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Federico Albanese und Helmut Hattler kommen mit neuen Platten nach Dresden

Konzert Federico Albanese und Helmut Hattler kommen mit neuen Platten nach Dresden

Ferico Albanese und Helmut Hattler kommen am Freitag mit ihren neuen Alben in die Landeshauptstadt. Der eine in die Scheune, der andere in den Jazzclub Tonne.

Helmut Hattler

Quelle: PR

Dresden. Wieder so ein Abend, der nach einer Entscheidung ruft. Das musikalische Herz will an zwei Orten gleichzeitig sein, will nicht, dass man Federico Albanese links liegen lässt, um rechts bei Helmut Hattler einzuparken. Und umgekehrt? Gibt es eigentlich auch keine guten Gründe, nicht mal drei! Versuchen wir uns also an einem wertfreien Kompass. Über die Richtung der Nadel entscheidet die Tagesform.

Die Generationenfrage: Helmut Hattler wird im nächsten Jahr 65, Federico Albanese ist 33. Wer Vater „ist“, wer Sohn, wäre also schon mal geklärt. Hattlers präzise Zahl eingespielter Platten und Beteiligungen ist nur mit Mühe zu ermitteln und bewegt sich bei über 40, Albanese hat Anfang 2016 seine zweite CD unter eigenem Namen veröffentlicht. Auch hier gibt es also nur Klarheiten.

Die Stilfrage: Helmut Hattler ist in gleichem Maße Ur-Baden-Württemberger wie er Ur-Basser ist, verwachsen mit seinem Instrument. Dadurch hat er dem Bass Personalität gegeben, zählt zu den wenigen Musikern in Deutschland, die bei Nennung des Namens sofort mit ihrem „Werkzeug“ identifiziert werden. Hattlers erste Band war zugleich jene, mit der er noch immer – zumindest im Westen – erkannt wird: Kraan. In den Osten kam er erstmals in den Neunzigern mit dem Trompeter Joo Kraus und firmierte da schon längere Zeit unter Tab Two. Beide Projekte wurden immer wieder reanimiert, seit Jahren daheim ist Hattler aber bei sich und Stammgästen, die dann eine Band formen, die nur Hattler heißt. Was bei ihm in den Siebzigern mit Jazzrock begann, entwickelte sich mit der Zeit und den Stilen zu Fusionen reinsten Wassers. Völlig frei im Ansatz, war es zunächst Hip Hop, dann kamen immer deutlicher Acid Jazz, Soul und Funk hinzu, bis der Pop-Appeal sehr eigene Farben kreierte.

Auch Federico Albanese ist bekennender Instrumentalist. Pianist in erster Linie, aber auch Tüftler mit behutsamen Electronics, Feldgeräuschen, Bass, Gitarre, Glas. Sehr oft ist ihm nach Cello, dann muss Arthur Hornig ins Studio eilen. Der gebürtige Mailänder Albanese kommt von der Filmmusik und bewahrte sich die cineastische Komponente auch ohne Bilder. Dabei ist er zumeist allein beim Einspielen, Arrangieren und Produzieren. Kollegen wie Nils Frahm, Lambert, Hauschka, Carlos Cipa oder Max Richter weiß Albanese – und sei es nur gedanklich – in seiner Nähe.

Die neuen Platten: Hattlers CD heißt „Warhol Holidays“ (Bassball/Broken Silence) und sei ein „Kopfprodukt“, wie der Künstler sagt. Es meint, dass die Songs über Ideen entstanden sind, nicht über Basslinien oder Phrasen am Synthesizer. Für Hattler deutlich eine Umstellung im Vergleich zu früherer Zeit. Mit Oli Rubow (Drums), Torsten de Winkel (Gitarre) und Sängerin Fola Dada im Stamm sowie Gästen an Perkussions und Electronics entstanden zwölf Songs mit wieder unwiderstehlichem Knack: Fette, pumpende, singende oder fleddernde Bässe (ganz weit vorn) und Beats, schwarze Vocals, das alles im Mix kompatibel fürs Tanzparkett, egal ob in der Küche daheim oder auswärts im Club. Exzellent ist die berührende Ballade „Sand am Meer“, die auch ohne Text spricht.

Beim Bochumer Label Denovali hatte Federico Albaneses 2014er Debüt „The Houseboat And The Moon“ die Nummer 193. Mit dem Nachfolger „The Blue Hour“ eröffnete er ein neues Sublabel, das als Neue Meister unterm Dach von Berlin Classics haust und seit Januar 2016 weitere großartige Editionen herausgebracht hat In den DNN wird Neue Meister aus Anlass des November-Konzerts vom Dresdner Sven Helbig im Schlachthof ausführlich vorgestellt wird.

Federico Albaneses Platte ist ein Spiel zwischen Licht und Schatten, zwischen dem Vagen und Bestimmten, dem Sehen und Blindsein. Eine Reise. Mit Pausen, großem Ausschreiten, mit Bücken, Strecken, einem Streicheln, Sprüngen, kurzer Einkehr und Umkehr.

Die entscheidende Frage: Wie sagt Federico Albanese zu „The Blue Hour“? „Es ist eine Wahl, die im Geheimen, im Innern stattfindet. An einem Ort der Erholung, der Heilung, beschwichtigt vom warmen Schatten eines vorzeitlichen Baumes auf einem Hügel.“ Vielleicht wäre dies auch auf die Entscheidung zu übertragen, wohin die Füße den Zuhörer am Freitagabend tragen werden. Wo er landen wird, kann auch dieser Artikel nicht beantworten.

Vielleicht noch etwas Tröstliches zum Schluss: Hattler bleibt im Land, auch Albanese wohnt längst in Berlin. Sie waren schon in Dresden und werden wiederkommen! Vielleicht sind sie dann aber schon wieder auf anderen Wegen unterwegs ...

Federico Albanese, Freitag, 21 Uhr, Scheune, Hattler, Freitag, 21 Uhr, Jazzclub Tonne

Von Andreas Körner

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