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Feature-Ring feiert seinen "70." mit Arve Henriksen in Hellerau

Feature-Ring feiert seinen "70." mit Arve Henriksen in Hellerau

Feierstunden in Klangwelten: Die Reihe Feature-Ring beging am Montagabend schon ihren "70."! Nicht in Jahreszahlen, versteht sich, sondern in der Summe ihrer Konzerte.

Dresden. Da hätte schon mal an die Anfänge im Studentenklub Aquarium erinnert werden können, an diverse Stationen durch die Dresdner Neustadt, bis das Ring-Trio mit seinen konzeptionellen Konzerten dann im Festspielhaus Hellerau angekommen ist, wo es nun längst eine feste Spielstatt mitsamt einem Stammpublikum hat. Im 70. Konzert haben sich die drei Jazzer einen Wunschtraum erfüllen und den norwegischen Musiker Arve Henriksen auf die Bühne holen können. Höhenflüge des Jazz, die Verschmelzung von bodenständiger Tradition und raumgreifender Moderne, Stimmen der Völker mit Afrika im Blick und dem Globus im Ohr. So klingen Landschaften! So hört sich Leidenschaft an!

Arve Henriksen, 1968 in Norwegen geboren, taucht musikalisch gern ein in die Schönheiten seiner Heimat. Er lässt sich inspirieren von Bergen, Fjorden und Weite, von Himmel und Wasser und Luft. Sehnsucht spielt darin ebenso mit wie die Verbundenheit mit starker Verwurzlung. Wenn von Vielfalt die Rede ist, hier wirkt sie opulent, fußt auf virtuosem Können im Umgang mit Trompeten, Elektronik und eigener Stimme. Stilsicher bewegt sich der Künstler durch mannigfaches Terrain, begeistert mit dem seichten Hauch ebenso wie mit Kaskaden technischen Anspruchs. Improvisationskunst mit Seele!

Natürlich sei er von den Schönheiten bei ihm zu Hause geprägt, verrät er. Diese einzigartige Welt aus Sanftheit und schroffer Natur fließt in seine Musik, in seine Haltung. Da teilt sich Respekt mit, ja Demut. Er speist seine Klangwelten zeitlich aus der Melange von Mittelalter und Moderne, geht räumlich weit über die Fjorde hinaus und beweist sich energiegeladen in asiatischer Stimmtechnik ebenso wie in fast einlullend schönem Gesang. So gelingen im Zusammenspiel mit dem Ring-Trio Brechungen von abgehobener Anmut über rockig-pompösem Volumen bis hin zu beinahe süßlicher Melodik.

Solch ein Konzert mit Einspielungen, Experimenten und Loops ohne Ende ist natürlich eine große Herausforderung für Technik-Freaks. Ob die Haustechniker an den Reglern, ob Simon Slowik an den Tasten des Bechstein-Flügels sowie an den elektronischen Tastaturen, ob Felix Otto Jacobi am E-Bass oder ob Demian Kappenstein am Schlagzeug - hier kam zusammen, was originär nicht zusammengehört, aber zu einem faszinierenden Hörerlebnis zusammenwächst. Mit Projektionen himmlischer und kosmischer Ansichten wurde auch dem Auge viel geboten. Ob dies einschließlich sehr konkreter Naturaufnahmen immer vonnöten war, mag jeder für sich entscheiden. Gewiss sollte es der Schritt zum Gesamtkunstwerk sein.

Arve Henriksen mit seinem Supersilent-Ensemble, 20 Uhr beim Nordwind Festival www.hellerau.org

VON ALDO LINDHORST

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