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Ellen Andrea Wang eröffnet als Songbassistin norwegische Wochen in der Jazztonne

Hohe nordische Sphären Ellen Andrea Wang eröffnet als Songbassistin norwegische Wochen in der Jazztonne

Steffen Wilde ist schon lange auf der Spur vom Ellen Andrea Wang Trio. Die namensgebende Frontfrau ist eine norwegischen Sängerin und Komponistin, die zudem als Markenzeichen passabel Kontrabass zupft und mit zwei begnadeten Musikern an Piano und Schlagwerk an der Seite eine Klangwelt erzeugt, die man so noch nie hörte.

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Ellen Andrea Wang und ihr Bass: eine magische Verbindung.

Quelle: Matthias Creutziger

Dresden. Steffen Wilde ist schon lange auf der Spur vom Ellen Andrea Wang Trio. Die namensgebende Frontfrau ist eine norwegischen Sängerin und Komponistin, die zudem als Markenzeichen passabel Kontrabass zupft und mit zwei begnadeten Musikern an Piano und Schlagwerk an der Seite eine Klangwelt erzeugt, die man so noch nie hörte. Über zwei Jahre versuchte der Jazzclubchef der Tonne, sie zu buchen. Dass dies nun jetzt erst gelang, ist eine Art Glücksfall, denn das Freitagskonzert hätte in der alten Spielstätte, also unterm so genannten Kulturrathaus, aus dem der Klub vor einem Jahr in Dresdner Art vertrieben wurde, arg gelitten.

So war nun, eingebettet in die Tonnenrubrik „Nordic Sounds“, alles gut zu sehen – und auch die Verstärker konnten weiter aufgedreht werden.

Außerdem ist das Publikum wesentlich reifer (also auch solventer) und frönt dem sitzenden Kunstgenuss mit Wippknien und Wackelköpfen. Dabei startete
Wang, in Dresden mit Wallemähne und Blümchenkleid immer wieder verliebte Blicke auf ihren großen, dunklen Klangkörper werfend, eigentlich mit Violine und stieg erst mit 16 auf Bass um. Zudem spiegelt ihre Diskographie alles andere als eine stringente Musikbusinesskarriere wider, eher eine stete Entwicklung dank Experimenten in verschiedenen Besetzungen hin zu höheren Sphären der Qualität.

So hat die 29-Jährige frühe Veröffentlichungen mit dem Pastor Wang Quintet und SynKoke in ihrer Vita und ist zudem aktuell mit Pixel und den Sisters in Jazz verbandelt und Trägerin des renommierten Kongsberg Jazz Award. Mit Pixel hat sie schon drei Alben – jüngst gar „Golden Years“ – vorgelegt und wurde für „We are all small Pixels“ 2013 als „Young Nordic Jazz Comets“ geadelt.

Da gründete sie ihr eigenes Trio, deren erste und bislang einzige Veröffentlichung den ebenso symptomatischen Titel „Diving“ seit zwei Jahren den Touralltag bestimmt und nun in Dresden in zwei Mal knapp einstündigen Halbzeiten dargeboten ward. Es entsteht eine eigenwillige Mixtur aus simplen Lagerfeuermelodien, vermeintlich radiotauglichen Hymnen und auch echten Krachern, zu denen Wang zwar intensiv, aber nahezu beiläufig und gern in Textschleifen singt. Doch im Laufe der Songs ist man vor keiner Überraschung sicher, denn sie beruft sich auf John Coltrane wie Joni Mitchell als frühe Inspiratoren. Und sie verzerrt ihre Stimme, so wie bei „Holding on“ – so wird diese zum reinen Instrument. Steter Wandel hat System – und sie singt nicht nur von Jugend und Liebe, sondern auch von „Perfect Danger“, in die sie gerne abtaucht. Dabei greift Andreas Ulvo ausschweifend in die Tasten und wandelt in den Siebzigern, während Erland Dahlen, eingebettet in Glockenspiel, einen Rhythmus vorgibt, in dem jede Gefahr perfektioniert erscheint.

Das Ganze ist sauber arrangiert, harmonisch aufeinander abgestimmt wie dargeboten, ist nur manchmal zu gutgelaunt bis poppig. Es bleibt eine Anmutung guter, alter Jazzschule, die das verwöhnte Publikum nach mehr gelüstet. Doch das Repertoire des Trios ist noch begrenzt, so dass sich die perfekte Gefahr noch einmal wiederholt und sich nach der zweiten Zugabe sofort eine Traube um den Merchstand am Barausgang sammelt, wo es sympathischerweise nichts weiter als Musik gibt: die neue Scheibe in Silber oder Vinyl – von der Sängerin eigenhändig verkauft.

Die „Nordic Sounds“ treiben hinge-
gen bald neue Klangblüten: Nils Petter Molvaer gratuliert am 7. Oktober – und bringt mit seinem Quartett Drummer Erland Dahlen gleich wieder mit. Am
15. Oktober kommt mit Beady Belle die nächste norwegische Sirene – als magisch wandelbar zwischen samtiger Anmut
und druckvoller Dringlichkeit angekündigt.

Das trifft sicher auch auf Molvaers Vorband zu. Die nennt sich Mother Princess und hat am Mikro mit Inéz Schaefer eine junge alte Bekannte – sang sie doch als Studentin der Weber-Musikhochschule schon in der 53. sowie 63. bis 66. Vocal-Night (also 2011 und 2014) in der Jazztonne – allerdings drüben im ehemaligen Quartier.

Von Andreas Herrmann

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