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Deutsche Erstaufführung von "iTMOi (in the mind of igor)" mit der Akram Khan Company im Festspielhaus Hellerau

Deutsche Erstaufführung von "iTMOi (in the mind of igor)" mit der Akram Khan Company im Festspielhaus Hellerau

Die gleichsam aus Urinstinkten geformten Laute des Mannes - sie scheinen wie aus dem Schmelzpunkt des brodelnden Erdinneren hervorzuquellen - lassen die fließenden Grenzen von Leben und Tod erahnen.

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Die Akram Khan Company präsentierte in Hellerau als deutsche Erstaufführung ihr Stück "iTMOi (in the mind of igor)".

Quelle: J. Louis Fernandez

Und sein auftrumpfend-fordernder Tanz in abgegrenzter Struktur wirkt wahrhaft unausweichlich. Ihm, besser noch dem, was er verkörpert, kann keiner entkommen - es ist allgegenwärtig und allmächtig.

Um wen oder was es nun genau in diesem geheimnisvollen Geschehen der spannungsreichen Aufführung im Festspielhaus Hellerau gehen mag, welche Opfer dargebracht werden und aus welchen Motiven heraus, das lässt sich nicht so leicht entschlüsseln. Und vielleicht liegt das ja auch nicht in der Absicht des englisch-bengalischen Tänzers und Choreografen Akram Khan. Ihn interessieren ganz offenbar - das zeigen auch seine früheren Arbeiten - jene Mächte, die da unabhängig vom Schicksal Einzelner walten und schalten, wie sich dieses Gefüge aus ewiglichen Kreisläufen von Werden, Entstehen, Vergehen stets aufs Neue formt.

Mit "iTMOi (in the mind of igor)" wagt Khan neben vielen anderen Choreografen erklärtermaßen die Konfrontation mit "Le Sacre du Printemps" von Igor Strawinsky, uraufgeführt vor 100 Jahren in Paris. Doch bewusst verzichtet er dabei auf die Originalmusik (nur ein ganz "zartes" Zitat erinnert letztlich daran) und arbeitet mit den Werken von gleich drei Komponisten: Nithin Sawhney, Jocelyn Pook und Ben Frost. Daraus entsteht die Collage einer sehr gegenwärtigen Musik mit sowohl elektronischen Irritationen, rhythmisch auftrumpfenden Beats wie auch geistlichen Klängen, die unterschiedliche Haltungen und Stile erkennen lässt. Khan formuliert damit auch sein eigenes Hinwenden zum Entdecken neuer Klangwelten, formt im Sinne von Strawinsky den "Zyklus der Kräfte, die wiedergeboren werden, um zu vergehen", in "wesenhaften Rhythmen".

Bei dem sowohl britisch wie ebenso fernöstlich geprägten Choreografen sucht man natürlich immer auch nach Assoziationen, die auf buddhistische Symbole oder speziell auf den indischen Tanz verweisen. Und entdeckt sie beispielsweise dann, wenn mit kraftvoll-rhythmischen Gruppenformationen die Erinnerung an das Gastspiel von Chandralekha Mitte der neunziger Jahre in Hellerau geweckt ist. Oder das Lebensrad als uraltes indisches Sinnbild und mit der durch die Szene geisternden Gazelle ein markantes buddhistisches Tiersymbol erkennbar scheint.

Schon während der Vorstellung mit diesen unglaublich geschmeidigen, wunderbaren elf Tänzern, die ganz offenbar aus höchst unterschiedlichen Nationen stammen, entsteht die Irritation, dass eine der Frauen einer ehemaligen Tanzstudentin der Palucca Hochschule für Tanz verblüffend ähnelt. Und beim Blick ins Programmblatt wird es zur Gewissheit, dass da tatsächlich Christine Joy Ritter zum Akram Khan Ensemble gehört, jene Tänzerin, die wir beispielsweise als Absolventin in der "Hommage á Palucca" und später mehrfach in Produktionen von Heike Hennig erlebt haben. Eine wunderbare Überraschung. Verbunden mit der Freude darüber, dass sie diesen Weg geschafft hat.

Vor der ersten der beiden Vorstellungen - mit der Koproduktion von "iTMOi" eröffnet Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste Dresden seine neue Spielzeit - hat der verständlicherweise hochbeglückte Hausherr Dieter Jaenicke im Überschwang davon gesprochen, dass Strawinsky möglicherweise in der einstigen "Bildungsanstalt Jaques-Dalcroze" in Hellerau auch konkrete Inspirationen für seine "Sacre"-Komposition erhalten habe. Das scheint eher unwahrscheinlich zu sein, auch in Anbetracht der musikalischen Eigenheiten des Schweizer Musikpädagogen Emile Jaques-Dalcroze. Doch immerhin ist verbürgt, dass Diaghilew und Nijinsky im Rahmen der ersten Gastspiele vom Ballets Russes 1912/1913 in der Dresdner Hofoper auch die Hellerauer "Bildungsanstalt" besuchten. Und Marie Rambert, die seit 1909 bei Jaques-Dalcroze arbeitete, hat schließlich das Ensemble in Paris mit Rhythmik-Studien auf die "Sacre"-Inszenierung vorbereitet. Das ist schon Ruhm genug.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.09.2013

Gabriele Gorgas

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