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Dresdner Architekt und Zeichner Eberhard Pfau

Interview zum 75. Geburtstag Dresdner Architekt und Zeichner Eberhard Pfau

Der in Weimar geborene, in Dresden lebende und arbeitende Architekt und Zeichner Eberhard Pfau wird heute 75 alt. Für die Sanierung und Erweiterung des Ev. Kreuzgymnasiums in Dresden erhielt er den Sächsischen Staatspreis für Baukultur. Manfred Zumpe sprach aus diesem Anlass mit ihm.

Für die Sanierung und Erweiterung des Ev. Kreuzgymnasiums in Dresden erhielt Eberhard Pfau den Sächsischen Staatspreis für Baukultur.

Quelle: privat

Dresden. Der in Weimar geborene, in Dresden lebende und arbeitende Architekt und Zeichner Eberhard Pfau wird heute 75 alt. Für die Sanierung und Erweiterung des Ev. Kreuzgymnasiums in Dresden erhielt er den Sächsischen Staatspreis für Baukultur. Manfred Zumpe sprach aus diesem Anlass mit ihm.

Frage: Sie feiern Ihren 75. Geburtstag, ein Alter, in dem andere sich lange schon im Ruhestand befinden. Haben Sie schon einmal ans Aufhören gedacht?

Eberhard Pfau: Man muss sich schon manchmal rechtfertigen, wenn man noch etwas länger im Arbeitsleben bleiben will. Ja, mir macht meine Architektenarbeit immer noch Spaß, ich suche jedoch langsam einen Nachfolger (bitte melden). Es ist Spannung und Entspannung. Die Mitwirkung in der Gesellschaft. Der Gewinn eines Wettbewerbs. Arbeitsgemeinschaften mit jüngeren Kollegen. Und das Finanzamt freut sich über Steuerabgaben.

Was war Ihre allererste Bauaufgabe?

Die erste gab es mitten im Studium: Drei Studienfreunde und ich gewannen im 7. Semester, 1966, einen studentischen Wettbewerb „Studentenclub Bärenzwinger“. In meiner Studenten-Souterrainbude haben wir Vier zwei Semester lang den Bärenzwinger gezeichnet, detailliert und gemeinsam mit den Bauingenieur-Studenten umgesetzt. Noch heute sind wir Ehrenmitglieder im Club. Das war schon etwas Besonderes. Ginge wahrscheinlich heute so nicht mehr.

Ihre Karriere begann als noch sehr junger Architekt mit einem Bauwerk, das Ihnen sogleich hohe Anerkennung einbrachte – die Theaterwerkstätten für die Staatsoper Dresden an der Ostra-Allee. Wie kam es zu diesem Auftrag, und was war das Besondere an diesem Bauwerk?

Das Besondere war, dass mein Chef Wolfgang Hänsch mir zugetraut hat, diese Theaterwerkstätten bauen zu können. Das war im Jahre 1978. Da war ich allerdings nach dem Studium 1968, dem Stress in einem Wohnungsbaukombinat ausweichend, zwei Jahre als Bauleiter auf einer großen Baustelle in Klotzsche und danach Assistent bei Prof. Helmuth Trauzettel an der TU Dresden. Danach war ich gewillt, diese Theaterwerkstätten gemeinsam mit meinem Architektenfreund Torsten E. Gustavs anzupacken. Statt der geplanten Metallleichtbauhalle hinter dem Zwinger haben wir aus den Fertigteilsystemen der DDR ein Montageobjekt gebastelt, komplettiert mit individuellen Betonfertigteilen für die Fassade, dass die damaligen Architekturstudenten der TU Dresden dachten, nun geht es steil bergauf. Architekturpreis und Schinkelmedaille waren der Lohn. Für uns jedoch zweitrangig.

Bei der Betrachtung Ihres vielfältigen und sehr erfolgreichen Schaffens fällt auf, dass Sie auf Bauaufgaben zurückblicken können, bei denen die Synthese von historischer Bausubstanz mit modernen Architekturformen eine große Rolle spielte. Was können Sie bei diesen sehr unterschiedlichen Bauwerken an Besonderheiten erwähnen?

Natürlich sind die Neuschöpfungen von Architekturgebilden die Leuchttürme in der Baukultur. Es stimmt allerdings auch, dass aus Alt und Neu zu entwickelnde Bauaufgaben mir besonders am Herzen liegen. Carlo Scarpa oder Karljoseph Schattner waren da, nach der Wende auch konkret erlebbar, von jeher meine Vorbilder. Kulturell Überliefertes achtungs- und qualitätsvoll weiterzuentwickeln gehört für mich zum Schönsten in einem Architektenleben.

Schönste Aufgaben waren: Die Ev. Akademie Meißen im Klosterhof St. Afra, von 1990 bis 2012 in etwa zehn Bauetappen bei laufendem Betrieb saniert (geehrt beim Architekturpreis des BDA Sachsen 2004, d.A.), Romanik, Gotik, Renaissance, Barock und dann was Neues von uns. Besser geht es nicht. Bester Kontakt mit den Bauherren. Dann der Ausbau der „Zitronenpresse“ an der Brühlschen Terrasse, Bauzeit von 2000 bis 2001, in nur einem Jahr wurde es zum Ausstellungsgebäude der Hochschule für Bildende Künste (mit der bisher höchsten Auszeichnung beim Deutschen Architekturpreis 2001 geehrt). Und 2014 der Umbau und die Sanierung von Schloss Rochlitz, direkt beauftragt. Auch hier Romanik, Gotik, Renaissance, Barock und was Neues von uns. Ehrung im Rahmen des BDA-reises Sachsen 2014.

Für eines dieser spezifischen Bauwerke – das Kreuzgymnasium – erhielten Sie kürzlich den Sächsischen Staatspreis für Baukultur. Was wurde bei diesem Werk als besonders preiswürdig angesehen, und wie wichtig ist Ihnen dieser Preis?

Genau das vorher Gesagte trifft auch auf die Sanierung und Erweiterung des Ev. Kreuzgymnasiums zu. Historisch Geprägtes und Rationalität des neu Hinzugefügten ergänzen sich zu kulturellem Mehrwert. Besonders eindrucksvoll war die Verbindung von Gymnasium und Kreuzchor. Dass zum Beispiel der Kreuzchor unter Kreuzkantor Roderich Kreile in der Baugrube der künftigen Sporthalle musizierte. Natürlich ist auch die öffentliche Anerkennung innerhalb des Sächsischen Staatspreises nicht ohne Wirkung auf das persönliche Wohlbefinden des Büros und seines Büroleiters.

Wie stehen Sie heute zu den Themen Architekturwettbewerb und Vergabeverfahren? Bei vielen Wettbewerben waren Sie Mitglied der Jury, bei einigen sogar deren Vorsitzender...

Die weitgehende Ablösung von anonymen Wettbewerben durch die öffentlichen Auswahlverfahren mit „kontrolliertem“ Punktesystem ist zu beobachten. Hier steht meines Erachtens zu wenig die Suche nach der besten baulichen Lösung im Vordergrund, sondern die Suche nach dem „geeigneten“ Planer. Bei einem erst kürzlich erfolgten Wettbewerb Kindergarten/Kinderkrippe in einem Städtchen nahe Nossen war ich Juryvorsitzender. Zehn Arbeiten, anonym. Mit dabei der Bürgermeister und die Leiterin der Kindereinrichtung. Dazu vier ausgewählte Architekten. Das war die Jury. Drei Stunden intensive Bewertung. Einstimmiger 1. Preis. Danach Briefumschlag öffnen und Architekten anrufen. Das ist für mich immer noch das beste Prinzip. Da müsste man wieder hin. Andere Regionen sind da auf einem besseren Weg.

Bei einigen Aufträgen ging es in besonderer Weise um Fassadengestaltung, z.B. beim Hotel am Augustusplatz in Leipzig oder beim Hotel am Altmarkt in Dresden. Waren Sie von den Aufgabenstellungen immer überzeugt?

Fassadenwettbewerbe betonen immer nur Teilaspekte. Beim Augustusplatz hatten wir das ganze Projekt. Das war insgesamt Klasse. Beim Fassadenwettbewerb am Altmarkt war es nicht so ganz einfach. Wenn man einen ersten Preis im Wettbewerb hat, dann ist eine zweite Überlegung bei der Durcharbeitung gar nicht mehr so einfach durchzusetzen. Aus diesem Grunde gebe ich als Jurymitglied oft noch Nachbesserungshinweise auch für den Gewinner eines Architekturwettbewerbes. Das ermöglicht größere Freiräume bei der späteren Ausführungsplanung.

An Neubauten sind noch besonders erwähnenswert Ihre Gründer- und Gewerbezentren. Was waren bei diesen Aufgaben die zu bewältigenden Schwierigkeiten?

Über Wettbewerbe haben wir zum Beispiel drei Gründer- und Gewerbezentren errichten können: beste Zusammenarbeit mit den Auftraggebern, unterschiedlich schnelle Einmietung. Alles in allem eine hervorragende Unterstützung des Landes Sachsen für den sächsischen Mittelstand. Und für uns eine architektonische Herausforderung, Funktion und Gestaltung im Stadtraum zu installieren.

Mit welchen Bauaufgaben ist Ihr Büro gegenwärtig beschäftigt, und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Ämtern der Stadt Dresden und mit den Auftraggebern?

Gegenwärtig sind wir unterwegs für die Genehmigungsplanung, gemeinsam mit dem befreundeten Büro Dähne Architekten, für das Quartier QIII/2 am Neumarkt. Weitere Aufgaben sind die Sanierung der Theaterwerkstätten in Dresden und die Umgestaltung des früheren sowjetischen Pavillons der Leipziger Messe zum Stadtarchiv in Leipzig. Ich denke, als Architekt muss man sich eine Haltung aneignen, um die oft nicht ganz so einfachen Probleme im Baualltag mit der kulturellen Seite unseres Berufes dauerhaft zu verbinden. Am besten gelingt das, nach meiner Erfahrung, mit einem völlig unbegründeten Optimismus. Den kann ich nur empfehlen. Und ab und zu eine gute Skizze zeichnen.

Neben Ihren umfangreichen Projekten führen Sie auch wichtige ehrenamtliche Tätigkeiten aus. Welche dieser Tätigkeiten liegt Ihnen besonders am Herzen?

Für ziemlich wichtig habe ich die Arbeit über einige Jahre im Landes- und Bundesverband des BDA gehalten. Daraus resultieren auch heute noch gute persönliche Freundschaften. Dann die Kontaktaufnahme mit baukulturell interessierten Bürgerbewegungen, die sich zum Beispiel für den Erhalt des Palais im Großen Garten einsetzen. Gut entlastet werde ich dabei von meiner Frau, die unser Büro von Anfang an sicher durch alle Klippen führt.

Wie viele Architekten haben auch Sie ein schönes Hobby: Sie zeichnen sehr gern. Ist das der wohltuende Ausgleich zum hektischen Arbeitsleben?

Das ist mein mentaler Freiraum. Wie viele meiner Freunde, die ähnliches tun. Entspannung durch Konzentration. Egal ob Tusche, Bleistift, Aquarell oder Pastell. Die Zeit intensiver Anspannung, vor einem Gebäude, Platz oder Landschaftsraum, man möchte es nicht missen. Und man hat immer etwas zum Verschenken.

Von Manfred Zumpe

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