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Fein und gewitzt gesponnen - Soiree der Palucca Hochschule für Tanz Dresden in der Semperoper

Fein und gewitzt gesponnen - Soiree der Palucca Hochschule für Tanz Dresden in der Semperoper

Kunst kommt bekanntlich von Können. Und was das angeht, so haben die Studierenden der Palucca Hochschule für Tanz Dresden wahrhaft viel zu bieten. Nicht jeder auf dem gleichen Niveau, aber in individueller Prägung und mit zuweilen markanter Persönlichkeit.

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Aus Jiri Kylians Choreografie "Sechs Tänze".

Quelle: Bettina Stöß

Schließlich machen ja überhaupt erst die feinen Unterschiede auch zwischen Tanzdarstellern den künstlerischen Reiz aus.

Die diesjährige Hochschul-Soiree in der Semperoper hat davon schönste Kostproben gezeigt. Speziell in der 1986 entstandenen Choreografie von Jiri Kylian zu Mozarts "Sechs Deutschen Tänzen" können die jungen Gäste auf der großen Bühne der Semperoper ihre spielerische Lust an Tanz voll ausleben, ohne dabei auch nur irgendwie die Eigenart und Struktur des Werkes zu beschädigen. Diese Choreografie war schon zu Zeiten von Vladimir Derevianko mit dem Semperoper Ballett zu erleben, und die lebendige, frische Interpretation der jungen Tänzer lässt nicht nur die Erinnerung daran wieder aufleben, sie schafft erfreulicherweise auch ein komplett neues Vergnügen.

Was für ein Feuerwerk an Ideen! Kilian ist ohne Zweifel unter den Choreografen der Gegenwart einer der sinnlichsten und fantasievollsten. Dabei ist alles so fein und gewitzt gesponnen, dass man den Kontext quasi aufspüren muss. Und die "Erwählten" wie auch Megastars der deutlich gut einstudierten, Freiräume lassenden Hochschul-Aufführung haben sich bestens in den launig bewegten Duktus der Musik eingefunden. Glücklicherweise gelingt es hier ebenso dem Orchester der TU Dresden unter der musikalischen Leitung von Monika Buckland, Mozart ohne Verstimmungen zu spielen. Was nach den zuvor eher katastrophal gebotenen Händel Variationen von Brahms zunächst kaum mehr möglich schien. Da war man absolut versucht, dem Ehrgeiz der Hochschule zu misstrauen, partout mit einer musikalisch live begleiteten Soiree aufzuwarten.

Erschwerend kommt hinzu, dass auch die ambitionierte Choreografie, an der sich erklärtermaßen wie an einem Flechtwerk 13 Dozenten der Tanzhochschule beteiligten, nicht gerade berauschend gewesen ist. Ein Eindruck, den keinesfalls die Studierenden zu verantworten haben - sie haben ihr Bestes gegeben, aber sie hätten schlichtweg Besseres verdient. So bleibt es ein heilloses Durcheinander mit 130 Mitwirkenden, aus dem sich kaum eine Handschrift in irgendeiner Phase einprägen, herausheben kann. Und dazu passt dann doch irgendwie, was Nietzsche seinen Zarathustra sagen lässt: "Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können."

Zum Auftakt des Abends hat sich die Palucca Hochschule erneut an ein Werk von George Balanchine zu Musik von Tschaikowski herangewagt. Wie heikel das sein kann - selbst bei einer großen Company -, wissen alle nur zu genau. Aber nun scheint ein weiterer Versuch doch in schönster Weise geglückt, haben die Tänzer die 1934 erstmals von Studierenden der School of American Ballet in New York aufgeführte und stets erfolgreiche Serenade so herübergebracht, dass es mehr als nur achtbar ist.

Deutlich sind da schon Erfahrene auf der Bühne zu erleben, speziell Mitglieder des Elevenprogrammes sowie Studierende im Bachelorstudiengang Tanz/ Studienjahr 1 bis 3. Und die Einstudierung von Nanette Glushak, die Probenleitung seitens der Hochschule hat bewirkt, dass es auch in der Dimension des Opernhauses gut anzuschauen ist, fast schon "unbeschwert" wirkt. Die leichtfüßige Eleganz, die zarte Ironie des Originals aber bleibt ein Traum in der Art eines duftigen Seidentuches, welches Tänzer weltweit zu erjagen suchen.

Wie stets zum Jahresabschluss der Palucca Hochschule für Tanz hat es bei der Soiree wieder Palucca-Stipendien der Dresdner Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden gegeben, und das bereits im 19. Jahr. Eine höchst sympathische Kontinuität des Gebens. Die Preisträger 2012 sind Lester René Gonzales Álvarez - dem Bachelor-Absolventen im Studiengang Tanz wird damit der Start ins Berufsleben am Theater Rostock erleichtert - und Hana Zuzana E. Goseling vom Masterstudiengang Tanzpädagogik. Sie will sich international auf Jobsuche begeben. Zudem gab es noch den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für Wagner Lucio Moreira, der in Brasilien Tanz studierte, mehrere Jahre zum Tanztheater Görlitz gehörte und seit 2011 Masterstudent im Fach Choreografie an der Palucca Hochschule ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.06.2012

Gabriele Gorgas

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