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Der Sächsische Staatsopernchor feiert in der Dresdner Semperoper sein 200. Jubiläum

Ungebrochene Tradition Der Sächsische Staatsopernchor feiert in der Dresdner Semperoper sein 200. Jubiläum

Am 8. Oktober feiert der Sächsische Staatsopernchor sein 200-jähriges Bestehen und wird mit dem Preis der Stiftung zur Förderung der Semperoper ausgezeichnet. Die Ehrung erfolgt im Rahmen des 25. Preisträgerkonzerts der Stiftung in der Semperoper Dresden.

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Der Sächsische Staatsopernchor Dresden in Kostümen von Christian Lacroix, „Otello“, 2017.

Quelle: Matthias Creutziger

Dresden. Können Sie sich das vorstellen: Webers „Freischütz“ ohne Jägerchor, Lortzings „Zar und Zimmermann“ ohne Singschule, Italien ohne seine heimliche Nationalhymne „Va pensiero“ aus Verdis „Nabucco“? Nein, das geht nicht. Oper und Chor gehören in der Wahrnehmung seit langer Zeit einfach zusammen. Und doch war es einmal ganz anders. Die italienische Opera seria oder auch die französische Opéra comique des 18. Jahrhunderts kamen im Wesentlichen ohne Chöre aus. Erst mit dem Entwicklung der deutschen Oper und dem Wirken des theatererfahrenden Carl Maria von Weber in Dresden kristallisierte sich hier die Notwendigkeit eines festen Theaterchores heraus. Ungeachtet der damals politisch und wirtschaftlich schweren Zeiten fand sich der sächsische König Friedrich August der Gerechte bereit, den Intentionen seines Hofkapellmeisters zu folgen. Und so schlug am 8. Oktober 1817 die Geburtsstunde des heutigen Staatsopernchores, damals nur aus zweiunddreißig Damen und Herren bestehend. Seither, also seit Weber und seit den legendären Wagner-Uraufführungen, besteht dieser Chor ununterbrochen fort – immer auf Qualität bedacht, immer einen großen Ensemblegeist bewahrend.

1901 fand in Dresden die Uraufführung von Richard Strauss’ „Feuersnot“ statt

1901 fand in Dresden die Uraufführung von Richard Strauss’ „Feuersnot“ statt: Szene aus der Oper mit Chor.

Quelle: Raupp Dresden

Viele Chor-Directoren haben seither die Wege des Dresdner Staatsopernchores gekreuzt, natürlich Weber, aber auch der Wagner-Freund Christian Wilhelm Fischer, über Ernst von Schuch bis hin zu den Namen der jüngeren Vergangenheit, die samt und sonders den Chor geprägt haben: Ernst Hintze, Gerhart Wüstner und der unvergessene Hans-Dieter Pflüger. In der jüngeren Vergangenheit waren es vor allem Matthias Brauer und Ulrich Petzoldt, die die Geschicke des Chores lenkten. Und jetzt ist es Jörn Hinnerk Andresen, der sich für den Staatsopernchor schnell als ausgesprochener Glücksfall erwiesen hat.

Was ist das Besondere am Chor der Sächsischen Staatsoper Dresden? Da ist natürlich die stilistische wie klangliche Bandbreite, die er einbringt, seine über Jahrhunderte gewachsene Autorität und Kompetenz, der Facettenreichtum und die vortreffliche Ausgewogenheit des Klangbildes. Und dann ist da noch die landauf landab gerühmte Spielfreude, die durch keinen noch so grotesken Regieeinfall getrübt wird. Abends geht der Vorhang hoch – da gilt es der Kunst und der Freude des Publikums. Das hat der Staatsopernchor geradezu verinnerlicht.

Carl Maria von Weber, Gemälde von John Hayter von 1829

Carl Maria von Weber, Gemälde von John Hayter von 1829.

Quelle: Matthias Creutziger

Chorsänger wird man ja nicht, weil die Stimme nicht so schön ist oder weil es zum Solisten nicht reichte. Nein, das ist eine ganz bewusste Entscheidung für das Gemeinschaftsgefühl, für den Ensembleklang, in den man sich einfügen will. Man lernt in einem für einen Solisten unerreichbaren Ausmaß die ganze Vielfalt von Dirigenten- und Regiehandschriften kennen und mehr oder weniger schätzen.

Die Verantwortung des Staatsopernchores für seinen Bestand – heute zählen etwa neunzig Sängerinnen und Sänger dazu – ist groß und äußert sich u.a. darin, dass er sich selbst intensiv für die Ausbildung des Chornachwuchses einsetzt. Denn diese Ausbildung ausschließlich den Hochschulen zu überlassen, ist nicht ausreichend. So konnten mehrere Absolventen des über viele Jahre bestehenden Opernchorstudios (heute durch einen Masterstudiengang abgelöst) in den Chor übernommen werden. Hier wird der Choralltag ganz praxisnah vermittelt. Und dieser stellt schon ganz erhebliche Ansprüche an Chorsänger. Man muss musikalisch schnell umschalten können im Proben- und Vorstellungsbetrieb – von Verdi zu Mozart und Henze, von opulenter Oper auf Konzert, und das oft innerhalb weniger Stunden. Szenische Proben sind unerlässlich. Chorsänger rennen über die Bühne, kugeln sich darüber, tanzen nach einer festen Choreografie, singen unsichtbar im Hintergrund oder von hohen Gerüsten herab, sie sind mal dünn bekleidete Sex-Bombe, mal in einer Vorstellung Soldat mehrerer, auch verfeindeter Armeen, tragen Pelz (auch im Sommer) oder dick wattierte Kostüme, wie etwa in der jetzt aktuellen „Zauberflöte“ – das Chorleben ist bunt und abwechslungsreich. Nicht zu vergessen sind die wichtigen „Ableger“ des Chores, nämlich der Kinderchor und der Extrachor, die auch der Betreuung des Staatsopernchores unterliegen.

Veröffentlicht worden ist jetzt eine CD-Box des Staatsopernchores, die jedem, der ein Faible für dieses Ensemble hat, ans Herz gelegt sei. Das Wichtigste der Dresdner Operngeschichte, in denen der Chor eine entscheidende Rolle gespielt hat, ist hier versammelt: ganz frühe Aufnahmen unter Karl Böhm und Kurt Striegler, die Aufführung von Carl Orffs „Antigone“, Stücke, dirigiert von Elmendorff, Keilberth, Kempe, Neuhaus, Aufnahmen der Chordirektoren Wüstner und Pflüger. Auch die unvergessenen Dirigenten Sinopoli und Colin Davis, die beide so gern mit dem Staatsopernchor gearbeitet haben, fehlen nicht, ebenso wie der Mitschnitt des denkwürdigen „Liebesmahls der Apostel“ unter Thielemann. Auch der Blick in das Jubiläumsgedenkheft weckt so manche Erinnerung. Da gab es 1975 die grandiose Kupfer-Inszenierung von Schönbergs „Moses und Aron“, in der der Chor der Protagonist war. Diese bewegte damals die ganze Stadt. Aus der Oper kommend, wurde ich selbst in der Straßenbahn von unbekannten Menschen darauf angesprochen. Und noch immer verspüre ich einen Schauer auf dem Rücken, wenn ich das Bild des Chores in Straßenkleidung in der „Fidelio“-Inszenierung 1989 sehe. Auch die lange Reihe der Konzerte zum 13. Februar ist vermerkt, etwa die Totenmesse von Berlioz unter Colin Davis oder die berühmten Palmsonntagskonzerte, die ohne den Chor nicht hätten stattfinden können.

Neben den Hauptaufgaben für die hiesige Oper, die vormittägliche Proben und die abendlichen Vorstellungen vorsehen, hat die Ära Thielemann auch Neues für den Staatsopernchor gebracht, etwa die Advents- und Silvesterkonzerte, aber auch die umfangreiche Einbeziehung in die Salzburger Osterfestspiele. Der Tätigkeitsradius des Staatsopernchores ist größer und noch anspruchsvoller geworden.

Mögen seine Mitglieder weiter – die für den Besucher spürbare – Freude an ihrer Arbeit haben, möge der Staatsopernchor von den Verantwortlichen weiter mit Verständnis und Feingefühl gefördert werden. Der Dresdner Staatsopernchor ist einer der besten und ältesten der Welt. Und so soll es bleiben!

Von Mareile Hanns

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