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Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ehren Karl-Heinz Adler zum 90. Geburtstag

21 Arbeiten im Albertinum Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ehren Karl-Heinz Adler zum 90. Geburtstag

Mit einer Sonderausstellung ehren die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden den Dresdner Künstler Karl-Heinz Adler, dessen 90. Geburtstag am 21. Juni bevorsteht. Im Albertinum ist eine Auswahl von 21 Arbeiten zu sehen, in der alle wichtigen Werkgruppen vertreten sind.

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Karl-Heinz Adler

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Keine repräsentative Werkschau, aber eine kleine feine Ausstellung an würdigem Platz für den 1927 im vogtländischen Remtengrün geborenen, seit den 50er Jahren in Dresden wirkenden Künstler Karl-Heinz Adler wird heute im Dresdner Albertinum eröffnet. Im glücklicherweise freien Ex-Baselitz-Saal, wie ihn auch Direktorin Hilke Wagner bezeichnete, haben 21 Arbeiten des damit nun auch hier als einen „herausragenden Vertreter der konkreten Kunst in Deutschland“ Gewürdigten „Ganz konkret“ ihre Plätze eingenommen. Es wäre zu wünschen, für länger als bis zum 25. Juni, doch die gezeigten Arbeiten sind in der großen Mehrzahl Leihgaben der Leipziger/Berliner Galerie EIGEN+ART, die damit relativ kurzfristig eine solche Schau ermöglichte.

Den Grund für den eher marginalen Bestand der Galerie Neue Meister hatte (wie zuvor im Kupferstich-Kabinett) immerhin noch Werner Schmidt gelegt, dass aber Adler im Kunstbetrieb der Stadt seit der allerersten Ausstellung von 1982 in der Galerie Mitte immer wieder präsent war, ist in der Zeit nach der Wende vornehmlich dem Neuen Sächsischen Kunstverein sowie der Altana Galerie Kunst+Technik der TU und der unvergessenen Leitung von Reinhild Tetzlaff zu verdanken. Wie auch Adlers Ehefrau, die Kunstwissenschaftlerin Ingrid Adler, hatte sie sich besonders für die stets im Schatten populärerer Ismen stehende Konkrete Kunst engagiert.

Es ist sicherlich eher destruktiv, Künstlerbiografien als Folge von öffentlichen Erfolgen und/oder Behinderungen und Benachteiligungen schreiben zu wollen, zumal dann, wenn es einem Künstler so wie Adler gelingt, die Widerstände seiner Zeit so produktiv zu machen. Freilich ist auch ein Kaschieren wesentlicher Zäsuren wenig hilfreich, wie in diesem Fall die Erklärung, Adler habe gleich im Anschluss an seine Ausbildung als Musterzeichner seine Studienzeiten an den Berliner und Dresdner Kunsthochschulen – hier bei Wilhelm Rudolph und Hans Grundig absolviert. Dazwischen lagen immerhin Anti-Partisaneneinsatz im Osten, Wehrunfähigkeit aufgrund einer Tb-Erkrankung und schließlich dennoch noch einmal Volkssturm, ehe der noch nicht einmal 18-Jährige das Kriegsende glücklich erlebte. Die Frage „Konnte man in einer Zeit, in der alles zerstört war, einfach nur Bilder malen?“, die er in unserem gestrigen Gespräch stellte, erhält damit noch ein anderes Gewicht, und die Abwendung von der realistischen Malerei der frühen Jahre, das langjährige Engagement für Forschung und Lehre bzw. Kunst am Bau eine andere Nuance. Adler ist ein Mensch, der Not und Tugend auf eine ganz eigene Art zu verbinden weiß, und das Gleiche gilt auch für die Konkretheit seiner Kunst, die, anders als bei den meisten „Konkreten“ eben doch über das Für-sich-Stehen der einzelnen Arbeiten hinausgeht, indem diese zugleich Widerspiegelung von Gesetzmäßigkeiten und gestalterische Entwürfe für eine anregende und damit er-lebenswerte Umwelt waren und sind.

In Teilen wie Ganzes erscheint das Werk von Adler durchaus auch minimalistisch. Und zeitlos, wenngleich das besondere Interesse einer Enkel-Generation von Künstlern – u.a. Olaf Nicolai, der die Laudatio zu Eröffnung halten wird – dagegen zu sprechen scheint. Schichtungen, Lineaturen, Farbübergänge: Es sind im Grunde nur einige ganz simple Grundprinzipien streng geometrischer, zum Seriellen tendierender Gestaltung, deren Möglichkeiten der Künstler über Jahrzehnte erforscht und immer wieder neu zu überzeugender Schlüssigkeit gebracht hat.

Kurator Matthias Wagner hat durch den Verzicht auf eine chronologische Ordnung unterstrichen, dass es dabei weniger um den Weg zu neuen Ufern als vielmehr um die Erkenntnis und Nutzung „ewig“ wirkender Gesetzmäßigkeiten geht. Um Raumbildung und Raumillusion, die Ästhetisierung mathematischer Folgen in schier unendlicher, aber eben stets kontrollierter Vielfalt der Variationen. Zur eigentlich ganz nüchternen Exaktheit in der Arbeit mit einfachen, scheinbar unedlen Materialien wie Hartfaser oder Spanplatten und Beton tritt später die Verfeinerung durch subtile Farbaufträge in feinsten Tonabstufungen.

Während das Prinzip der Lineaturen mit ihren in schwarzen Felder zusammen bzw. ins Unendliche auseinander laufenden Geraden (es gibt aber auch Arbeiten mit tatsächlich leicht gekrümmten Linien) recht gut repräsentiert ist, wird die geradezu kosmische Spannweite der Farbübergänge nur angedeutet. Ganz verzichten musste man aus objektiven Gründen auf ein Beispiel für das ab Mitte der 60er Jahre gemeinsam mit Friedrich Kracht entwickelte Betonformsteinprogramm zur plastisch dekorativen Wandgestaltung, das mit lediglich zwölf untereinander beliebig kombinierbaren Einzelformen unerschöpfliche Möglichkeiten von der streng konstruktiven bis zur (scheinbar) zufälligen Kombination eröffnet. Hier handelt es sich durchaus nicht nur um einen Ausweg, sondern zugleich um einen Schwerpunkt im Werk, von dem aus sich übrigens so manche interessante Verbindung zu den benachbarten Richter-Sälen finden lässt. Ausgehend zum Beispiel auch von Adlers transparent-spiegelnden Glasschichtungen der frühen 60er Jahre oder hinführend zu Richters Grautafeln.

Wirklich ernsthaft begegnet sind sich die beiden allerdings nicht, auch nicht während der gemeinsamen Zeit an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo Adler von 1988 bis 1995 eine Gastprofessur inne hatte. Wie andere lange unterschätzte Dresdner, etwa Willy Wolff, hat auch Karl-Heinz Adler sein Werk autark entwickelt. Sein Gespür für den Geist und die Forderungen seiner Zeit war offen trotz mancher Beschränktheit in seiner Umgebung und trotz des tiefen Risses, der über Jahrzehnte die Welt in Ost und West teilte. Mit seinen neueren Schichtungen aus farbig gefassten Quadratfragmenten, Quadrat-Splitterungen wird er nicht zuletzt eine Versinnbildlichung hinterlassen für die Wirrnisse seiner Zeit, für die immer währenden Übergänge zwischen Chaos und Ordnung.

Anlässlich der Ausstellung im Albertinum und zwei weiteren Ausstellungen Karl-Heinz Adlers im Kássak Múzeum sowie im Kiscelli Muzeum in Budapest erscheint im April die Publikation „Karl-Heinz Adler. Kunst im System. System in der Kunst“ im Verlag Spector Books mit einem Künstler-Interview von Hans Ulrich Obrist und einem Beitrag von Olaf Nicolai. (ISBN 978-3-95905-142-2; Euro 36)

Karl-Heinz Adler. Ganz Konkret, Albertinum, 30. März bis 25. Juni, täglich 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen

Von Tomas Petzold

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