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Dresdner Stadtmuseum zeigt Geschichte des Kulturpalastes

Baugeschichte Dresdner Stadtmuseum zeigt Geschichte des Kulturpalastes

Bald öffnet der sanierte Kulturpalast wieder seine Türen. Eine Ausstellung im Stadtmuseum beleuchtet jetzt die Geschichte des Hauses samt der Diskussion um seine Entstehung. Zu sehen sind unter anderem nicht realisierte Entwürfe, die das Stadtbild umfassend verändert hätten.

Claudia Quiring, Kuratorin der Ausstellung „Der Kulturpalast Dresden. Architektur als Auftrag“

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Wenn in wenigen Tagen der sanierte Kulturpalast in seiner Dreierfunktion als Konzertsaal, Bibliothek und Kabarettbühne öffnet, schlägt er ein völlig neues Kapitel in seiner fast 50-jährigen Geschichte auf. Die begann mit vielen Diskussionen rund um „sozialistisches Bauen“ schon lange vor der Eröffnung des „Kulti“ zum 20. Jahrestag der DDR im Oktober 1969.

Und sie wird auch nach den ersten Konzerten der Philharmonie im neuen Saal und anderen Bewährungsproben ebenso wenig zu Ende sein, wie die Dispute um Akustik, Nutzbarkeit des Hauses, architektonische Lösungen und Kosten. Der Kulturpalast ist nicht nur ein wichtiges Architekturzeugnis der Stadt, er ist auch ein besonderer Ort, an dem sich Dresdner Stadtgeschichte spiegelt – im Bauwerk selbst und im Bewusstsein der Bürger. Das betont Claudia Quiring, Kuratorin der Ausstellung „Der Kulturpalast Dresden. Architektur als Auftrag“, die am Freitag im Stadtmuseum eröffnet wird.

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Wenn in wenigen Tagen der sanierte Kulturpalast in seiner Dreierfunktion als Konzertsaal, Bibliothek und Kabarettbühne öffnet, schlägt er ein völlig neues Kapitel in seiner fast 50-jährigen Geschichte auf. Die begann mit vielen Diskussionen rund um „sozialistisches Bauen“ schon lange vor der Eröffnung des „Kulti“ zum 20. Jahrestag der DDR im Oktober 1969.

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Kein Dresdner, der zu DDR-Zeiten nicht irgendwann mal seine Kulturpalast-Erlebnisse hatte. In dem zentral gelegenen Haus, das von Klassik, Schlager, Dixieland, über Kinder- und Frauentagsveranstaltungen bis zu politischen Demonstrationen und Erotik (auch das gab es in der Studiobühne) ein breites Programm bot. Auch die Autorin erinnert sich gern an internationale Gastspiele (auf die man sich im „Tal der Ahnungslosen“ besonders stürzte) oder Tanzfestivals im durch sein Kipp-Parkett multifunktionalen Saal. Dieser inhaltlichen Seite trägt die Ausstellung in einer Abteilung Rechnung. Aber es gibt so viel mehr etwa zur Baugeschichte, zur Kunst am Bau oder zur Entwicklung nach 1989 zu sagen. In sieben weiteren Abteilungen versucht die Schau den Rundumschlag und liefert zugleich architekturhistorische Zusammenhänge.

Es ist längst an der Zeit für einen solchen Abriss. War der Dresdner Kulturpalast doch der erste Kulturhaus-Neubau der DDR und Vorbild unter anderem für den Palast der Republik in Berlin. Er gilt als wichtigster und zugleich umstrittenster Bau der Dresdner Nachkriegsmoderne. Seiner heutigen äußeren Gestalt ging ein zähes Ringen um das neue Dresden bzw. um gewaltige Türme – wie sie Walter Ulbricht als Stadtdominante forderte – voraus. Modernes sozialistisches Bauen (was immer das sein sollte) war kostengünstig mit Tradition zu verbinden und musste immer aufs Neue von „ganz oben“ abgesegnet werden. Einige Modelle und Entwurfszeichnungen aus dieser Zeit zeigen, was uns erspart geblieben ist. Aber es gab auch schon eine kühne Kopplung von Kulturpalast, angeschlossenem Panoramakino sowie einem separaten Konzertsaal dahinter. Scheußlichkeiten wie barockisierende Türmchen oder Riesenturm mit Hammer und Sichel wurden nach der Wende abgelöst durch den Plan eines Shopping-Centers mit integriertem Konzerthaus. Auch der Entwurf blieb uns erspart. Die Ausstellung nennt Entwicklungen, greift aber nie meinungsbildend in die Debatten ein.

Gesiegt hatte bekanntlich der Entwurf von Leopold Wiel, ein Flachbau mit abgeflachter Kuppel. Ausgeführt wurde er von Wolfgang Hänsch, der wegen gestrichener Mittel die geplante Außentribüne wegfallen und den Dachaufbau verändern musste (aus der Kuppel wurde die den Saal symbolisierende kupferne „Backform“). Inzwischen ist auch der Saal Geschichte. Aber dem Abriss konnte das Gebäude trotzen. Heute steht es unter Denkmalschutz zusammen mit dem von vielen ungeliebten Wandbild „Der Weg der roten Fahne“. Es gehört zu Dresdens Geschichte wie weitere Gebäude der Nachkriegsmoderne im Umfeld, die erhalten blieben. Sie können in einem Rundgang erkundet werden.

Neben Dresdner Museen haben noch 23 Institutionen und sieben private Leihgeber rund 260 Ausstellungsobjekte zur Verfügung gestellt. Darunter sind einstige künstlerische Ausstattungen, Gemälde, Kostüme, Plakate. In Ausschnitten läuft der Film „Was bleibt? Nachkriegsmoderne in Dresden“. Eine gute Informationsquelle zur „Nachbehandlung“ liefern acht Plakate mit Lesestoff auf der Rückseite. Sie sind kostenlos erhältlich.

Service

Sonderausstellung 2. OG Stadtmuseum: Eröffnung: Freitag 19 Uhr, mit Kurzvortrag „Das Kulturhaus in der DDR“ des Architekturwissenschaftlers Bruno Flierl
Geöffnet: Bis 17. September, Die. bis So. 10 bis 18 Uhr, Frei. 10 bis 19 Uhr
Eintritt: fünf Euro, ermäßigt vier Euro (zum „Tag der Architektur“ am 24./25. Juni freier Eintritt)
Veranstaltungen: 10. Mai, 19 Uhr, Zeitzeugengespräch; 1. Juni, 18 Uhr, Vortrag „Umstritten und geliebt – Der Dresdner Kulturpalast“
Weitere Veranstaltungen sowie Führungen und Rundgänge unter: www.stadtmuseum-dresden.de

Von Genia Bleier

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