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Dresdner Publikum von Theaterstück mit Pegida-Kontext begeistert

Graf Öderland Dresdner Publikum von Theaterstück mit Pegida-Kontext begeistert

Max Frischs „Graf Öderland“ erzählt von einer Revolte in der Gesellschaft und der Sehnsucht nach einem Erlöser. In Dresden gerät das Stück zu einer Auseinandersetzung mit der Pegida-Bewegung.

An diesem Samstag hatte das Stück „Graf Öderland“ von Max Frisch in Regie von Volker Lösch Premiere.

Quelle: Matthias Horn/Staatsschauspiel Dresden

Dresden. Theater um Pegida: Das Dresdner Staatsschauspiel hat einen beklemmenden Text des Schweizer Dichters Max Frisch (1911- 1991) auf die aktuelle Lage in der Stadt gemünzt und damit den Nerv des Publikums getroffen. Zur Premiere von „Graf Öderland“ in Regie von Volker Lösch gab es am Samstag viel Beifall und sogar Standing Ovations. Viele Zuschauer erhoben sich am Ende von den Plätzen und legten damit auf ihre Art ein Bekenntnis ab, auf welcher Seite sie im Konflikt mit der islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung stehen. Die selbsternannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ hatten sich vor gut einem Jahr in Dresden gegründet. 

Lösch versah den Titel des Schauspiels mit dem Zusatz „Wir sind das Volk“ und ergänzte den Text um Pegida-Aussagen und persönliche Bekenntnisse seiner Schauspieler. Wie zur Wende 1989 in der DDR traten einzelne Akteure aus ihren Rollen heraus und wandten sich direkt an das Publikum. Dafür gab es Szenenapplaus und in einem Fall sogar Bravo-Rufe. 

„Die Idee ist im Sommer nach den Ereignissen in Freital entstanden. Ursprünglich hatten wir Frisch nur mit Pegida-Texten kombinieren wollen. Dann war uns klar, dass da mindestens eine Dimension fehlt - die Meinungen der Mitspielerinnen und Mitspieler“, berichtete Lösch: „Wir haben die Schauspieler gefragt: Was macht das eigentlich mit Euch, und was kann man konkret tun?“ Freital war in den vergangenen Monaten wiederholt ein Brennpunkt fremdenfeindlicher Proteste bis hin zu Anschlägen. 

Wie bei anderen seiner Dresdner Inszenierungen baute Lösch einen Chor aus Bürgern ein. Auf Pegida will er das Stück allerdings nicht reduziert wissen. „Öderland ist nicht das obere Elbtal, sondern unsere Gesellschaft, die Unzufriedenheit mit dem Leben, das einen nicht so frei sein lässt, wie man gerne möchte“, sagte er vorab. 

Während der Arbeit hatte Lösch selbst eine Pegida-Kundgebung besucht und sich Eindrücke von der Stimmung in Dresden verschafft. „Mehr realer Alptraum als zur zurzeit in Dresden geht nicht“, fasste er später seine Impressionen zusammen. Kritische Reaktionen zum Stück erwartet er vor allem bei den nächsten Vorstellungen - dann, wenn nicht Premierengäste, sondern vielleicht die ganze Bandbreite des Volkes im Saal sitzt.

dpa

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"Pegida ist keine Naturkatastrophe, die man hinnehmen muss"

Regisseur Volker Lösch inszeniert am Dresdner Staatsschauspiel "Graf Öderland" mit Texten von Pegida-Kundgebungen. Im DNN-Gespräch berichtet er über die Arbeit am Stück, seine Erfahrung mit Rassismus in Dresden und die Rolle der CDU.

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