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„Die verkaufte Braut“: Kleines Theater, große Oper, voller Erfolg

Theater Freiberg „Die verkaufte Braut“: Kleines Theater, große Oper, voller Erfolg

Das Mittelsächsische Theater Döbeln-Freiberg hat jetzt Bedrich Smetanas „Die verkaufte Braut“ neu im Spielplan, zur Premiere in Freiberg war das Theater ausverkauft, das Publikum begeistert. Denn die Aufführung hat Größe.

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Quelle: Jörg Metzner

Freiberg. Das Mittelsächsische Theater Döbeln-Freiberg hat jetzt Bedrich Smetanas „Die verkaufte Braut“ neu im Spielplan, zur Premiere in Freiberg war das Theater ausverkauft, das Publikum begeistert. Denn die Aufführung hat Größe. Das liegt zum einen an der weitestgehend überzeugenden Grundidee der Regisseurin Judica Semler, an Annabell von Berlichingens Ausstattung und am beherzten musikalischen Zugriff von Raul Grüneis am Pult der Mittelsächsischen Philharmonie, vor allem aber am bestens disponierten Ensemble der Sängerinnen und Sänger, dem Opernchor, einer Gruppe von Kindern und Komödianten. Und auf diese Komödianten muss man hier nicht bis zum Schluss warten, sie sind schon immer dabei, spielen mit, ein wenig so wie in der Commedia dell’arte.

Nach Rückblenden, die in einem Dorf im Nirgendwo zur markant musizierten Ouvertüre beginnen und etwas von der Vorgeschichte vermitteln, dass Hans im Streit mit der Stiefmutter das Dorf verließ, beginnt das Spiel ganz gegenwärtig, Jahre später. Hans kehrt zurück, an jenem Tag, an dem Marie, die ihn liebt wie er sie, als Braut des jungen, so naiven wie verunsichert stotternden Wenzel verkauft werden soll. Da führt zunächst kein Weg ins Glück, geschweige denn in den Himmel der Liebenden. Annabell von Berlichingen lässt immer wieder schönste himmlische Wolken- und Lichtspiele auf die Opera hinter der kargen Szenerie im Vordergrund projizieren. Eine Straße, die sich dann doch im Nichts verliert, scheint geradewegs vom Dorfplatz in die lichten Wolkenfantasien zu führen, wären da nicht immer wieder nüchterne Holzwände aus rohen Latten und Brettern, die harte Grenzen setzen.

Und auch am Ende, wenn alle Hindernisse aus dem Weg geräumt sind, alle Finten und Finanzinteressen sich erledigt haben, muss sich das Glück von Marie und Hans auf dem ländlichen Boden der Tatsachen bewähren, und wahrscheinlich werden auch künftig immer wieder mal die Zäune zwischen ihnen so hoch sein, dass sie sich wie in einem der eindrucksvollsten Bilder dieser Inszenierung eben nicht bei den Händen halten können.

Wenn es so etwas wie die Vision des ungetrübten Glücks in dieser Oper gibt, die hier ganz ohne folkloristisches Beiwerk, es sei denn mit ironischem Blick auf die krachledernen Hosen der sich wild gebärdenden Dorfkerle gespielt wird, dann wohl für den naiven Wenzel, der im schützenden Bärenfell mit den Zirkusleuten und Komödianten der ganz und gar nicht idyllischen, eingezäunten Enge des Dorfes entkommt. Der Tenor Derek Rue berührt in dieser besonderen Partie gesanglich und im dezenten Spiel, der sprachlichen Not gibt er lyrische Töne, die schon vernehmen lassen, dass es gelingen wird, seine seelischen Knoten zu lösen.

Aufhorchen lässt der Tenor Michael Heim als Hans mit jugendlich heldischen Tönen des Aufbegehrens in harmonischem Übergang zu zarteren, lyrischen Momenten der Verunsicherung und Verletzlichkeit, vor allem, wenn er in zweiten Akt in höchsten Tönen von seiner Liebe singt. Leonora del Rio mit ihrem dunkel grundierten Sopran, dramatischem Aufbruch und zarter Verinnerlichung, so kraftvollen wie sicheren Höhen und Textverständlichkeit in allen Lagen gibt bei authentischem Spiel der Marie eine rundum überzeugende, selbstbestimmte Gestaltung.

Stimmig besetzt sind auch deren Eltern, Guido Kunze als Bauer Kruschina mit seiner Frau Ludmila. In dieser Rolle vernimmt man von der jungen Mezzosopranistin Melissa Domingues eine höchst hoffnungsvolle Gesangsleistung. Den schlitzohrigen Heiratsvermittler Kezal gibt Sergio Raonic Lucovic als Charakterbass, nicht ohne Charme und Selbstbewusstsein, dass sich die nächste Braut wird besser verkaufen lassen.

Ob mit Elias Han als Grundbesitzer Micha, mit Bettina Denner-Brückner als seiner Frau Agnes, Lindsay Funchal in der kleinen Rolle der Esmeralda, ein Amor auf Rollschuhen, Christian Härtig als Prinzipal der Wanderkünstler oder Gregor Rozkwitalski in der kleinen Rolle des Muff, alle Partien sind typengerecht und überzeugend besetzt. Gesungen wird in deutscher Sprache, sehr verständlich, was zum Erfolg dieser Aufführung beiträgt.

Weitere Aufführungen: 11.11. + 17.3., Theater Döbeln; 3.12., 21.1.; 10., 22.02., Theater Freiberg

www.mittelsaechisches-theater.de

Von Boris Gruhl

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