Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Google+
"Frau Meier, die Amsel" eröffnet tjg-Sommertheater

"Frau Meier, die Amsel" eröffnet tjg-Sommertheater

"Noch scheint die Sonne, aber gleich regnet es, ich weiß es. Dunkle Wolken, ich sehe sie schon. Und dann fällt alles ins Wasser. Kein Theater! Aus, Schluss, vorbei.

Voriger Artikel
Uraufführung für den ersten Abend nach Erwin Strittmatters "Laden" am Staatstheater Cottbus
Nächster Artikel
Schlossherr holt prominente Künstler in sein Schloss in Spreewiese bei Bautzen

Klaus Frenzel, Barbara Wiemann und Uwe Steinbach (v.l.) erzählten die Geschichte.

" Wie gut, dass die pessimistische Prophezeiung von Frau Meier (Barbara Wiemann) am Wochenende nicht eingetreten ist. Denn sonst hätten die Zuschauer die wundersame Wandlung dieser Frau Meier gar nicht miterleben können. Dieser Frau, die sich um alles und jedes sorgt, die Flugzeuge abstürzen und die Knöpfe abspringen sieht, die Rettungsaktionen für 145 überschwemmte Theaterbesucher plant und dabei im Inneren immer wieder ein klirrendes "Oh Gott, oh Gott, oh Gott" ertragen muss.

Die Geschichte von "Frau Meier, die Amsel" aus der Feder von Wolf Erlbruch erzählt von einer Lebenshaltung, die vielen Kindern nicht unbekannt sein dürfte. Denn Mütter, die sich um die Gesundheit, die Ernährung, die Freunde und die Lernerfolge ihrer Kinder sorgen, kennt wohl jeder. Die Regisseurin und Autorin Gertrud Pigor hat Erlbruchs Impulse übernommen und sie in ein turbulentes Spiel von Puppen, Menschen und Musik unter freiem Himmel verwandelt. Am Wochenende feierte ihr Stück "Frau Meier, die Amsel" im tjg-Sommertheater im Sonnenhäusel seine Premiere und fand begeisterte und beglückte Zuschauer - ganz ohne Regen und andere Unfälle.

Zum Glück gibt es zu Frau Meier auch einen Herrn Meier (wunderbar sächselnd: Klaus Frenzel). Der ist gänzlich unbesorgt, freut sich des Lebens und brüht seiner Frau, wenn es mal wieder ganz schlimm wird, einen schönen und entspannenden Pfefferminztee. Und dann ist da noch der Nachbar (Uwe Steinbach), der auf seiner Tuba die passenden Melodien für die schwankenden Stimmungen des Paares findet (Musik: Jörg Kandl) und der hin und wieder auch einen Versuch zur Rettung Frau Meiers unternimmt.

Erst als Frau Meier eines Morgens im Garten eine kleine Amsel findet, die aus dem Nest gefallen ist, wendet sich die Geschichte. Nun hat sie ja wirklich einen Grund, sich Sorgen zu machen, und doch ist plötzlich alles anders. Die verzagte Frau Meier stürzt sich beglückt, beschwingt und entschlossen in ihre neue Aufgabe: "Jetzt geht es um ein richtiges Leben." Und sie wird mutig, viel mutiger als Herr Meier, der angesichts der misslingenden Flugver­suche der Amsel nun selbst verschwindet, um sich bei Pfefferminztee zu beruhigen.

Wie Klaus Frenzel und Barbara Wiemann die fast lebensgroßen Puppen des Ehepaars Meier zum Leben erwecken, ihnen Stimme, Bewegung und Charakter verleihen, sie greifbar machen in ihrer Sorge, ihrer Fürsorge, ihrem Mut - das ist großes Theater. Auf der einfallsreich aus­gestatteten Bühne (Martina Schulle) werden Teile des riesigen Schnittmusters, das sinnreich die Kulisse der Schneiderstube von Frau Meier bildet, lebendig und veranschaulichen ihre Angstvorstellungen von abstürzenden Flugzeugen und panischen Kühen. Wie die beiden an der Nähmaschine sitzen und gemeinsam nähen - er mit kindlicher Freude am Handrad: "Schön, Gisela, was?", und sie mit wechselnden Ängsten an der Stoffbahn "Günther, was, wenn morgen die Sonne nicht wieder aufgeht?" -, ist das witzig und ergreifend zugleich.

Hervorragend ist aber auch Uwe Steinbach, der mit der großen Tuba Frau Meiers Ängsten einen Klang gibt, ihre Gartenfrüchte geheimnisvoll wachsen lässt und schließlich die kleine Amsel singt und spielt. Als Erzähler steigt er immer wieder auch aus der Geschichte aus, kommentiert, beobachtet, greift ein. Bis Frau Meier das Zepter der Handlung selbst in die Hand nimmt und aus Fürsorge um ihr Piepchen über sich selbst hinauswächst. Sie klettert an den Bohnenstangen hinauf, zieht sich die Wäscheleine hoch, steigt schließlich auf den höchsten Baum im ganzen Garten, seufzt tief, breitet ihre Arme aus und ... "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann fliegen sie noch heute."

Frau Meier, die Amsel (ab 4 Jahre), tjg Sommertheater im Sonnenhäusel (Großer Garten), nächste Termine: 11.6., 10 Uhr, 16. u. 17.6., 16 Uhr, 25. u. 28.6., 10 Uhr, 30.6. u. 1.7., 16 Uhr, 3. u. 4.7., 10 Uhr, 7. u. 8.7., 16 Uhr, 10. u. 11.7., 10 Uhr

Tickets unter Tel. 4 96 53 70.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.06.2012

Birgit Andert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr