedrich Dieckmann mit neuem Buch in der Sächsischen Akademie der Künste

Wenn Friedrich Dieckmann Martin Luther durch die Augen deutscher Geistesgrößen betrachtet, wird es hochaktuell und brisant. Das zeigt das neue Buch des Berliner Essayisten „Luther im Spiegel“. Ebenso wie eine spannende Diskussion darüber zwischen ihm und dem Dichter Christian Lehnert in der Sächsischen Akademie der Künste in Dresden.

Friedrich Dieckmann

Quelle: Ekko von Schwichow

Dresden. Wer

Dieckmann präsentiert in dem Band die Sichten von zehn Geistesgrößen der deutschen Nationalliteratur, angefangen bei Lessing, über Goethe, Schiller, Heine, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, endend bei Thomas Mann. Ausgewählt hatte er das Kapitel über Marx und Engels.

Friedrich Engels (1820-1895) betrachtete Luther als Repräsentant der gescheiterten „frühbürgerlichen Revolution“, der zum Knecht protestantischer Fürsten wurde. „Aber er verkennt, dass Luther nicht Revolutionär, sondern Erneuerer der christlichen Botschaft war“, konstatiert Dieckmann.Karl Marx (1818-1883) indes würdigte Martin Luther (1483-1546) als „ältesten deutschen Nationalökonom“. Acht Luther-Zitate schafften es ins „Kapital“. Was der Philosoph hervorhob, ist Luthers Kritik am damals gerade entstehenden Kapitalismus; an den räuberischen Geschäften der Kaufleute, deren ungezügelte Preisbildung, hatten sie erst das Monopol an bestimmten Produkten erobert. Finanzspekulation der Banken, Geldverdienen allein mit Geld durch Zinswucher – für Luther ein Gräuel. Der wertete moralisch, hielt die christliche Botschaft dagegen, brandmarkte das Handeln der Händler als widergöttlich. Unbeschränkte Handelsfreiheit geißelte er als verderblich, forderte von den politisch Herrschenden, sie mögen bei der Preisbildung vernünftige Grenzen setzen. Dieckmann: „Luther forderte Planwirtschaft.“ Der Essayist machte die „furchtbare Entdeckung“: „Die DDR war Luthers Auffassungen viel näher als denen von Marx und Engels.“

Widerspruch bei Christian Lehnert: „Das ist schwer zu hören.“ Doch Dieckmann erinnerte sich an einen Ökonomen, der ihm sagte, gescheitert sei die DDR an der Unmöglichkeit, eine vernünftige Preisbindung festzulegen. Wohl übersieht er nicht, was er „Luthers Dialektik“ nennt: dass begründete Forderungen zu nicht haltbaren Zuständen führten. „Doch was ist haltbar? Die jetzigen Zustände sind es ja wohl nicht.“ Das waren so Momente, wo Dieckmann Luther und Marx gegeneinander schlug wie Feuersteine und rebellische Funken sprühen ließ. Freilich setzte Luther, was nötige Veränderungen betraf, auf Bildung, nicht Umsturz. Wenngleich er zumindest an einer Stelle ungewollt zum Umstürzler wurde: bei den kirchlichen Verhältnissen.

Als zweites Hauptthema neben der Freiheit fällt Lehnert in Dieckmanns Buch die deutsche Sprache auf. Nicht nur da sieht Dieckmann sich in seinem eigenen Lutherbild Heine besonders nahe. Luthers Deutsch – „das ist der Sprachgrund, auf dem wir alle stehen“. „Luthers Leistung war vor allem eine dichterische.“

Hauptthema drei: deutsches Nationalgefühl. Für Friedrich Dieckmann ist unstrittig: „Luther ist der Begründer der deutschen Nationalkultur.“ Wobei er lieber von „Kulturnation“ spricht. Die es heute zu behaupten gelte gegen die Bedrohungen durch die nivellierenden Kräfte der Globalisierung, gegen die Verunsicherung durch das „Molluskenhafte“ der Digitalisierung, gegen völlig andere Auffassungen von Einwanderern aus fernen Kulturen. Kulturelle Bildung müsse dringend verbessert, nicht Musik- oder Zeichenunterricht reduziert werden. „Das Schicksal unserer Nationalkultur entscheidet sich in den Schulen.“

Was Christian Lehnert an Luther für wesentlich hält: jenen Punkt, von dem aus es die Ökonomie zu beurteilen und zu kritisieren gilt, der Fluchtpunkt jenseits der Realität. „Da berühren sich Theologie und Kunst.“

Von Tomas Gärtner

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