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Dresdner Autor Michael Bittner debattiert im Internet mit Pegida-Anhängern

Pro und Contra Dresdner Autor Michael Bittner debattiert im Internet mit Pegida-Anhängern

Michael Bittner versucht, sich von den Vorstellungen der Pegida-Anhänger ein eigenes Bild zu machen. Das ist kein leichtes Unterfangen. Trotz vieler harter Töne weiß er: Ohne Dialog wird das alles nichts.

Michael Bittner

Quelle: Amac Garbe

Dresden.  Viele schütteln schon den Kopf über Michael Bittner. Dass er sich die Zeit nimmt. Diese E-Mails von Pegida-Demonstranten nicht einfach in den Papierkorb schiebt. Doch der 35-jährige Autor, Mitbegründer der Lesebühne Sax Royal, der nach zehn Jahren Dresden mittlerweile in Berlin lebt, antwortet unverdrossen – auf Substantielles. Pöbeleien löscht er sofort. Verbalen Schmutz im Internet vorzuzeigen, hält er für unsinnig.

Aber das Andere liest er ernsthaft. Etwa, wenn ihm Pegida-Anhänger vorwerfen, er putsche Gegendemonstranten zum Flaschenwerfen auf, verunglimpfe einfache Menschen mit berechtigten Sorgen, unterscheide nicht zwischen echten Flüchtlingen und Betrügern, ignoriere die Unterdrückung der Frauen im Islam, sehe nicht, dass alle Dresdner die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin als falsch ablehnten.

Dann analysiert er das; mahnt einen, der lateinische Sätze einflicht, nicht mit Bildung zu protzen; zeigt, dass Rassismus auch in intelligenten Äußerungen daherkommen kann; pult aus dem Wortschwall unterdrückte sexuelle Phantasien, die einer auf die arabischen Machos projiziert, macht auf die Verwechslung von Ethnie und Religion aufmerksam; grenzt sich aber auch von Gegendemonstranten ab, die allen Montagsspaziergängern das Etikett „Nazis“ anpappen.

Eine Auswahl der empörten Mails und seiner Entgegnungen darauf hat er jetzt in der großen, unbedingt sehenswerten Ausstellung „Gestatten, Kästner“ in der Motorenhalle des riesa efau vorgetragen, gemeinsam mit seinem Lesebühnen-Kollegen Max Rademann, der die Rolle der „Wutbürger“ übernahm. Sie haben sich nicht lustig gemacht, was leicht, aber ein billiger Triumph gewesen wäre. Bittner lehnt ab, es sich allzu einfach zu machen. Etwa, nur auf die Facebook-Einträge von Lutz Bachmann zu schauen oder auf die krassen Tiraden von Tatjana Festerling und zu schlussfolgern: So sind die alle. Er unterscheidet. „Das Volk“ gibt es für ihn nicht, wie er schreibt, „nur Individuen mit verschiedenen Interessen.“ Offen über Kriminelle reden – ja. Ganze Menschengruppen als verbrecherisch zu bezeichnen – nein.

Er hat von Demonstranten gehört, welche die Reden ebenfalls unerträglich finden, aber keine andere Möglichkeit für ihren Protest sehen. Ihnen gibt er zu bedenken, dass dies keine Ausrede sein könne, wenn man den Fragwürdigen hinterherlaufe. Denn längst würden die Probleme in Sachen Flüchtlinge in Parlamenten, in Zeitungen, Radio, Fernsehen diskutiert, keineswegs einseitig. „Gegen anständige Menschen mit konservativen Ansichten habe ich nichts“, hat er einmal geschrieben. Wohl aber gegen Extremismen, gleich ob islamistisch oder deutschnational.

Mit Skepsis gegen jegliche Religion – wie berechtigt oder unberechtigt auch immer – tritt Bittner in die großen Fußstapfen der alten Aufklärer und Streitschriften-Verfasser. Eine vom Aussterben bedrohte Art. Gespräche hält er für die einzige Alternative zur Gewalt. Doch sein Ziel ist keineswegs, Gräben zuzuschütten. „Wir haben unsere gegensätzlichen Positionen im Dialog deutlich gemacht“, schließt er einmal, „wenn auch nicht ausgleichen können.“

Seine Sätze erfrischen den Geist. Sein intelligenter Humor schlägt winzige, aber helle Fünkchen in der Düsternis unseres permanenten Aneinander-vorbei-Redens. Er hält an der Hoffnung fest auf seltene Momente: Wenn er einen dazu bringt, manche Dinge etwas anders zu sehen. „Das“, sagt er, „ist wenigstens ein Lichtblick in dieser ganzen frustrierenden Situation.“

Internet: michaelbitter.info

Von Tomas Gärtner

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