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Erich Heckels „Atelierszene“ angekauft

Berühmtes „Brücke“-Bild für Dresden Erich Heckels „Atelierszene“ angekauft

Den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ist jetzt mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Ostsächsischen Sparkasse Dresden sowie dem Freistaat Sachsen der Ankauf eines der Hauptwerke des Mitbegründers der „Brücke“, Erich Heckel (1883 – 1970), aus dessen Nachlass gelungen. Es handelt sich um das Gemälde „Atelierszene“ (1911). Das Gemälde ist sowohl typisch für den „Brücke-Stil“ und schließt damit eine Lücke im „Brücke“-Bestand des Albertinums, als auch aufs engste mit den Dresdner Jahren der „Brücke“-Künstler verbunden, zeigt es doch Kirchners Atelier in der Berliner Straße 80.

Erich Heckel

Quelle: dpa

Dresden. In der Dresdner „Brücke“-Ausstellung (2001/02) hatte man das Gemälde schon bewundern können. Seit 2009 dann war die „Atelierszene“ (1911) von Erich Heckel (1883-1970) als Leihgabe aus dem Nachlass Teil der Präsentation im Albertinum. Zwei Jahre waren ursprünglich veranschlagt für die Ankaufsaktion. Acht sind es geworden, bis es einem „Dream-Team“, so beim gestrigen Pressetermin die Formulierung von Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, gelang, die nötige Summe aufzubringen. Daran beteiligt waren institutionell und auch personell „alte Bekannte“, die den Dresdner Sammlungen schon verschiedentlich unter die Arme griffen: die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung im Verbund mit der Ostsächsischen Sparkasse sowie der Freistaat Sachsen.

Wenn sich die Vertreter der genannten Institutionen mit der Nennung von Summen auch weitgehend zurückhielten, so war zumindest zu hören, dass aus dem Hause Monika Grütters’ 250 000 Euro kamen, was auf einen respektablen Ankaufspreis schließen lässt, der gleichwohl – glücklicherweise – weit unter heutigen Auktionsergebnissen für „Brücke“-Werke liegen dürfte. Erleichtert wurde die Erwerbung nicht zuletzt durch die Geduld des den Nachlass betreuenden Hans Geissler, eines Großneffen Heckels.

Erich Heckel

Erich Heckel: Atelierszene, Öl auf Leinwand, 1910/11.

Quelle: © Nachlass Erich Heckel, Foto: Elke Estel/Hans-Peter Klut

Für Dresdens Albertinum ist die „Atelierszene“ von enormer Bedeutung. Zum einen markiert ihr Entstehungszeitraum die Hochphase des Gruppen-Wirkens der „Brücke“ und damit auch der unverkennbaren flächigen, durch schwarze Linien markierten, expressiven Malweise, die die Mitglieder für kurze Zeit stilistisch nahe zusammenführte, nicht zuletzt angeregt durch die im Völkerkundemuseum gegenwärtigen Objekte, etwa aus Ozeanien, die 1910 in einer großen Ausstellung im Zwinger präsentiert wurden, aber auch durch den von der „Brücke“ wieder belebten Holzschnitt. Diese Einflüsse sind in der „Atelierszene“ unverkennbar. Damit sticht das Heckel-Bild, das zugleich als eines der Hauptwerke des Künstlers gelten kann, aus dem vorhandenen Bestand heraus, markiert diese bedeutende, allerdings kurze Phase des Wirkens der „Brücke“. Zum anderen – und auch das macht die Bedeutung des Bildes aus – führt die „Atelierszene“ in den „Maschinenraum der ’Brücke’“, wie es Martin Hoernes, der Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung, beim Pressetermin ausdrückte. Denn Heckel hat hier Kirchners Atelier Berliner Straße 80 eingefangen, wo man sich öfter mit Modellen und Freundinnen traf. Es ist also im wahrsten Sinn des Wortes ein „Dresdner Bild“, dem heute Weltgeltung zukommt.

Diese war zu „Brücke“-Zeiten noch keineswegs sicher. Viele – das kommt auch einem Heutigen, bezogen auf anderes, durchaus bekannt vor – fanden die Bilder dazumal schlechthin gruselig. Nur wenige, darunter Mäzene und mancher Museumsmann, erkannten das Revolutionäre in dieser Malerei. Später dann wurde sie als „entartet“ und „undeutsch“ gebrandmarkt. Die Künstler selbst wiederum gingen da malerisch schon länger andere, ruhigere Wege.

Erich Heckel

Erich Heckel: Steine, Tempera auf Leinwand, 1939.

Quelle: Elke Estel/Hans-Peter Klut

Dies mag – und das muss zur „Atelierszene“ unbedingt noch gesagt werden – Heckel auch veranlasst haben, zu tun, was er öfters tat und für Künstler generell nicht ungewöhnlich ist: Er überstrich das Bild mit einer wasserlöslichen Farbe, wendete die Leinwand und stellte sie quer. Darauf malte er 1939 ansehenswerte „Steine“. Deren Qualität brachte sie als Leihgabe ins Schleswig-Holsteinische Landesmuseum Schloss Gottorf, wo man sich das Bild 1985/86 genauer ansah und entdeckte, dass da noch eins war, es schließlich freilegte. Ab da war – wer würde heute kein „Brücke“-Bild zeigen wollen – wieder die hochformatige „Atelierszene“ zu sehen. Und so wird es auch in Dresden weitgehend bleiben. Denn anders als bei Kirchners „Stehenden nackten Mädchen am Ofen“ (1908, verso 1922) ist Heckels Werk wegen der unterschiedlichen Formate nicht zugleich von beiden Seiten zu präsentieren.

Was unbedingt noch der Erwähnung bedarf: Auch das Kupferstich-Kabinett kann sich freuen. Denn anlässlich des Ankaufs gab es eine Heckel-Zeichnung geschenkt: „Drei Mädchen“ von 1910.

Von Lisa Werner-Art

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