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Fotograf Moritz Kertzscher aus Dresden macht Facebook zur Fotoausstellung

Fotograf Moritz Kertzscher aus Dresden macht Facebook zur Fotoausstellung

Tagtäglich begegnen wir vielen Menschen in allen möglichen Lebenssituationen. Häufig bilden wir uns eine Meinung über andere Personen, doch an welchen Aspekten machen wir diese fest? An der Kleidung, der Frisur oder dem Gesichtsausdruck? Ist es tatsächlich möglich, den Charakter der Person nach Äußerlichkeiten zu beurteilen? Diese Fragen beschäftigten auch Moritz Kertzscher.

Der 24-jährige, geborene Dresdner betreibt seit Beginn des Jahres das Fotoprojekt "Mustermann" auf Facebook. Jeden Sonntagabend wird ein neues Portrait hochgeladen und zum kommentieren freigegeben. 1 Jahr - 52 Wochen - 52 Portraits. "Ich habe mich für die Plattform Facebook entschieden, da die Werbewirksamkeit für mein Projekt ein wesentlich wichtiger Faktor ist. Ohne teilnehmende Personen, die das Projekt begleiten, würde die Portraitreihe nicht so präsent wirken", sagt der gelernte Koch, der sich vor drei Jahren mit seiner Medienproduktionsfirma "Klarschnitt" selbstständig gemacht hat. Mittlerweile hat er seine Kochmütze an den Nagel gehängt und konzentriert sich nun voll auf seinen Traumberuf. Unter anderem drehte er ein Musikvideo für die Dresdner Band "Stilbruch" und nahm Werbeclips und Konzertmitschnitte auf. Für "Mustermann" wurde er ebenfalls durch die sozialen Netzwerke inspiriert. Als er im Herbst 2011 in seinen Neuigkeiten auf Facebook schon nahezu intime Dinge über Personen las, kam ihm die Idee zu einem Portraitprojekt, in welchem die Personen ohne klaren Gesichtsausdruck abgelichtet werden sollten. Ein grauer Hintergrund, das Gesicht ohne Mimik und den Blick nach vorn gerichtet- fertig ist das Portrait eines Mustermanns. Das Projekt stützt sich vor allem auf das Unbekannte, die Anonymität und das Fremde, was auch den Titel dieser ungewöhnlichen Fotoausstellung erklärt. "Der Name Mustermann ist bekannt für die Anonymität und das Unbekannte. Überall lesen wir auf Vordrucken und Ähnlichem von den Namen Erika oder Max Mustermann und keiner kennt sie." Der Charakter und die Geschichten hinter den Personen sind vor allem den Augen zu entnehmen, die in den Portraits den besonderen Blickfang darstellen. "Mustermann" ist keine normale, langweilige Museumsausstellung, der Betrachter wirkt interaktiv mit und trägt zum Gelingen des Projekts direkt bei. Der Reiz für liegt für den Facebooknutzer zum Beispiel darin, in die Kommentarleiste zu schreiben, welchen Lebenslauf er hinter den fotografierten Personen vermutet oder auch nur welchen Eindruck er von den Menschen hat. "Die Kommentare zu den Portraits bringen mich oftmals zum schmunzeln, da sie teilweise so gar nicht dem entsprechen, was die Person macht, ist oder sein will", verrät Moritz. Die Personen bleiben völlig anonym, so dass der Betrachter ohne jegliche Einflüsse von Alter, Beruf oder gar einem Lächeln raten, grübeln und kommentieren kann. Nur manchmal, wird die Identität eines Mustermanns in Form eines kleinen Videos nach einiger Zeit bekannt gegeben, indem sich die Person vorstellt. Betrachter sowie auch die fotografierten Personen können so viel über sich lernen. Wie wirke ich auf Menschen? Wie beurteile ich verschiedene Personen und warum? All das sind Fragen, auf die man durch "Mustermann" eventuell Antworten bekommt. Das Fotoprojekt zieht sich durch alle Altersgruppen und soziale Schichten - es sind unter anderem Kinder, Rentner, Studenten, Politiker, Hebammen oder Handyvertreter zu sehen. Kertzscher würde jedoch auch gern das "Mustermann"-Projekt in einer Galerie präsentieren. Einen passenden Ort hätte Moritz auch schon im Hinterkopf: "Am liebsten im Sächsischen Landtag, da ich die lichtdurchflutete Ausstellungsfläche sehr passend für meine Portraitreihe finde." Auch der Mitmach-Charakter soll nicht verloren gehen, dem 24-Jährigen schwebt vor, eine Art Schriftrolle unter die Bilder zu hängen, wo die Besucher ihre Vermutungen hinterlassen können. Noch stehen fehlende Kontakte zu Galerien und die Finanzierung zwischen dem Projekt und der Realisierung dieses Traums. "Das Projekt wächst nach und nach und genau das finde ich schön zu beobachten", sagt Kertzscher schließlich zufrieden.

"Mustermann" zeigt, dass auch die neuen Medien einen Ort für Kunst darstellen können. Vor allem der interaktive Charakter und der Ort dieser Fotoausstellung machen das Projekt spannend und gerade für die junge Generation interessant. Wer die Ausstellung mit all seinen Bildern, Kommentaren und Infos sehen will sollte folgende Website besuchen: www.facebook.com/Mustermann.Portraitreihe

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.06.2012

Florian Kneffel

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