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Die evangelische Dresdner Annenkirche hat ein modernes Altarbild bekommen

Festgottesdienst mit Sachsens ev.-luth. Landesbischof Carsten Rentzing Die evangelische Dresdner Annenkirche hat ein modernes Altarbild bekommen

In der ev. Annenkirche in Dresden ist das Altarbild der aus Südafrika stammenden und in Amsterdam lebenden Künstlerin Marlene Dumas jetzt öffentlich zu sehen. An einem Lebensbaum Flüchtlingsboot, weißes Kreuz vor blauem Grund, Pietà, nächtlicher Sternenhimmel, schwarzer Christus, über allem ein zarter Regenbogen.

Festgottesdienst in der Dresdner Annenkirche mit Sachsens evangelisch-lutherischem Landesbischof Carsten Rentzing

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Selten dürften bei einem Gottesdienst so viele Augen so eingehend auf ein Altarbild geschaut haben wie am Sonntag Nachmittag in der evangelischen Dresdner Annenkirche. Dort war das Werk der aus Südafrika stammenden und in Amsterdam lebenden Marlene Dumas zur Einweihung erstmals öffentlich zu sehen. An einem Lebensbaum Flüchtlingsboot, weißes Kreuz vor blauem Grund, Pietà, nächtlicher Sternenhimmel, schwarzer Christus, über allem ein zarter Regenbogen.

Die meisten der befragten Gemeindemitglieder äußerten sich zustimmend zu dem Bild. Sie zeigten sich beeindruckt und berührt von den symbolischen Darstellungen, hoben deren biblische Ausstrahlung und tröstliche Wirkung hervor. „Es passt sehr gut zu unserer Zeit“, meinte eine Frau. „Obwohl es modern ist, ordnet es sich in den Kirchenraum ein“, sagte eine weitere. Ein Mann lobte die klare Gliederung und fügte hinzu: „Jesus, der Retter, kann doch auch ein Schwarzer sein.“

Eine andere Frau hingegen zeigte sich irritiert, weil es so völlig ihren Erwartungen widerspreche. „Aber wir gewöhnen uns sicher daran.“

Über Kunst könne man streiten, sagte Sachsens evangelisch-lutherischer Landesbischof Carsten Rentzing in seiner Predigt. „Ich höre schon die Meinung: Dieses Bild stört im Altarraum.“ Über die Inhalte werde diskutiert. Doch gerade in Gegensätzen verberge sich das Göttliche. „Noch im Widerspruch kommt die Wahrheit des Zeugnisses ans Licht.“ Die Welt sei nicht so, wie Gott sie sich wünsche. Bilder von leidenden Menschen zeigten dies besonders eindrücklich. Gerade in diesem Gegensatz aber werde sichtbar, worin Gottes Wille bestehe.

Das Altarbild der südafrikanischen Künstlerin Marlene Dumas in der Dresdner Annenkirche

Das Altarbild der südafrikanischen Künstlerin Marlene Dumas in der Dresdner Annenkirche.

Quelle: Dietrich Flechtner

„Leben aus dem Tod. Gnade aus dem Gericht“ – darin bestehe die Widersprüchlichkeit des Kreuzes Christi. „Die Betrachtung dieses Altarbildes wird dem Nachdenken darüber förderlich sein“, so der Landesbischof. Es biete das Potential, diese Welt und Gottes Gnade tiefer wahrzunehmen.

Bei Betrachtung älterer Kirchen habe er sich oft gefragt: „Was hinterlässt unsere Generation an Formgebung und Inhalten, was auch in hundert Jahren noch wirksam ist?“ Kunst sei mehr als Darstellung der Gegenwart, sie weise auf Bleibendes und Transzendentes. Er wünsche dem Bild viele nachdenkliche Betrachter über den Tag hinaus. „Dann wäre der heutige Tag der Beginn einer Segensgeschichte.“

Marlene Dumas dankte Pfarrer Christfried Weirauch für Entgegenkommen und Verständnis über die lange Zeit der Entstehung hinweg, der Gemeinde für ihre Geduld. „Meine Hoffnung ist, dass diese Arbeit Inspiration für alle ist, in guten wie in schlechten Zeiten.“

Bewusst entspreche das Altarbild nicht gängigen Erwartungen, sagte Hilke Wagner, Direktorin des Albertinums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Es sei nicht pompös, sondern bescheiden und zutiefst menschlich. Der Lebensbaum etwa weise eine strenge, organische Gestalt auf, wie Adern verzweige er sich zwischen den Einzelbildern. „Seine Äste weisen auch hinaus in das Leben der Gemeinde.“

Manche Motive zeigten sich bei Marlene Dumas in der Umkehrung, etwa der schwarze Christus, das helle Kreuz vor blauem Grund oder die Pietà, bei der es auch ein Mann sein könnte, der eine Frau trägt. Das Flüchtlingsboot erinnere an Jesus auf dem See Genezareth, es sei ein Symbol für Kirche und Gemeinde, ebenso wie ein Sinnbild für das menschliche Leben als Reise und Übergang in den Tod. Der Regenbogen symbolisiere den Bund Gottes mit den Menschen, Erlösung und die Schönheit der Schöpfung.

Marlene Dumas hatte seit 2014 an dem über dreieinhalb Meter breiten und fast acht Meter hohen Bild gearbeitet. Zwei Künstlerkollegen malten ebenfalls mit daran: Jan Andriesse den Regenbogen, Bert Boogard den Lebensbaum. Das Altarbild hat Marlene Dumas der Gemeinde geschenkt. Die Arbeiten in der Kirche dafür kosten rund 190 000 Euro. Davon muss die Gemeinde 70 000 Euro selbst aufbringen. Deshalb bittet sie weiter um Spenden.

Von Tomas Gärtner

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