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Feature-Ring im Dreivierteltakt: Die Strottern in Hellerau

Schwarzer Humor aus Schnitterland Feature-Ring im Dreivierteltakt: Die Strottern in Hellerau

Diese Jungs nun wieder! Diesmal Buben genannt. Buam also. Weil weanerisch. Das ist die Mundart von Österreichs Hauptstadt. Wien ist gleichzeitig Heimstatt von Siegmund Freud und dessen Couch. Brutstätte so ziemlich aller Komplexe mithin.

Dresden. Die Strottern stammen ebenfalls aus Wien, sind einst Vertreter der dortigen Unterwelt gewesen. Strottern ist ein Sammelbegriff für all jene, "die nach Verwertbarem suchen". Eine Gattung, der man nicht anheimfallen will. Es sei denn, man sticht heraus und sucht musikalisch verwertbare Kost. Die Strottern tun genau dies, sie strotten. Was wiederum so viel wie aussortierten heißt.

Als Duo Die Strottern wühlen Klemens Lendl und David Müller im sogenannten Wienerlied, einer einzigartigen Kunstform, die Hochzeiten im berühmten Kabarett Simpl feiern konnte, unter den Nazis freilich kaum gelitten war und heute überwiegend im Erinnern einstiger Blütezeiten lebt. Der Geiger und Sänger Klemens Lendl leistet überzeugend Abhilfe und hält das Wienerlied neuerlich am Leben, wobei ihn David Müller trefflich an der Gitarre und in Refrains begleitet.

Ein solches Gespann beim Feature-Ring auftreten zu lassen, das ist gewagt. Aber schließlich gab es da auch Rap und Hip-Hop, wurde arabisch, deutsch und englisch gesungen, warum also nicht weanerisch? Eine passende Note, um auch mal neues Publikum ins Hellerauer Festspielhaus zu spülen. Und jazziges Gespür zählt bei den vagabundierenden Strottern ohnehin zum guten Ton.

Allerdings gehört zur "normalen" Vorbereitung auf diese Konzertreihe ein wenig Notenmaterial. Nicht so bei den Strottern. Die schickten CDs, das Ring-Trio notierte daraufhin brav Akkorde und Melodien, um in gewiss spaßigen Proben diesen heiter beeindruckenden Dreivierteltakt-Abend vorzubereiten. Die Strottern haben den Gastgebern beinahe die Zügel aus den Händen gerissen, tauchten ein in Wiener Schmäh und herben Witz, führten vor, was sie unter Humanistengstanzl verstehen: sexistische Texte und politische Unkorrektheit. Sie griffen auf frühe Vorbilder wie Fritz Grünbaum zurück, ein Meister des Wienerlieds, der 1941 im KZ Dachau umkam. Schwarzer Humor aus Schnitterland.

VON ALDO LINDHORST

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