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Evangelische Kirche unter Sparzwang: Kunstdienst Dresden muss Ausstellungen aufgeben

Evangelische Kirche unter Sparzwang: Kunstdienst Dresden muss Ausstellungen aufgeben

Gemälde von Manfred Eckelt schmückten zuletzt eine Seitenkapelle der Dresdner Kreuzkirche. Jetzt ist dort eine Dokumentation von Friedensbibliothek und Antikriegsmuseum aus Berlin über Kriegsdienstverweigerung und Desertion zu sehen.

Im Foyer der Dreikönigskirche waren es gleich 17 sächsische Künstler, die ihre Bilder zum Thema "Sehnsucht nach dem Paradies" zeigten. Drei Beispiele für die rege Ausstellungstätigkeit des Kunstdienstes der evangelisch-lutherischen Landeskirche.

Doch damit dürfte Anfang des kommenden Jahres Schluss sein. "Ausstellungen zeitgenössischer Kunst wird es nicht mehr geben", sagt Leiter Dr. Frank Schmidt. So habe es die Kirchenleitung beschlossen.

Um die 20 Expositionen gestaltet der Kunstdienst jedes Jahr vor allem in den beiden Dresdner Kirchen und im Meißner Dom. Gelegentlich auch in Bautzen, Chemnitz oder Zittau. Dazu in Dienstgebäuden. Im Landeskirchenamt etwa hängen Horst Webers "Bilder zur Bibel".

Gelegenheiten für eine breitere kunstinteressierte Öffentlichkeit, die Landeskirche als kulturellen Akteur mit besonderer Note wahrzunehmen. Für 2014 allerdings seien keine weiteren Expositionen geplant, sagt Frank Schmidt. Zwar wolle er prüfen, ob vielleicht in Zusammenarbeit mit anderen kirchlichen Institutionen doch die eine oder andere Ausstellung zustande kommen könnte. "Doch wenn überhaupt, dann nur in sehr reduziertem Umfang", fügt er hinzu.

Der Kunstdienst ist auch für die Betreuung sakraler Gebrauchsgegenstände zuständig, berät Kirchgemeinden und kümmert sich um die Gestaltung von Siegeln. Diese Aufgaben muss Schmidt künftig mit nur noch einem Mitarbeiter, Steffen Krüger, bewältigen. Die dritte Mitarbeiterin, Angelika Busse, bei der alle Fäden für die Ausstellungen zusammenliefen, geht Ende Januar 2014 in den Ruhestand. Die Stelle wird nicht neu besetzt.

Als Grund nennt Oberlandeskirchenrat Jörg Teichmann beträchtliche Kürzungen. Als Dezernent der Landeskirche für Grundstücks- und Bauangelegenheiten ist er auch für den Kunstdienst zuständig. Wie alle Werke und Einrichtungen der Landeskirche müsse der Kunstdienst Ausgaben sparen, um ein schon jetzt absehbares Loch ("strukturelles Defizit") im landeskirchlichen Haushalt zu verhindern. 2013 kostet der Kunstdienst die Landeskirche rund 207 000 Euro. Bis 2020 soll er etwa 100 000 Euro einsparen. Mit drei Mitarbeitern unmöglich.

Die Ausstellungen aufzugeben, hält Angelika Busse, die seit 1999 in dieser Einrichtung arbeitet, für eine falsche Entscheidung. Die Landeskirche vergebe sich damit eine einmalige Chance. Zeitgenössische Kunst sei auch Ausdruck von Unaussprechlichem und Spiegel des Glaubens, meint sie. Nicht zu unterschätzen sei der missionarische Anteil bei Ausstellungen. Denn die Kirche öffne sich damit gerade für Kirchenferne und Menschen am Rande der Gemeinden. Die Vernissagen seien mittlerweile zum Treffpunkt einer "Kunstdienstgemeinde" von Künstlern und Interessierten geworden. Regelmäßig fänden sich dazu 80 oder mehr Interessierte ein.

Die Landeskirche selbst hat 2011 in einer Broschüre den Kunstdienst als ihren Beitrag zur Kultur in Deutschland gepriesen. Dessen "umfangreiche Ausstellungstätigkeit" sei "der Vermittlung christlicher und kultureller Anliegen verpflichtet".

Sächsische Künstler forderten mit einer Unterschriftenaktion die Fortführung der Ausstellungsarbeit. Initiiert hatte sie die in Radebeul lebende Künstlerin Ju Sobing, die vor allem für ihre Collagen und Installationen bekannt ist. Gerade die Ausstellungen zu religiösen Themen hält sie für eine einzigartige Möglichkeit: "Daran beteiligen sich auch Künstler, die nicht religiös sind, aber sich mit diesen Themen befassen. Dazu findet man anderswo kaum Ausstellungen." Und gerade in den Kirchen erreiche man mehr und andere Menschen, als jene, die Galerien besuchen. "Kirchen als Ausstellungsräume geben auch einen ganz anderen Hintergrund für Kunstbetrachtung", sagt sie. "Zudem ist der Kunstdienst keine kommerzielle Einrichtung, was ein weiterer Vorteil ist. Da werden Künstler gefördert, ohne dass sie Kosten haben. Diese Arbeit ist unschätzbar." Jürgen Schieferdecker, Vorsitzender des Dresdner Künstlerbundes, hatte am 10. April in einem Beitrag in den DNN gewarnt, mit der Ausstellungsarbeit des Kunstdienstes verschwinde "ein wichtiges Agens der Dresdner Kunstszene".

Die Vorgeschichte des sächsischen Kunstdienstes reicht zurück bis ins Jahr 1928. Zu einer Ausstellung mit Werken des Schriftkünstlers und Schöpfers sakraler Gebrauchsgegenstände Rudolf Koch (Offenbach) in Dresden, organisiert von einem Freundeskreis, drei Jahre später Verein, der sich "Kunst-Dienst" nannte. 1950 wurde der Kunstdienst in Radebeul neu gegründet, als Beratungseinrichtung der sächsischen Landeskirche für Gemeinden. Leiter war Christian Rietschel (1908-1997). In den 1960er Jahren organisierte Mitarbeiter Helmut Weisbach, von 1954 bis 1999 beim Kunstdienst angestellt und damit Vorgänger von Angelika Busse, die erste Weihnachtsausstellung in der Dresdner Kreuzkirche. Von 1999 an baute Angelika Busse die Zahl der Expositionen aus.

Die Verbindung, die sie mit dem Ort eingehen, pries auch die Landeskirche 2011 in ihrer Kulturbroschüre: "Die Ausstellungen in Kirchräumen haben eine besondere Bedeutung und eine eigene Atmosphäre, da es keine neutralen Galerieräume sind, sondern auch geistig 'gefüllte' Räume, zu denen zeitweise je besondere zeitgenössische Kunstwerke hinzutreten."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.08.2013

Tomas Gärtner

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