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Drei Profis geben ihrem Affen Zucker: Das Dresdner Zwingertrio auf dem Konzertplatz an Dresdens Weißem Hirsch

Drei Profis geben ihrem Affen Zucker: Das Dresdner Zwingertrio auf dem Konzertplatz an Dresdens Weißem Hirsch

Klassische Werbung haben die Herren nicht mehr nötig, fremde Hilfe sowieso nicht, auch ihre Netzpräsenz ist just im Wartungsmodus und verspricht in Kürze eine neuen Internetauftritt.

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Seit dem Start 1982 Kult: Tom Uwe Pauls, Peter Harald Kube und Jürgen Josef Haase bieten die neuen Zwinger-Trio-Festspiele.

Quelle: Andreas Herrmann

Doch bereits im Februar genügte der Hauch einer Ankündigung - und schleunigst war die Premiere des neuen Programms des Dresdner Zwingertrios trotz guter Preislage und hoher Kapazität von mindestens 800 Freiluftsitzplätzen ausverkauft. Besagte Premiere von "Die Retter der Tafelrunde" geschah nun am Sonnabend auf dem Konzertplatz am Weißen Hirsch, ward schlitzohrig als "Zwinger-Trio-Festspiele" geadelt und bot - wie nicht anders zu erwarten, wenn sich intelligenter Mutterwitz und solides Handwerk in Musik und Spiel paaren - gute Unterhaltung.

Was genau im ersten neuen Programm seit über zehn Jahren geboten würde, war vorher nicht zu erfahren, nur dass die drei Herren, die vor 31 Jahren als noch recht junge Schauspieler am Dresdner Staatstheater als lustige Skiffle-Combo anfingen und seither meist latent, aber immer erfolgreich als Trio unterwegs sind, keinen Grund haben, irgendetwas am Grundkonzept zu ändern, war klar. Denn was sie umtreibt, beschreibt ein recht hölzerner Wikipedia-Eintrag, der gerade darob echt lustig wirkt: "Die Programme des Zwinger Trios lassen sich als eine Mischung aus Musik-Comedy, Politkabarett und Clownerie charakterisieren. [-] Scheinbare Blödelei drückt eine tiefere Bedeutung aus."

Nun sind sie, in einer genau temperierten Dramaturgie mit zehn Songs, viel Improvisation und reichlich Zuschauerdialog, mit viel Blödelei und tieferer Bedeutung auf der Suche nach dem heiligen Gral. Also eigentlich nur einer, denn nur den taktgebenden Moderator Peter Harald Kube interessiert der Fortgang dieses "literarisch-musikalischen Programmes mit Niveau" in Richtung Wertedebatte. Sein Kompagnon zur Rechten, Tom Uwe Pauls, der wie Kube Gitarre, aber auch Banjo und Klarinette spielt, fällt ihm immer wieder mit Anekdoten und durchaus lustigen Witzen ("Was haben Ehefrauen und Handgranaten gemeinsam? Wenn Du den Ring ziehst, ist das Haus weg.") ins Wort, ordnet sich aber durchaus der bewährten Konstellation unter. Zur Linken wartet ein vermeintlich dementer Jürgen Josef Haase an allen möglichen Rhythmus- und Klapperinstrumenten, so auch an Waschbrett und Doppellöffel. Er, körperlich eigentlich der fitteste des Trios, hat Rücken und unterbricht seinen Conferencier gern durch Urlaute und Bierwünsche.

Wie immer in Frack und mit Sonnenbrille, nach der Pause in kurzen Hosen, weil der Rest als Sandsäcke für Pirna verarbeitet wurde, war jeder im Publikum (meist "Bauern" beim Kulturausflug), aber auch das Servicepersonal in Gefahr, vom wachsamen Kube zur Rechenschaft gezogen zu werden. Bierholen oder Wasserlassen wird sofort durch Kommentare bestraft. Das Ganze erscheint aktuell, ist nie banal - und ab und an wird die Grenze zur politischen Unkorrektheit locker überschritten: Ein DDR-Song aus dem Jahre 1958 erzählt vom Negerjungen, der sich einen Sack voll Schnee zur Ballschlacht wünscht, aber auch "Zschäpe, Zschäpe, tschiep, tschiep" als Middle-of-the-Road-Persiflage wird es nicht in den öffentlichen Rundfunk schaffen.

Zum Thema Steuerfahndung wird per Sketch der ursprünglichen Profession gehuldigt. In alter Güte wird auch gekonnt der Beifall gebrochen, sich nie im eigenen Witzbeifall gesonnt. So geriet erst das Finale nach fast zweimal zwei Stunden zum großen Freudenausdruck, nach dem Kube nicht vergaß, das Publikum, auf das nun der Trecker nach Hause warte, je nach Sitzblock in drei Kategorien einzuteilen: gute Mitmacher, schweigende Zuhörer und wenig Begreifer. Und der Titelsong "Ja so sind die neuen Rittersleut" funktioniert als zweite und letzte Zugabe auch beim dritten Mal am selben Abend. Jetzt wieder als instrumentenlose Mundmusiknummer wie nach der Pause.

Weitere Termine werden wohldosiert folgen, denn die Herren sind anderweitig gut beschäftigt: als leibeigener Theaterchef in Pirna, als neuer Oberspielleiter in Radebeul und als freier Schauspieler, so als Schurke in "Old Surehand" auf der Felsenbühne Rathen. Der nächste gemeinsame Auftritt am 29. August an gleicher Stelle ist erwartungsgemäß ausverkauft, bei einigen Gastspielen an der Peripherie sollte es noch Restkarten geben.

Zwingertrio-Tournee: Waldbühne Jonsdorf (28.8.), Zentralgasthof Weinböhla (24.9.), Kulturhaus Freital (25.9.), Tom-Pauls-Theater Pirna (16.11.), Börse Coswig (14.2.14)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.07.2013

Andreas Herrmann

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