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Dresdner Musikfestspiele: Was ihr wollt - Musik (fast) ohne Ende

Dresdner Musikfestspiele: Was ihr wollt - Musik (fast) ohne Ende

Ein ganzer Frühlingsnachmittag für die Musik! Im derzeit nicht eben mageren Klangangebot dieser Stadt ging die Offerte "All you can hear" beinahe unter. Dabei richten sich die Musikfestspiele just mit einem solchen Programm direkt an künftiges Publikum, an den Besuch ganz in Familie.

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Dirigent Kristjan Järvi mit dem Baltic Youth Philharmonic in der Neuen Messe.

Quelle: Oliver Killig

Es sollte vor allem dem jüngsten Nachwuchs leichtgemacht werden, mit Musik, Musikanten und Musikinstrumenten in Berührung zu kommen. Schwellenängste abbauen heißt die Lade dafür.

Wille und Ziel waren honorig, der künstlerische Anspruch entsprach dem des gesamten Festivals (keine Schmalkost für die Jüngsten, ganz im Gegenteil!), nur der Ort des Geschehens schien denkbar ungeeignet zu sein. Die Sterilität der Messe wirkte als Fremdkörper und nicht als passende Hülle für Bach, Beethoven und Brahms. Die Messe sollte laut Veranstalter "in ein Festspielhaus (-) für große und kleine Ohren" verwandelt werden - vor den Toren der Stadt steht bekanntlich ein Festspielhaus, gewiss wäre das der geeignetere Ort für "All you can hear".

So aber füllte sich die schummrige Halle nur spärlich, hatten die Kleinsten zwar einigen Spaß am MDR-Stand mit dem auf die Zielgruppe zugeschnittenen pädagogisch-künstlerischen "Clara"-Projekt, herrschte zu den Konzerten aber eher die Atmosphäre öffentlicher Proben. Was überhaupt nicht an der Qualität des Gebotenen lag! Denn unter der Leitung von Kristjan Järvi musizierten Baltic Youth Philharmonic sowie MDR Sinfonieorchester sowohl einzeln als auch gemeinsam auf höchstem Niveau. Als Chef beider Klangkörper weiß der mit Eleganz und Prägnanz dirigierende Este die Vorzüge von Jugend- und Profiorchester bestens zu stimulieren. Bachs Orchestersuite klang in der Mahler-Bearbeitung so opulent wie Beethovens Siebte vital und modern. Zwei Ungarische Tänze von Brahms wirkten so frisch wie dessen von Schönberg orchestriertes g-Moll-Klavierquartett luzide. Im Zentrum des fast fünfstündigen Nachmittags war mit Korngolds D-Dur-Violinkonzert eine Perle platziert, deren Solopart von Vadim Gluzman atemberaubend schön interpretiert wurde. So brillante Klangpräsenz und unanfechtbare Virtuosität wirkten in diesen Hallen wie verschenkt. Perlen für die Kinder - das zeugt freilich davon, wie ernstgenommen dieses Publikum wird.

Etwas unglücklich waren die Konzertpausen terminiert. Da war dann gar nichts zu hören, verliefen sich die Gäste zwischen Kaffeestand und Bratwurstbude, während es sonst auch Überlagerungen gab. Wer sich da für die Kammermusik im Festsaal der Börse entschied, hat gut gewählt. Denn sowohl im Jugendorchester als auch beim MDR-Klangkörper sind exzellente Solisten vereint, die hier mit spanischem Fandango, brasilianischem Tanz, hebräischer Schwermut, ungarischen Pfeffer und "türkischer" Mozart-Verfremdung ungemein inspirierend aufgespielt haben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.05.2012

Michael Ernst

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