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Dresdner Museen mit acht Prozent mehr Besuchern 2016

Besucherplus Dresdner Museen mit acht Prozent mehr Besuchern 2016

Die Dresdner Museen haben eine Bilanz für das vergangene Jahr gezogen. Insgesamt acht Prozent mehr Besucher konnte man verzeichnen, vor allem die Technischen Sammlungen verbuchten einen deutlichen Anstieg. Dort soll in diesem Jahr unter anderem die Ausstellung „Architekten des Wissens“ wieder für regen Zuspruch sorgen.

„Architektur als Auftrag“ ist der Titel einer Ausstellung im Stadtmuseum zum Kulturpalast, hier im September 1988.

Quelle: Stadtplanungsamt

Dresden. Im Stummfilm „Der Kameramann“ von 1928, in dem Buster Keaton einen kameratechnisch völlig unerfahrenen Reporter spielt, ist eine Kurbelkamera mit ihrem Holzgehäuse noch das Maß alller Dinge – ein paar Jahre später war sie technisch überholt. „Schuld“ daran war Emanuel Goldberg (1881-1970). Der hatte in Leipzig und Berlin die Grundlagen der Fotografie erforscht und dann in Dresden neuartige Kameras und Apparate für das Wissensmanagement der Zukunft entwickelt. Und er erfand die Kinamo, eine Kamera, die die Filmtechnik revolutionierte. Die Kinamo verfügte über einen Federmotor – Stativ und Kurbel waren damit überflüssig geworden; es drohte auch nicht mehr die Gefahr, dass es zu gelegentlichem Ruckeln im Film kam, weil der Kameramann die Handkurbel nicht mit exakt gleichmäßiger Geschwindigkeit gedreht hatte.

Aber als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht gelangten, wurde Goldberg kurzfristig inhaftiert, dann in die Emigration getrieben. Nach einer Zwischenstation in Paris ging er nach Palästina, wo er in Tel Aviv ein Technologie-Unternehmen gründete. An diesen „Architekten des Wissens“ soll eine Ausstellung in den Technischen Sammlungen erinnern, die ab dem 11. März Leben und Werk Goldbergs ins Gedächtnis rückt.

Die Schau ist eine von vier Ausstellungen, mit denen die Technischen Sammlungen auch in diesem Jahr wieder auf regen Zuspruch hoffen. Denn im vergangenen Jahr lief es prächtig – jedenfalls was die Besucherzahlen angeht. Zählte man im Jahr 2015 exakt 85 879 Besucher, so waren es 2016 sogar 104 796, einen Zuwachs von 22 Prozent, wie Roland Schwarz gestern vermelden konnte, der Direktor der Technischen Sammlungen. Woran das liegen könnte? Für Schwarz sind es die Früchte eines langfristigen Aufbauprozesses, die nun geerntet werden. Man biete Sonderausstellungen an, die thematisch attraktiv und oft auch interaktiv seien.

Noch einen Tick besser – wenn auch auf niedrigerem Niveau – lief es für das Kraszewski-Museum. Die nackten Zahlen lauten: 4917 Besucher 2016, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent. Breslau als Kulturhauptstadt Europas stand in vielen Ausstelllungen im Fokus – und es kamen viele Leute mit Breslauer Wurzeln. „Wir wussten gar nicht, dass so viele alte Breslauer in Dresden gelandet sind“, meinte Erika Eschebach, die Direktorin des Stadtmuseums.

Es gibt auch Häuser der Museen der Stadt Dresden (MSD), in denen es nicht ganz so gut lief, in denen wie in der Städtischen Galerie oder im Carl-Maria-von Weber-Museum keine Zuwächse, sondern leichte Rückgänge zu verzeichnen sind, aber summa summarum kann sich Gisbert Porstmann, der Direktor der MSD, über 190 104 Gäste und damit eine Steigerung von acht Prozent bei den Besucherzahlen freuen. „Damit schwimmen wir gegen den Trend“, freut sich Porstmann, der weiß, dass andere Kulturinstitutionen massive Einbrüche bei den Besucherzahlen vermelden müssen. Zur Erinnerung: Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden verzeichneten ein Minus von fast neun Prozent, das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz von gut 20 Prozent, das Museum der bildenden Künste Leipzig fast 25 Prozent. Porstmann räumt ein, dass man das so nicht erwartet habe und lobte explizit den Ideenreichtum der Mitarbeiter. Womöglich auch ein Grund: der, so Porstmann, „unerschütterliche Glauben, dass Museumsarbeit in die Mitte der Bürgergesellschaft gehört und kein Freizeitvergnügen von Minderheiten ist“. Nicht ganz so erfreulich: Das Budget für die Museen ist genauso hoch wie im Vorjahr – bei gestiegenen Kosten. Vom Haushalt her arbeitet man laut Porstmann in „ruhigem Fahrwasser“, aber für die inhaltliche Arbeit, sprich Ausstellungen, hat etwa das Stadtmuseum halt doch gerade mal 260 000 Euro zur Verfügung.

Zum kommunalen Museumsverbund gehören nun auch das Kunsthaus und das Leonhardi-Museum. Im Kunsthaus wird u.a. eine Auswahl von Werken aus der Privatsammlung des Dresdner Rechtsanwalts Stefan Heinemann gezeigt, den Ausstellungsreigen im Leonhardi-Museum eröffnet eine Schau mit Werken von Thomas Matauschek, der über Jahre hinweg immer wieder einen unscheinbaren Gartenteich malte: in den unterschiedlichen Jahreszeiten, mit unterschiedlichen Stimmungen, in unterschiedlichen Graden der Abstraktion.

Die erste Sonderausstellung im Stadtmuseum beschäftigt sich ab 22. April mit dem Kulturpalast. Es geht laut Eschebach um die Vorgeschichte des Baus, die langjährige Nutzung, aber auch um den aktuellen Umbau. Ab Ende Juni wird die Stadt Dresden im Spiegel der Ansichtskarte in den Blick genommen, der Titel der traditionellen Weihnachtsausstellung lautet „Mit Teddy durchs Dresdner Spielzeugland“. Es werden Antworten auf Fragen gegeben wie: Wo kauften die Dresdner einst ihr Spielzeug? Welches Spielzeug wurde in der Landeshauptstadt hergestellt?

Die Städtische Galerie widmet Otto Griebel bereits ab 4. Februar eine große Retrospektive, wobei laut Porstmann der Versuch unternommen wird, das Schaffen Griebels als Ganzes zu rekonstruieren. Auch wenn der Großteil des malerischen Œuvres des Künstlers 1945 zerstört wurde, so konnte man versprengte Teile zusammentragen und eine opulente Auswahl von mehr als 100 Werken aus der Zeit von 1914 bis 1971 zusammenstellen. Eine Leihgabe kommt sogar aus dem Puschkin-Museum in Moskau. In einer anderen Ausstellung (ab 7. Oktober) wird Martin Mannig, dem Porstmann ein „eigenwilliges Werk“ bescheinigt, gewürdigt. Mannig malt und zeichnet figürlich. In seinem Bilderkosmos finden Comic- und (japanische) Manga-Figuren, Elemente aus Horror- und Actionfilmen sowie Versatzstücke aus Märchen und Volkskunst (gern auch solche aus dem Erzgebirge) zueinander.

An Baumaßnahmen ist nicht viel zu vermelden. Im Kügelgenhaus bekommt der Raum zur Romantischen Musik in diesem Jahr ein neues Gesicht. Das Kunsthaus Dresden wird ab 3. Dezember umgebaut: dringend erforderliche Brandschutzmaßnahmen.

Da sich Museen als Begegnungsort verstehen, versucht man auch seitens der Museen der Stadt Dresden, etwas für die Flüchtlinge zu tun. So will man Familien und insbesondere Kindern immer am Donnerstag eine Auszeit vom Flüchtlingsalltag bieten. „Per Tandem durchs Museum“ ist der Titel eines Angebots, bei dem Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund sich gemeinsam mit der ständigen Ausstellung im Stadtmuseum auseinandersetzen können.

www.museen-dresden.de

Von Christian Ruf

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