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Exzellente Kammermusik im Palais bei den Dresdner Musikfestspielen

Die Geburt eines neuen Klaviertrios? Exzellente Kammermusik im Palais bei den Dresdner Musikfestspielen

Beim Kammermusikabend im Palais im Großen Garten fanden sich zur den Dresdner Musikfestspielen drei Musiker zusammen, deren Herkunft aus Russland, Lateinamerika und Israel einen spannenden Abend versprach. Gespielt wurden ausschließlich Werke des 20. und 21. Jahrhunderts.

Der Geiger Philippe Quint bei einem Auftritt in Dresdens Palais im Großen Garten.
 

Quelle: Oliver Killig

Dresden. Schlicht mit den Nachnamen der Interpreten betitelt war das Musikfestspielkonzert am Pfingstdienstag im Palais im Großen Garten, und spätestens nach dem Konzert erschlossen sich Wirkung und Grund dieser Entscheidung, diesem Abend eben nicht ein mühsam gestricktes Motto aufzusetzen, denn „Quint - Bohórquez – Giltburg“ ehrt schlicht die drei exzellenten Künstler in ihrer Individualität, die sich hier zu einem Klaviertrio zusammenfanden.

Als Trio würden sie vermutlich unter dem Namen „El Mundo“ fungieren (wohnten wir Zuhörer etwa der Geburt eines neuen Ensembles bei?), denn nimmt man alle Nationen der Herkunft der drei Spieler zusammen, so kann man israelische, russische wie lateinamerikanische musikalische Gene feststellen. Mit ihren instrumentalen Fähigkeiten sind der Geiger Philippe Quint, der Cellist Claudio Bohórquez (der übrigens schon mit der Dresdner Philharmonie unter Rafael Frühbeck de Burgos Strauss’ Don Quixote auf CD bannte) und der Pianist Boris Giltburg schon lange solistisch in den Konzertsälen der Welt zu Hause – aber würden diese Temperamente in der Kammermusik zusammengehen?

Natürlich funktionierte das wunderbar, denn es steckt ja gerade im Wesen der Kammermusik, das eigene Temperament zum Gewinn des Ganzen einzubringen – nicht anders haben sich die spezifischen Klänge großer Ensembles über Jahre herausgebildet. Quint, Bohórquez und Giltburg hatten ein russisch-amerikanisches Programm mit Werken des 20. und 21. Jahrhunderts für ihr Dresdner Gastspiel ausgewählt, dabei war die 2. Violinsonate von Lera Auerbach noch das modernste Stück, wenngleich die in den USA lebende Komponistin in einem leicht verständlichen, manchmal aber auch leider kaum greifbaren Stil schreibt, der über eine kompositorische Reihung emotionaler Zustände, bezogen auf das Ereignis des 11. Septembers 2001, nicht hinausfand, vielleicht auch mit Recht merkwürdig „sprachlos“ wirkte. Dafür allerdings fanden Quint und Giltburg einen packenden Ton, der sich auch im zweiten Werk des Abends, der 1. Violinsonate f-Moll von Sergej Prokofjew fortsetzte. Allen drei Kompositionen des Konzerts wohnte ein ernster, oft schwermütiger Charakter inne, so dass ein lichter Kontrast ausblieb und nur gelegentliche Lichtblicke der Komponisten in den Werken selbst für eine Abwechslung sorgten. Dass darüber hinaus die drei Musiker vor allem das Drama in den komponierten Dramen suchten, war bei aller hervorragender Spielkunst ein kleines Manko des Kammermusikabends.

Die 2. Prokofjew-Sonate lebt von vielen zergrübelten Momenten, die Quint und Giltburg nahezu wissenschaftlich-intensiv beleuchteten. Viel Klangsensibilität war hier zu spüren, und ein gemeinsames Atmen für Puls und Spannung war ohnehin jederzeit vorhanden. Im Klaviertrio Opus 67 von Dmitri Schostakowitsch gesellte sich dann der Cellist Claudio Bohórquez hinzu. Nicht ganz konnte er mit den immer wieder dynamisch auffahrenden Spitzen des Stradivari-Instruments von Philippe Quint mithalten, und vor allem im letzten Satz war das gemeinsam gefundene Allegretto-Tempo immer wieder an der unteren Kante, dadurch fehlte dem Trio in der Gesamtheit ein wenig Leichtigkeit. Die Qualität der Aufführung bestand hier wie in den anderen beiden Werken in der konsequenten Ausformung von musikalischer Intensität in allen ihren Schattierungen samt einer hervorragenden Homogenität, die beim Publikum laute Bravos hervorrief.

Von Alexander Keuk

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