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„Die Schöne und das Biest“ nach Disney als Musical-Gastspiel in der Dresdner Semperoper

Budapester Operetten- und Musicaltheater „Die Schöne und das Biest“ nach Disney als Musical-Gastspiel in der Dresdner Semperoper

In der Dresdner Semperoper zeigt das Budapester Operetten- und Musicaltheater die Bühnenversion des Märchens „Die Schöne und das Biest“ – und zwar angelehnt an den Film von Disney. Was mittels Ton, Beleuchtung und Choreografie an Effekten und Stimmung erzielt wird, das beeindruckt sogar im Zeitalter der digitalen Effekte.

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Szene aus „Die Schöne und das Biest“

Quelle: Stefan Malzkorn

Dresden. Wenn man sich so einige Märchen mal genauer betrachtet, müsste man sich eigentlich darüber entrüsten über das, was Zauberinnen bzw. Feen so tun. Da wird Sippenhaft betrieben! Oder etwa nicht? In dem Märchen „Dornröschen“ bauen König und Königin Mist, ausbaden muss es die ganze Dienerschaft gleich mit, wird sie doch ebenfalls samt und sonders in den Tiefschlaf geschickt. Und in dem Märchen „Die Schöne und das Biest“ ist es allein der Prinz, der sich als hartherzig erweist, aber auch in diesem Fall heißt es für alle Festangestellten auf dem Schloss erbarmungslos: Mitgefangen, mitgehangen, mitverwandelt, du Opfer!

Aber zum Glück gibt es die Liebe, die für einen Wandel sorgt, wohnt ihr doch ein Zauber inne, der in diesem Fall vermag, einen anderen Zauber zu lösen. Und das ist natürlich auch in der „Die Schöne und das Biest“-Produktion des Budapester Operetten- und Musicaltheaters der Fall, die bis Ende Juli in der Semperoper präsentiert wird. Die Inszenierung beruht auf dem Disney-Zeichentrickfilm, der 1992 in die Kinos kam und Jung und Alt begeisterte. „Nebeneffekt“: Regisseur György Böhm war stark eingeschränkt, was das Setzen eigener Akzente angeht, andererseits bekam man dafür vom Disney-Konzern die Lizenz zum Touren.

Mit einem Tournee-Bus ist es allerdings nicht getan. Summa summarum sind es gut 100 Leute, die mitwirken, darunter 21 Musiker und 41 Darsteller (u.a. 15 Solisten). Gesungen wird auf Deutsch, in den mal mehr, mal weniger starken ungarischen Akzent der Darsteller muss man sich einhören, aber es ist ja nicht so, dass man in einer ausschließlich mit Deutschen besetzten Wagner-Oper jedes Wort verstünde (Hardcore-Wagnerianer natürlich ausgenommen).

An stehen natürlich die Schöne (Kitti Jenes) und das Biest (Sándor Barkóczi) und deren jeweilige Gesangskünste ganz im Fokus, aber es sind nicht zuletzt die „Sidekicks, die der Disneyschen Lesart des Märchens den gewissen Pfiff verleihen, also all die mitverzauberten Diener, die sich nichts sehnlicher wünschen, als endlich wieder ein Mensch zu sein. Der Kerzenleuchter Lumiére (Adam Bálint) gibt sich mit französischem Akzent als Charmeur zu erkennen, die Standuhr namens Herr von Unruh (Tamás Földes) ist immerzu in Angst, dass etwas schiefgehen oder gegen die Etikette verstoßen werden könnte, die resolute Teekanne Madame Pottine (Ágota Siménfalvy) wärmt Belle mit ihrer Fürsorglichkeit und die Leute im Parkett und im Rang gleich mit. Die Eigenschaften spiegeln sich sogar ansatzweise in den farbenprächtigen Kostümen wider, die Marke Eigenkreation sind und die Erzsébet Túri mit Sinn fürs Detail entwerfen durfte: Das Goldglitzern des Kerzenständers steht für seine latente und nicht zu leugnende Eitelkeit, das rosa Staubwedel war mal das kokette wie leicht eifersüchtige Stubenmädchen Babette (Dóra Szabó) ...

Vor allem das Ballett des Tafelgeschirrs ist eine Glanznummer, mag Herr von Unruh auch erstmal Schamlosigkeit wittern. Trinkgläser drehen zur mitreißenden Musik von Alan Menken schwungvolle Pirouetten, Messer und Gabel tanzen Ringelreihen. Es gibt viel Beifall für diese Augenweide an Choreografie (Éva Duda) – und zwar zu Recht.

Überhaupt: Was mittels Ton, Beleuchtung und Choreografie an Effekten und Stimmung erzielt wird, das beeindruckt sogar im Zeitalter des Digitalen noch. Bemerkenswert gut auch die Szene, in der Belle im Wald von Wölfen gejagt wird, aber vom Biest, das kein Kuschelmonster ist, sondern ein Kämpfer (jedenfalls solange es noch Hoffnung hat und waidwundes Herz und seelischer Schmerz ihm nicht allen Lebensmut nehmen) gerettet wird. Da ist der Gruselfaktor hoch, zu klein sollten also die Kinder nicht sein, wenn man gedenkt, welche mit in die Vorstellung zu nehmen.

Und so sehr es um die Liebe geht, es blitzen immer wieder auch andere „versteckte“ Botschaften auf, etwa wenn man registriert, wie leicht es doch dem von Belle abgewiesenen Egomanen Gaston (Attila Néméth) gelingt, die Dörfler zu manipulieren und dazu zu bringen, „Tod der Bestie“ zu rufen.

Bis 30.7., tgl. außer montags, Dresdner Semperoper

Karten von 35,50 bis 94,50

www.die-schoene-und-das-biest-musical.de

Von Christian Ruf

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