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Drei große Verluste - DNN-Rezensent Alexander Keuk blickt auf die Dresdner Saison zurück

Drei große Verluste - DNN-Rezensent Alexander Keuk blickt auf die Dresdner Saison zurück

Was war, was wird? Was war herausragend, wo konnten Erwartungen dagegen nicht erfüllt werden? Auch im Kulturbereich wird mittlerweile oft und gern nach Höhepunkten und Enttäuschungen gesucht, die eine Saison, ein Jahr, eine Spielzeit geprägt haben.

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Alexander Keuk

Quelle: privat

Eine Aufgabe, der sich nun im Sommer in lockerer Folge auch Autoren der DNN-Kulturseiten stellen. Sie fassen ihre ganz persönlichen Favoriten und Impressionen zusammen, erzählen in komprimierter Form von ihren Eindrücken zwischen Bravos und Kopfschütteln. Es ist mehr ein Rück- als ein Ausblick, und er soll subjektiv und damit streitbar sein. Vielleicht ein Anlass, auch als Leser vor diesem Hintergrund sein ganz persönliches Resümee zu ziehen - oder sich bewusst mit dem Fazit unserer Autoren auseinanderzusetzen. Heute erinnert sich Alexander Keuk.

Das herausragende Ereignis

Das gesamte Konzertjahr 2012 betrachtend, möchte ich gern umformulieren: Sehr bewegt hat mich der Tod dreier Künstler, die mit Dresden stark verbunden waren und die hier direkt mit der Musik, ihrem Entstehen und Erklingen beschäftigt waren: Der Komponist Hans Werner Henze hat Großes geschaffen, Kapelle und Oper pflegten sein Werk. Im Jahr seines Amtes als "Capell-Compositeur" verstarb der Komponist in Dresden - sein humanistisches Requiem, von Vladimir Jurowski in der Frauenkirche dirigiert, wurde sein eigenes - tröstend von Musik von Johann Sebastian Bach begleitet. Die Intendantin der Semperoper Ulrike Hessler hatte gerade begonnen, ihr Feld zu bestellen, hoffnungs- und erwartungsvoll waren die Gefühle, als sie im Juli 2012 verstarb. Und Sir Colin Davis, der einem Sibelius, Schubert und Mozart - oft nur mit forderndem Augenaufschlag dirigierend - so nahe bringen konnte wie kaum ein anderer. Das sind Verluste, die uns zeigen, wie vergänglich das Leben ist - im Gegensatz zur Musik, die immer war und hoffentlich immer sein wird.

Überraschendster Künstler

Überraschung entsteht, wenn man eine Horizonterweiterung erhält, ein Werk neu erleben kann durch eine Interpretation, die sich nicht auf Konvention beschränkt. In diesem Kontext blieb Alina Pogostkinas Gastspiel bei der Dresdner Philharmonie besonders im Gedächtnis, weil sie es vermocht hat, das man sich einem viel zerspielten Werk, dem Violinkonzert von Felix Mendelssohn, wieder neu und frisch nähern konnte.

Enttäuschte Erwartungen

Hat man noch Erwartungen in einer Stadt, die über Jahre hinweg nicht in der Lage ist, ihrem kulturellen Wert entsprechende Taten folgen zu lassen? Selbst über die Schließung des Kulturpalastes hinaus agiert man mit einer tödlichen "Ja, aber..."-Taktik. Von Visionen, Bekenntnis zum lebensnotwendigen Elixier der Kultur samt zukunftsweisender Förderung - davon ist man in Dresden noch weit entfernt. Eine lebendige, lebenswerte Stadt, die sich ihrer Tradition und aktuell entstehender und zu pflegender Kunst bewusst ist, geht mit Kultur anders um als mit Aufschüben, ewigen Diskussionen und alljährlichen Rechenschiebereien.

Was fehlte in der Saison?

Ein komponistenjubiläumsfreier Jahrgang... Wenn an einem Tag in Dresden an drei Spielstätten Wagner erklingt, wenn selbst der Trompeter vor der Frauenkirche sein "Va Pensiero" aus dem letzten Loch pfeift und Musik zum verpflichtenden Spektakel verkommt, dann wird es wieder Zeit für Vielfalt, Neugier und Tiefgang. Allerdings ragte aus der Vielzahl der Ehrungen das Wagner-Kapell-Konzert mit Jonas Kaufmann und Christian Thielemann als Goldstück heraus. Mit der neugestalteten Wagner-Stätte in Graupa ist zudem ein bedeutender kultureller Ort entstanden. 2014 klopft der nächste "große Richard" zum 150. Geburtstag an Dresdens musikalische Tore - mein Wunsch wird also nicht erhört werden. Tauchen wir stattdessen ein in den Kosmos Strauss und sehen einer neuen "Elektra" an der Semperoper ebenso gespannt entgegen wie mancher Gipfelbesteigung in der Alpensinfonie.

Worauf ist die Vorfreude groß?

Ich freue mich immer auf das Unerwartete. Das passiert in Dresden vielfach nicht an den gängigen Orten und mit Musikern, die zum Hinhören zwingen und Freude an ihrem Tun vermitteln. Da stemmt das Mediziner-Orchester "medicanti" eine Mahler-Sinfonie, zeigt Milko Kersten mit dem "Chorus 116" einen ungewöhnlichen Blick auf Mozart, wird die Musikhochschule zur Fundgrube für Experimente mit Briefmarkenopern, Grenzüberschreitendes und mancher Nachwuchsentdeckung. Dass die vielen Künstler, freien Musiker und Ensembles in der Stadt auch weiterhin ihre Ideen realisieren können und zum musikalischen Landschaftsbild Dresdens und zur kulturellen Bildung beitragen, wäre Vorfreude genug.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.08.2013

Alexander Keuk

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