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Der Tänzer und Choreograf Jií Bubeníek verabschiedet sich vom Dresdner Semperoper Ballett

Der Tänzer und Choreograf Jií Bubeníek verabschiedet sich vom Dresdner Semperoper Ballett

Er kam, er tanzte, er gewann die Herzen des Dresdner Publikums im Fluge. Jirí Bubenícek, nach phänomenaler Karriere beim Hamburg Ballett unter der Leitung von John Neumeier, wurde mit Beginn der Ballettdirektion von Aaron S. Watkin im Jahre 2006 erster Solist beim Semperoper Ballett in Dresden.

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Melissa Hamilton und Jií Bubeníek in "Manon" - Premiere der neuen Ballettinszenierung in der Semperoper ist am Sonnabend.

Quelle: Ian Whalen

Dresden. An diesem Sonnabend, in der Premiere des Balletts "Manon" von Kenneth McMillan zur Musik von Jules Massenet, tanzt Jirí Bubenícek die männliche Hauptpartie, und mit der Rolle des Des Grieux wird er sich dann in der Vorstellung am 11. November verabschieden.

Aber bevor es um den Abschied von der Ballettbühne in Dresden geht, blicken wir in einem so freundlichen wie angeregten und heiteren Gespräch zurück, zu den Anfängen, damals in Prag.

Jirí Bubenícek und sein Zwillingsbruder Otto, ebenfalls erster Solist in Hamburg, wo er sich im Sommer verabschiedete, waren von klein auf in Bewegung, ihr Leben war bewegt, denn sie sind im Zirkus aufgewachsen. Da standen die Zwillinge schon früh in der Manege des auch hierzulande bekannten Zirkus Humberto. Ans Tanzen dachten sie nicht. Bis dann eine Lehrerin vom Prager Konservatorium sah, wie der Vater mit seinen Söhnen im Sportsaal eines Gymnasiums probierte. Für die Lehrerin war klar, die Jungs müssen tanzen, sie haben Talent.

Also ging es aus der Manege in den Ballettsaal des Konservatoriums. Das war, so erinnert sich Jirí Bubenícek heute, eine tolle Zeit voller Inspiration, sie waren elf begabte Jungen in der Klasse und wurden auch in die weiterführende Ausbildung übernommen. Mit großer Bewunderung und Dankbarkeit erzählt der heutige Startänzer von seinem damaligen Lehrer Andre Halász, er vermittelte die Strenge der russischen Schule und hatte auch selbst als Tänzer beste Erfahrungen in Paris gemacht. Wahrscheinlich wurden hier jene Grundlagen vermittelt, die bis heute gültig sind, gute Technik, Individualität, Eleganz, Charakterstärke und nicht zu vergessen, auch ein Schuss Humor.

Schon im Alter von 16 Jahren sah John Neumeier Jirí und Otto bei einem Wettbewerb in Tokyo und merkte sie sich vor. Kurz darauf traf Neumeier beim renommierten Prix de Lausanne in der Schweiz die beiden wieder und bot ihnen an, nach Hamburg zu kommen, ein Jahr noch an die Ballettschule, dann ins Ensemble. Hamburg ja, Ensemble auch, aber Schule, nein. "Wir waren 18 Jahre alt, hatten unsere Schule in Prag beendet, und wir wollten auf die Bühne", so Jirí Bubenícek, "wir suchten das Risiko." Neumeier sagte ja, und die Karriere begann, für beide, in einer der berühmtesten Ballettkompanien der Welt.

Neumeier kreierte für ihn grandiose Partien

Jirí blieb 13 Jahre in Hamburg, und die 13 wurde zur Glückszahl. Neumeier kreierte für ihn grandiose Partien, er war der Nijinsky im gleichnamigen Ballett, für ihn schuf der große Meister der Tanzgeschichten die männliche Hauptrolle in seinem Ballett nach Tschechows melancholischer Komödie "Die Möwe". Als König in Neumeiers genialer Deutung des Ballettklassikers "Schwanensee", bei ihm "Illusionen wie Schwanensee", war Bubenícek der König und tanzte in dieser Partie auch beim Gastspiel des Hamburg Ballett in der Semperoper.

Die Zeit in Hamburg war wichtig für den jungen Tänzer, diese Herausforderungen hat er gebraucht. Neumeier war von mitreißender Kreativität einerseits, dann aber auch von großer Nachdenklichkeit und schöpfte vor allem aus einem unermesslichen Fundus an Wissen und Erfahrung im Hinblick auf den Tanz und auf die Kunstgeschichte.

Aber dann musste es einen Wechsel geben. Einen Neuanfang, andere Herausforderungen. Die ersten Arbeiten mit Mats Ek in Hamburg hatten etwas ausgelöst, die Neugier und die Lust, auch andere Techniken und Stile des Tanzes zu erkunden. Die Chance ergab sich in Dresden, hier stellte Aaron S. Watkin eine neue Kompanie zusammen, hier würde man mit Choreografen wie William Forsythe, erneut mit Mats Ek, mit Jacopo Godani, Johan Inger und vor allem auch mit Ohad Naharin arbeiten können. Dass er bei Naharins Dresden-Debüt in "Minus 16" das Solo vor dem Vorhang tanzen durfte empfindet Jirí Bubenícek noch immer als große Ehre.

Zudem war klar, in Dresden würde sich der Spielplan des Balletts facettenreich gestalten. Hier würde es eine zeitgemäße Mischung geben aus klassischem Ballett, neoklassischen Choreografien und eben mit Übernahmen oder Uraufführungen die unerlässliche Erweiterung des Repertoires in die Moderne. Ein rein klassisch ausgerichtetes Repertoire kann zwar die inzwischen erreichte Vielfalt des Tanzes nicht mehr repräsentieren, was aber ganz und gar nicht heißen soll, man könne auf die Klassiker verzichten. Zudem ist es ja auch so, dass ein Tänzer mit den soliden Grundlagen einer klassischen Ausbildung beste Chancen hat, in modernen und zeitgenössischen Kreationen erfolgreich zu sein. Das geht freilich nicht ohne die eigene Neugier, ohne den unverzichtbaren Mut zum Risiko und die ungebrochene Kraft, die aus der Lust kommt, Entdeckungen zu machen.

Und was fehlte bisher? Es gibt ja immer Wünsche, bestimmte Rollen, die man tanzen möchte, oder Choreografen, mit denen man arbeiten möchte?

Kaum zu glauben, aber einer der größten Wünsche erfüllt sich jetzt für Jirí Bubenícek mit der Rolle des De Grieux in dem Ballett "Manon" von Kenneth McMillan. Einmal ist es so, dass er gerne einmal in einem Ballett dieses bedeutenden englischen Choreografen tanzen wollte. Zum anderen war es natürlich genau diese Partie, die irgendwann auf der Wunschliste ganz oben stand. Ein Geschenk zum Abschied für den Tänzer, und er wiederum möchte seinem Publikum mit seiner Interpretation ein besonderes Geschenk machen. Für den 41-Jährigen bedeutet diese Partie eine große Herausforderung, da sind zum einen die immensen technischen Anforderungen, zum anderen aber möchte er diesen Mann glaubhaft gestalten, eher als einen Charakter, der schon etliches erlebt hat, manche Prüfung und Enttäuschung im Leben erfuhr und jetzt noch einmal seinen großen Traum verwirklichen will und dabei alles auf eine Karte setzt.

Zudem hat Jirí Bubenícek in der jungen Tänzerin Melissa Hamilton, erste Solistin am Royal Ballet in London, eine wunderbare Partnerin und dazu die grandiosen Kolleginnen und Kollegen der Dresdner Kompanie.

Der Tanz geht für die Bubenícek-Zwillinge weiter

Was kann man sich mehr wünschen, zum Abschied von der Dresdner Bühne, zumal ja diesem Abschied auch ein Neubeginn folgt. Gemeinsam mit seinem Bruder als Ausstatter und Soundkünstler hat der Tänzer sich längst einen Namen als Choreograf gemacht, gerade kam eine Arbeit von beiden in Tokyo heraus, demnächst hat ein neues Stück Premiere in Hannover, bevor dann in Ljubljana zur Musik von Dmitri Schostakowitsch das Ballett in zwei Teilen "Doktor Schiwago" nach dem Roman von Boris Pasternak uraufgeführt wird. Zum Ende der Saison widmen sich die Bubeníceks einem Dresdner Kind, "Anita Berber - Göttin der Nacht" heißt die Uraufführung des Balletts über die "gewagteste Frau ihrer Zeit", die im Alter von 29 Jahren starb und auf einem berühmten Gemälde von Otto Dix verewigt wurde. Exzessiver Lebenstanz und expressive Kunst sollen in dieser Produktion mit dem Thüringer Staatsballett in Gera aufeinander treffen.

Und wie kann man ein Gespräch zum Abschied besser beenden als mit einem Blick in die Zukunft. Der Tanz geht weiter.

Boris Gruhl

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