Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Ein Silbermann-Cembalo harrt seiner Restaurierung

Das Dornröschen von Pillnitz Ein Silbermann-Cembalo harrt seiner Restaurierung

Über viele Jahrzehnte kannten nur Fachleute das einzigartige Cembalo, das im Depot des Pillnitzer Kunstgewerbemuseums „schlummerte“. Mittlerweile kann das noch immer unspielbare neben den wenigen anderen Musikinstrumenten aus dem Kreis der früheren Hofkapelle und des Dresdner Hofes in der Ausstellung gezeigt werden.

Aus Silbermanns Werkstatt: das Pillnitzer Cembalo.

Quelle: Hartmut Schütz

Pillnitz. Über viele Jahrzehnte kannten nur Fachleute das einzigartige Cembalo, das im Depot des Pillnitzer Kunstgewerbemuseums „schlummerte“. Mittlerweile kann das noch immer unspielbare, aber bemerkenswert erhaltene Instrument neben den wenigen anderen, aber nicht weniger wertvollen und interessanten Musikinstrumenten aus dem Kreis der früheren Hofkapelle und des Dresdner Hofes in der Ausstellung gezeigt werden – im selben Raum mit dem Cembalo und dem Orgelpositiv der Hofinstrumentenmacher Gräbner – da inzwischen die Eigentumsverhältnisse zugunsten des Freistaates Sachsen geklärt sind.

Im Ausstellungsraum des Bergpalais hat Torsten-Pieter Rösler, Museologe am Kunstgewerbemuseum, eine auffällig konstruierte Sammelbüchse aufstellen lassen, um der Finanzierung einer längst überfälligen Restaurierung des undatierten und unsignierten Cembalos Schwung zu verleihen. Mit ziemlicher Sicherheit steht heute fest, dass es der Werkstatt Gottfried Silbermanns entstammt und damit eine Rarität darstellt. Dass Silbermann und seine Mitarbeiter, zu denen zeitweise auch einige seiner Neffen gehörten, außer Orgeln viele andere Tasteninstrumente bauten, bezeugten 1723 die Musiker der Hofkapelle um Konzertmeister Pisendel in ihrer Empfehlung an den Kurfürsten, dem Freiberger Meister den Titel als „Königlich Pohlnischer und Churfürstlich Sächsischer Hoff- und Landorgelbauer“ zu verleihen. Seine Cembali exportierte Silbermann zu dieser Zeit bis nach England.

In Deutschland sind neben Gottfried Silbermanns Orgeln in Sachsen „nur“ die beiden Hammerflügel in Potsdam und Nürnberg bekannt, von den übrigen Tasteninstrumenten fehlte jede Spur. Das Pillnitzer Cembalo, das durch eine atemberaubend schöne und solide Verarbeitung besticht, galt lange als anonym, bis der Straßburger Instrumentenkundler Philippe Fritsch auffallende Ähnlichkeiten zu einem den Silbermanns zuzurechnenden Instrument in Lourdes feststellte. In den 1990er Jahren konnte der Cembalobauer Martin-Christian Schmidt (1946-2000) die Vermutung einer Urheberschaft der Werkstatt Silbermanns anhand zahlreicher Details verdichten. Es wäre ja auch nur logisch, dass der Dresdner Hof wenigstens eins dieser Instrumente seines berühmten Hoforgelbauers besaß.

Höchst interessant in diesem Zusammenhang ist die Beschreibung eines Silbermannschen Cembalos, das vermutlich aus dem Nachlass des Bach-Schülers und Organisten Johann Schneider im Januar 1788 in einem Leipziger Auktionskatalog angeboten wurde. Der Text erinnert – außer beim minimal kleineren Klaviaturumfang – unmittelbar an das Pillnitzer Instrument. Die Anmerkung, es habe „einen ausserordentlich starken, und doch sehr feinen und silbernen Klang“ lässt ahnen, welches musikalische Vergnügen in Pillnitz möglich wäre, wenn das dortige Silbermann-Instrument restauriert und wieder in einen spielbaren Zustand versetzt werden könnte. Die wenigen Töne, die sich derzeit zum Klingen bringen lassen, geben eine Idee davon. Mit diesem Cembalo würde ein Instrument zur Verfügung stehen, das die Vorstellung von der Klangwelt im barocken Dresden in ein neues Licht zu rücken vermag.

Spendenkonto:
Empfänger: Freundeskreis Kunstgewerbemuseum Dresden e.V.
IBAN: DE17 8505 0300 3200 0100 10
Verwendungszweck: Silbermann-Cembalo

Von Hartmut Schütz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr